Aus LinuxUser 02/2017

Neun Markdown-Editoren im Vergleich

© Liligraphie, 123RF

Kleine Schreibmaschinen

Markdown-Editoren helfen durch eine Vorschau, Syntax-Highlighting und vielfältige Exportfunktionen beim Erstellen von Dokumenten. Wir haben uns neun Exemplare von der freien Software bis zum kommerziellen Programm näher angesehen.

In LibreOffice Writer klicken Sie sich im Idealfall mit wenigen Mausklicks ein passendes Layout für Ihre Texte zusammen. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Markdown: Überschriften, Hervorhebungen, Links und weitere Elemente kennzeichnet Sie hier mit speziellen Kürzeln direkt im Text [1].

So steht [Wikipedia](https://de.wikipedia.org) für einen Link zur deutschsprachigen Wikipedia. Den so angereicherten Text wandeln entsprechende Konverter wie Pandoc in beliebige andere Formate um [2], wie ein PDF oder eine HTML-Datei. Derzeit gilt Markdown vor allem bei Autoren von Blog-Beiträgen und technischen Handbüchern als Auszeichnungssprache der Wahl.

Genau dieser Zielgruppe wollen gleich mehrere auf Markdown spezialisierte Editoren mit pfiffigen Funktionen unter die Arme greifen. Ob und wie die Anwendungen dieses Versprechen einlösen, prüfen wir in einem Vergleich zwischen neun besonders beliebten Programmen. Es treten an die quelloffenen Programme Abricotine, Atom, EME, MarkMyWords, Remarkable und ReText; hinzu kommen die kommerziellen Konkurrenten Caret, Typora und WordMark.

Komfortzone

Dank Syntax-Highlighting färben sämtliche Probanden die Markdown-Tags im Text ein und heben sie so hervor. Zusätzlich liefert eine Live-Vorschau schon während des Schreibens einen Ausblick auf das Aussehen des Dokuments.

Viele Programme bieten zudem spezielle Anzeigemodi, die es erlauben, sich vollständig auf den Text zu konzentrieren („Distraction-Free Editing“). So verfügen alle Kandidaten bis auf MarkMyWords über einen Vollbildmodus. Seltener trifft man den sogenannten Fokusmodus an, in dem der Texteditor die aktuelle Zeile optisch hervorhebt und den übrigen Text abblendet.

Des Weiteren dürfen Sie in der Regel die vom Editor verwendeten Farben und Schriftarten ändern. Meist geschieht das über Vorlagen für das Design, allgemein als Themes bezeichnet. Einige Programme bieten sogar einen speziellen Modus für die Arbeit bei abendlichem Kunstlicht, der mit dunklen Farben ein augenschonendes Texten ermöglicht.

Neben dem ursprünglichen Markdown-Standard existieren mittlerweile einige aufgebohrte Varianten mit zusätzlichen Tags. Die meisten Editoren stützen sich auf die vom Online-Dienst Github entwickelte Variante [3]. Zusätzlich verstehen bis auf Atom und MarkMyWords alle Probanden mathematische Formeln in der LaTeX-Notation. So verwandeln sie etwa $$a^2 + b^2 = c^2$$ in den Satz des Pythagoras.

Abgesehen von WordMark und Caret exportieren die Editoren den Markdown-Text zumindest als HTML-Dokumente, sechs der Programme erzeugen zudem auf Wunsch ein PDF. Zumindest für diese Formate brauchen Sie folglich kein separates Programm.

Abricotine

Im Gegensatz zur Konkurrenz verschmilzt Abricotine den Editor mit der Live-Vorschau, schon während des Tippens sehen Sie direkt im Editor die Auswirkungen der Tags (Abbildung 1). Das funktioniert jedoch nicht perfekt: So zeigt die Software zwar die Überschriften größer, waagerechte Striche aber nicht als solche. Verlinkte Youtube-Videos erscheinen wiederum direkt im Text. Auf Wunsch präsentiert eine Seitenleiste den Aufbau des Dokuments.

Abbildung 1: Abricotine formatiert den Text schon beim Tippen. So haben Sie Änderungen und Probleme mit dem Layout direkt im Blick.
Abbildung 1: Abricotine formatiert den Text schon beim Tippen. So haben Sie Änderungen und Probleme mit dem Layout direkt im Blick.

Die Rechtschreibung prüft das Programm in deutschen Texten. Entsprechende Dialogfenster erleichtern das Einfügen von Bildern, Links, Tabellen und einigen anderen Elementen. Klammern schließt Abricotine automatisch. Die Spalten einer Tabelle (Abbildung 2) bringt der Editor zudem auf Wunsch automatisch auf eine identische Breite (Abbildung 3). Das vermeidet bei unterschiedlichen Spaltenbreiten ein Gewirr von Strichen auf dem Bildschirm. Die Suchen-und-Ersetzen-Funktion versteht zudem reguläre Ausdrücke.

Abbildung 2: Aus der validen, aber unschönen Tabelle oben macht die Beautify-Funktion von Abricotine ein besser leserliches Ergebnis (unten).
Abbildung 2: Aus der validen, aber unschönen Tabelle oben macht die Beautify-Funktion von Abricotine ein besser leserliches Ergebnis (unten).

Abricotine exportiert den Text als HTML-Seite oder kopiert ihn in die Zwischenablage. Letzteres erleichtert das Einfügen in eine E-Mail. Beim Export verwendet die Software ein CSS-Stylesheet, das Sie bei Bedarf gegen ein eigenes austauschen. Ein Theme bestimmt die Optik des Editors. Zwei dieser Vorlagen liegen bei, wobei das zweite einen Nachtmodus imitiert. Davon abgesehen, dürfen Sie im Editor nur noch die Schrift vergrößern oder verkleinern – was wiederum keinen Einfluss auf den HTML-Export hat. Sämtliche Grundeinstellungen des Programms nehmen Sie dagegen in einer Textdatei vor.

Abricotine unterliegt der GPLv3 und steht sowohl im Quellcode als auch in Form von DEB-Paketen auf Github bereit [4]. Der vollständig in Javascript geschriebene Editor benötigt zum Ausführen Node.js, NPM und node-gyp.

Atom

Der maßgeblich von Github entwickelte Texteditor Atom richtet sich eigentlich an Programmierer. Aufgrund seiner eingebauten Markdown-Unterstützung findet er allerdings auch bei anderen Autoren regen Zuspruch.

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