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© Kanate Chainapong, 123RF

Mobiler TV-Empfänger Sundtek MediaTV Pro III

Bester Empfang

Um mit einem Linux-Rechner fernzusehen, muss man noch immer viele Hürden überwinden. Der USB-Empfänger Sundtek MediaTV Pro III dagegen macht einen Linux-PC im Handumdrehen zu einem vollwertigen Fernseher und Videorekorder, der TV-Empfänger arbeitet dabei sogar über das Netzwerk.

Der Fernseh- und Radioempfang am Computer stellt selbst erfahrene Linux-Anwender vor einige Herausforderungen. Um das Fernsehprogramm in den hierzulande gängigen Standards DVB-T (digitales Antennenfernsehen), DVB-C (Kabel) oder DVB-S (Satellit) zu verfolgen, mangelt es zwar weder an passender Hardware noch an geeigneter Software, doch die Konfiguration der Programme wie auch der Tuner ist nach wie vor in vielen Fällen schlecht gelöst.

Hinzu kommt, dass einige Hersteller von Empfangsgeräten für den Betrieb ihrer Hardware proprietäre Firmware voraussetzen, die es nicht für Linux gibt. Dann hilft nur der Kauf einer anderen TV-Karte oder eines alternativen TV-Dongles. Selbst wenn der Hersteller eine geeignete Firmware zur Verfügung stellt, fällt deren Integration in das freie Betriebssystem in der Regel nicht gerade leicht – zumal einige Hersteller Linux offensichtlich immer noch als Betriebssystem für Hardcore-Geeks begreifen und daher keinerlei Support leisten.

Einen völlig anderen Weg beschreitet dagegen der kleine Berliner Hersteller Sundtek: Das Unternehmen stellt die angebotenen Komponenten nicht nur zu großen Teilen in Deutschland her, sondern erfreut Linux-Anwender mit umfassender Treiberunterstützung. Als Testgerät muss der Hybrid-Empfänger MediaTV Pro III [1] beweisen, was er zu leisten imstande ist. In Form eines USB-Dongles eignet er sich für praktisch jeden gängigen PC. Neben den Linux-Treibern möchte Sundtek für dieses Gerät auch Unterstützung für Android und FreeBSD realisieren.

MediaTV Pro III

Der Sundtek MediaTV Pro III entpuppt sich bei genauerem Hinsehen trotz seiner kompakter Abmessungen (Abbildung 1) als wahres Multitalent: So erlaubt der Stick nicht nur den Empfang des derzeit aktuellen DVB-T-Standards, sondern sorgt dank Unterstützung für DVB-T2 für Zukunftssicherheit. Der neue Standard löst in Deutschland ab 2016 die erste DVB-T-Generation ab und ermöglicht erstmals Fernsehen in HD-Qualität per Antenne. Daneben beherrscht das kleine Gerät digitales Kabelfernsehen (DVB-C), sämtliche analogen Standards sowie FM-Radioempfang.

Abbildung 1: Der Sundtek MediaTV Pro III ist nur wenig größer als ein klassischer USB-Speicherstick.

Ein weiteres Schmankerl des Gerätes zeigt sich erst bei genauem Hinsehen: An einer seitlich angebrachten Mini-USB-Buchse schließen Sie ein vom Hersteller mitgeliefertes Adapterkabel an, das die Kommunikation mit Camcordern, älteren VHS-Videorekordern oder auch DVD-Playern ermöglicht. Dabei verfügt das als Mediaexchange-Adapter bezeichnete Kabel über S-Video- und Composite-Anschlüsse und ersetzt somit einen gesonderten Video-Grabber.

Im Lieferumfang befinden sich neben dem eigentlichen Empfänger, der kaum mehr Platz einnimmt als ein herkömmlicher USB-Speicherstick, eine kleine Zimmerantenne, ein kurzes USB-Verlängerungskabel, der Mediaexchange-Adapter sowie eine vollwertige Fernbedienung. Um den Empfänger in Betrieb zu nehmen, müssen Sie außer zwei handelsüblichen Triple-A-Batterien für die Fernbedienung keine weiteren Zubehörteile beschaffen. Datenträger mit Treiberdateien oder zusätzlichen Anwendungen liegen dem Paket nicht bei, bei Bedarf finden Sie diese jedoch auf den Supportseiten des Herstellers [2].

Installation

Sundtek bietet für den MediaTV Pro III einen universellen Installer, den Sie zunächst als Shellskript von der Webseite [3] herunterladen. Anschließend geben Sie dem Skript die nötigen Rechte und rufen es aus einem Terminal mit Root-Rechten auf (Listing 1). Das Skript ermittelt die Hardware-Architektur des Rechners, lädt die entsprechenden Treiber aus dem Internet und installiert sie nach Bestätigen der Lizenz.

Listing 1

$ wget http://www.sundtek.de/media/sundtek_netinst.sh
$ chmod +x sundtek_netinst.sh
$ sudo ./sundtek_netinst.sh
$ sudo ln -s /opt/bin/mediaclient /usr/local/bin

TIPP

Alternativ zum Shellskript für die Treiberinstallation bietet Sundtek ein für Debian- und Ubuntu-Systeme geeignetes DEB-Paket an. Nutzer von Arch-Linux finden den Treiber zudem im AUR [4].

Dabei legt das Skript das Verzeichnis /opt/bin/ an, in dem es die Treiber sowie das von Sundtek entwickelte Konfigurationsprogramm Mediaclient speichert. Sie benötigen das Programm zunächst zum Einrichten des Sticks, später auch zum Steuern des Geräts. Den gegenwärtigen Status des Sticks rufen Sie im Terminal mit dem Befehl mediaclient -e ab. Das Kommando listet sämtliche verfügbaren Betriebsmodi und die dazugehörigen Devices auf (Abbildung 2) – so bekommen Sie schnell einen Überblick über die Fähigkeiten des Sticks. Da der MediaTV Pro III über virtuelle Adapter innerhalb des Netzwerks auch anderen Geräten zur Verfügung steht, fallen die Parameter des Mediaclient-Befehls recht komplex aus (siehe Kasten "Netzwerkfähig"). Mit dem Befehl mediaclient --help verschaffen Sie sich hier einen Überblick.

Abbildung 2: Die Mediaclient-Software gibt einen umfassenden Überblick über die Betriebsmodi des Empfängers.

Zusammen mit dem TV-Stick liefert Sundtek eine vollwertige Fernbedienung, die mit verschiedenen TV-Programmen funktioniert. Um sie zu verwenden, müssen Sie aus den Paketquellen der genutzten Distribution das Paket lirc ("Linux Infrared Remote Control") nachinstallieren. Da der Sundtek-Stick bereits einen entsprechenden Empfänger aufweist, benötigen Sie keinen zusätzlichen Dongle am Computer. Über die Fernbedienung steuern Sie ohne weitere Einstellungen nicht nur den TV-Empfang, sondern regeln die Lautstärke, nehmen zusammen mit einer geeigneten Software Sendungen auf oder fahren den Rechner herunter. Letzteres macht besonders auf Media-Center-PCs Sinn, die Sie komplett vom Sofa aus steuern möchten.

Netzwerkfähig

Mit dem Sundtek MediaTV Pro III bleibt der TV-Genuss nicht auf einen Computer beschränkt: Der TV-Stick arbeitet über das Netzwerk auch mit anderen Rechnern zusammen. So installieren Sie den Stick etwa an einem Raspberry Pi im Wohnzimmer und sehen dann im Garten über WLAN fern, ohne dass Sie dazu Kabel ziehen oder zusätzliche Hardware am Notebook anbringen müssten. Für den entfernten Rechner fungiert der Sundtek-Stick als virtueller IPTV-Adapter.

Dazu installieren Sie auf beiden Geräten den Sundtek-Treiber und richten den Stick auf dem Server komplett ein. Anschließend schalten Sie an jenem Computer, an dem der TV-Stick angeschlossen ist, mit dem Befehl mediaclient --enablenetwork=on die Netzwerkunterstützung ein und ermitteln mit mediaclient -e die Geräte-ID. In der Regel sprechen Sie den MediaTV Pro III als Adapter 0 an. Wechseln Sie nun an den Client-Rechner und suchen Sie den in den MediaTV Pro III integrierten IPTV-Server, indem Sie im Terminal mediaclient --scan-network ausführen. Funktioniert alles wie gewünscht, listet das Kommando den Sundtek-Stick mitsamt der Geräte-ID und IP-Adresse auf.

Mit mediaclient --mount=Server-IP binden Sie dann den TV-Stick als virtuelles Gerät am Client ein. Betrachten Sie mit mediaclient -e den Status, zeigt die Ausgabe neben den technischen Daten des virtuellen Adapters im Abschnitt unter [NETWORKPATH] die IP-Adresse des IPTV-Servers an (Abbildung 3). Die bereits vorgestellten TV-Apps konfigurieren Sie nun in gleicher Weise, als ob der Stick direkt am Rechner angeschlossen wäre. Um den Sundtek-Stick später wieder am entfernten Rechner auszuhängen, verwenden Sie den Befehl mediaclient --unmount=Device-ID.

Abbildung 3: Der Sundtek-Stick funktioniert auch als virtueller IPTV-Adapter im Netzwerk. Hier erkennt das Mediaclient-Kommando den TV-Stick von einem entfernten Rechner aus.

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