Linux auf dem HP ProBook 4710s

Aus LinuxUser 11/2009

Linux auf dem HP ProBook 4710s

Business-Klasse

HPs neuestes 17-Zoll-Business-Notebook bietet für zum Einstiegspreis von 740 Euro nicht nur ein exzellentes Preis/Leistungsverhältnis, sondern erweist sich auch als besonders Linux-kompatibel.

Als erstes sticht am ProBook 4710s das schlichte, edle Design ins Auge. Obwohl die Außenhaut schwarz (oder optional burgunderrot) glänzt, hat HP den Bildschirm überraschenderweise entspiegelt. Freunde der Hochglanz-Displays bedient der Hersteller jedoch auch: Das ProBook gibt es optional auch mit “Brightview”. Die stark glänzende Gehäuseoberseite zieht Stäubchen und Fingerabdrücke geradezu magisch an, und auf der Oberfläche sieht man jegliche Verunreinigung und Kratzer sofort. Bei seinen Business-Notebooks verzichtet HP auf die Muster, mit denen es die aktuelle Consumer-Linie verziert. Die Unterseite des Gehäuses ist etwas dröge in aufgerautem Plastik gehalten, wird aber immerhin nicht durch Fächer, aufgeschraubte Module oder zahllose Aufkleber verunstaltet.

Ausstattung und Verarbeitung

Auf der mit eigenem Nummernblock erweiterten Tastatur mit abgeflachten Tasten tippt es sich angenehm. Etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen die beim Drücken nach vorne unten wegklappenden Maustasten sowie das deutlich nach links versetzte Trackpad. HP verbaut beim ProBook 4710s recht ungewöhnliche, türkisfarben leuchtende LEDs – eine angenehme Abwechslung im blau-grün-roten LED-Einheitsbrei (Abbildung 1). Mit nur 3 Kilogramm Gewicht gibt sich das 41 mal 27 Zentimeter große und 3,2 bis 3,7 Zentimeter flache Notebook sehr portabel. Das Gehäuse weist kaum Rundungen auf, die eckigen Kanten sollen wohl ein “seriöses” Design unterstreichen Abbildung 2). Völlig unverständlicherweise hat HP dem Gerät keinen Verschlussmechanismus spendiert, man “klemmt” den Bildschirm einfach zu. Daher lässt sich das Notebook nicht mit einer Hand öffnen, sondern es gilt dazu die Unterseite festzuhalten. Der 17,3 Zoll große Bildschirm weist eine Auflösung von 1600 x 900 Pixeln auf, ist hell und bietet eine gute Blickwinkelunabhängigkeit.

Abbildung 1: Die LEDs des ProBook 4710s haben eine ungewöhnliche, aber angenehme Farbe.

Abbildung 1: Die LEDs des ProBook 4710s haben eine ungewöhnliche, aber angenehme Farbe.

Abbildung 2: Keine Rundungen, kein Firlefanz – nur Hochglanz.

Abbildung 2: Keine Rundungen, kein Firlefanz – nur Hochglanz.

Im Innern bietet das ProBook 4710s eine gute, jedoch keineswegs üppige Ausstattung: Eine Intel-CPU des Typs Core 2 Duo mit 2,1 GHz Taktrate mit DDR2-800-RAM bietet gute Leistung, die ATI Radeon HD 4330 mit 512 MByte Video-RAM zählt allerdings eher zum Durchschnitt. Immerhin bietet sie deutlich mehr Performance als die bei Business-Notebooks sonst oft übliche Chipsatzgrafik. Eine 320-Gigabyte-Platte dient als Massenspeicher, 2 GByte RAM (maximal 8 in zwei SO-DIMM-Slots) sind heutzutage für normale Laptops ebenfalls durchschnittlich. Ein Dual-Layer-DVD-Lightscribe-Brenner, eine 2-Megapixel-Webcam, Marvell-Gigabit-Ethernet, Bluetooth 2.0 EDR und 802.11g-WLAN runden die interne Ausstattung ab.

An Ports (Abbildung 3) gibt es neben Audio-In/Out vier Mal USB, HDMI, VGA, einen Multi-Cardreader sowie einen Expresscard-Schacht in der schmalen 34-Millimeter-Ausführung. Optional bietet HP das Gerät mit einem Modem an (Agere Systems HDA). Da dieses aber zu den unter Linux traditionell problematischen Winmodems zählt, hat der Linux-Anwender damit wenig Freude. Ein eSATA- oder wenigstens Firewire-Anschluss fehlt, flottes Kopieren von externen Festplatten fällt demgemäß flach. Auf Anfrage kommentierte HP dazu, dass man sich bei der Produktreihe “s” explizit nur auf grundlegende Features konzentriert habe, um den Preis möglichst niedrig zu halten. Dennoch: Der Intel-Chipsatz liefert von Haus aus schon vier SATA-Ports, es wäre also nur die Buchse nötig – bei Einbau einer USB/eSATA-Kombi-Buchse, wie sie HP in anderen Laptops verbaut, noch nicht einmal das.

Abbildung 3: Vier USB, HDMI, VGA, Ethernet, Modem: Die Anschlussausstattung des ProBook 4710s ist etwas spartanisch.

Linux-Installation

Unser Testgerät kam mit vorinstalliertem Windows XP, üblich ist laut HP-Homepage [1] jedoch derzeit Vista Home. Interessanterweise bietet HP das ProBook 4710s alternativ mit Suse Linux an und verspricht auch Kompatibilität dazu. Dieses Angebot gilt jedoch nicht für Endkunden, sondern ausschließlich für die Firmen-Klientel. Wir testeten die Installation von Ubuntu 9.04, OpenSuse 11.1 und Fedora 11, und wie sich herausstellte, ist das ProBook 4710s tatsächlich sehr Linux-kompatibel.

Unter Ubuntu 9.04 funktioniert alles vom Start weg, mit Ausnahme des Schlaf-Modus und – wie bei modernen HP-Laptops unter Ubuntu 9.04 leider üblich – der Audioausgabe. Eine Installation des aktuellen Alsa-Treibers [2] mittels ./configure, make und sudo make install behebt das Audioproblem, Ubuntu gibt den Sound dann sogar über das integrierte 5.0-Surround-Soundsystem aus. Die Installation des ATI-Treibers geht gewohnt reibungslos mittels der Option Hardware-Treiber in der Systemverwaltung vonstatten. Ethernet, WLAN, Bluetooth, die Multimedia-Tasten, die Kamera und das optisches Laufwerk verrichten sofort und einwandfrei ihre Dienste.

Ein ähnlich gutes Bild zeigt sich unter OpenSuse 11.1 – hier raten wir jedoch dringend, zu allererst ein System-Update zu machen, denn direkt nach der Installation von der DVD funktioniert einiges nicht. Die Sound-Ausgabe lässt sich ohne Installation der Alsa-Treiber durch Aufruf von alsaconf einrichten. Auch mit aktualisiertem Alsa bleibt Stereo-Sound jedoch unter OpenSuse 11.1 das höchste der Gefühle. Auch nach Installation des Grafiktreibers gibt es keine Probleme: OpenSuse beherrscht damit sogar den Suspend-to-RAM-Schlafmodus, wobei der Lüfter nach dem Aufwachen manchmal stark hochdreht. Verzichten müssen OpenSuse-Anwender – außer auf Surround-Sound – lediglich auf die Multimediatasten und Suspend-to-Disk.

Unter Fedora 11 läuft dank des neueren Kernels 2.6.29 (aktualisiert sogar 2.6.30) nahezu alles vom Start weg: Bluetooth, WLAN, Sound (mit Surround), Cardreader, eSATA, Webcam, LAN, Multimediatasten – sogar der Suspend-to-RAM Schlafmodus klappt sofort. Der neuere Kernel bedeutet jedoch unangenehmerweise auch, dass ATIs Catalyst-Treiber noch nicht funktioniert, denn er unterstützt momentan nur Kernel bis Version 2.6.28. Auch auf den Suspend-to-Disk-Modus gilt es zu verzichten.

Leistung

Der mit 2,1 GHz getaktete Core-2-Duo-Prozessor zählt noch immer zu den schnellsten Mobil-Dualcore-CPUs, und so kann das ProBook in der CPU-Disziplin durchaus überzeugen. Die CPU-Leistung liegt rund 25 Prozent (im 32-Bit-Modus) beziehungsweise 37 Prozent (im 64-Bit-Modus) über jener des im letzten Heft getesteten Pavilion dv7 mit AMD Turion X2 (2,2 GHz) und nur rund 29 Prozent (32- und 64-Bit-Modus) unter der des HDX-X18 mit Intels 2-GHz-Quadcore aus Heft 09/2009. Auch die GPU-Leistung stellt zufrieden: Dank der stärkeren CPU überflügelt die deutlich schwächere Radeon 4330 des ProBook 4710s in den meisten Tests sogar die Radeon HD 4650 des Pavilion dv7. Nur in einzelnen SpecViewperf-Disziplinen und im Shader-Benchmark kann der Turion-Laptop einen Sieg erringen.

Stromverbrauch und Akkulaufzeit

Das ProBook 4710s arbeitet sehr leise. Unter Last macht sich der Lüfter zwar bemerkbar, bleibt aber immer noch weit entfernt von nervigen Lärmpegeln. Mit 4 Stunden und 37 Minuten im Leerlauf mit gedimmtem Bildschirm und aktiviertem WLAN beziehungsweise Bluetooth bietet das ProBook 4710s eine recht gute Akkustandzeit. Unter voller CPU-Last läuft die achtzellige 63-Wattstunden-Batterie allerdings schon nach rund zwei Stunden leer. Als überraschend gut erweist sich die Laufzeit beim Betrachten einer DVD, hier hält das ProBook 4710s satte 2,5 Stunden durch. Des Rätsels Lösung liegt im sparsamen Stromverbrauch des Notebooks: Es benötigt im Leerlauf lediglich 25 Watt. (Zum Vergleich: Auch Netbooks verbrauchen im Leerlauf 16 bis 18 Watt.) Bei voller CPU-Last steigt der Verbrauch auf rund 45 Watt, bei gleichzeitiger GPU-Last erhöht er sich auf etwa 50 Watt.

Fazit

Das ProBook 4710s punktet mit schlichten, aber schickem Design, guter Leistung und Akkulaufzeit, einem großen Bildschirm, leisem Betrieb und hoher Linux-Kompatibilität. Die Ausstattung ist zwar keine Offenbarung, aber ordentlich. HP wollte den Preis des Notebooks erschwinglich halten, was dem Hersteller auch geglückt ist: Beim Einstiegspreis von 740 Euro bietet das ProBook 4710s eine für die Business-Laptop-Klasse überdurchschnittliches Preis/Leistungsverhältnis.

GPU-Benchmarks

ProBook 4710s (Core2Duo 2,1GHz/RadeonHD 4330) Pavilion dv7 (Turion X2 2,2 GHz/RadeonHD 4650) HDX18 (Core2Quad 2GHz/Geforce 9600GT) Pavilion dv2 (AMD Neo 1,6 GHz/Radeon HD 3410) Desktop (Athlon X2 4600+ 2,4 GHz/Radeon HD 2400 Pro) Desktop (Intel Core i7 3,2 GHz/Geforce 280 GTX)
SpecViewperf 10.0 (Frames/s)
3DS Max-04 11,6 10,1 15,3 7,7 10,4 18,9
Catia-02 11,1 7,9 15,3 6,5 9,3 22
Ensight-03 8,3 15,7 13,3 6,9 6,8 23,8
Maya-02 21,4 15,9 39,2 12,8 16,9 60,6
ProE-04 8,4 6,3 13,7 5,3 7,3 18
Solidworks-01 18,6 13,3 25,3 11,3 15,2 40
NX Teamcenter Vis-01 4,47 3,6 5,3 2,8 3,8 9,4
UG NX-01 5,87 * 4,3 * * 6,8
Nexuiz 2.4 (Frames/s)
97 79 132 56 56 225,4
Sauerbraten (Frames/s)
34,1 39,3 42,1 17,4 15,4 135,8
Gtkperf 0.4 (Durchläufe/s)
6,5 5,7 19 3,7 7,4 22,2
größer = besser, * ATI-Consumer-Grafikkarten stürzen meistens bei UG NX ab. ATI arbeitet an einem gefixten Treiber.

CPU-Benchmarks

Kompilieren (Files/s) Encoding (Faktor / Frames/s) Kompression (MByte/s) Raytracing (Pixel/s) 1080p-H.264-Replay (fps)
Compilebench OGG MP3 x264 Bzip2 7zip Rar Povray Yafray Mplayer LNMbench-Wert1
Mobil
Core 2 Duo 2,1 GHz 32 Bit 471 18,6x 13,2x 4,1 5,81 2,11 3,97 947,6 883,3 70,6 218,5
Core 2 Duo 2,1 GHz 64 Bit 505,7 28,2x 13,2x 4,68 7,17 2,42 3,91 1140,6 1467,9 81,2 264,3
Turion X2 2,2 GHz 64 Bit 373,4 22,2x 10,4x 3,4 4,52 1,89 2,84 794,5 1096,0 66,29 192,9
Core Quad 2 GHz 64 Bit 457,1 28,6x 13,6x 8,79 6,62 2,75 4,31 2155,3 2349,1 147,58 339,4
AMD Neo 1,6 GHz 64 Bit 487,2 16,8x 7,4x 1,30 4,0 0,82 2,47 290,1 427,4 29,4 133,8
Intel Atom 1,6 GHz 32 Bit 255,6 5,1x 3,5x 0,89 2,1 0,71 1,45 190,7 202,7 17,0 70,8
Desktop
Athlon X2 2,4 GHz 64 Bit 388,67 24,9x 11,4x 3,85 5,42 2,29 3,62 874,75 1240,71 74,75 220,6
Core i7 870 2,93 GHz 64 Bit 870,3 44,9x 22x 17,8 11,44 4,26 7,51 4367,6 5114,0 321,9 647,9
Phenom II 3 GHz 64 Bit 711,4 36x 16,8x 12,04 9,54 3,11 4,88 3144,3 2993,1 171,1 450,2
größer = besser, 1 addierte egalisierte Durchschnittswerte pro Disziplin * 100

Infos

[1] Datenblatt zum ProBook 4710s: http://tinyurl.com/lu-probook4710s

[2] Alsa-Homepage: http://www.alsa-project.org

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