Erster Blick auf Valves Spiele-Linux SteamOS

Dampfmaschine

Kann Valves aufs Gaming getrimmte Distribution SteamOS tatsächlich Playstation, Xbox und Co. den Rang ablaufen? Wir haben die kurz vor Drucklegung erschienene Beta-Version unter die Lupe genommen.

Mit einer eigenen Videospielkonsole stellt sich der Spieleentwickler Valve gegen die etablierten Konsolenhersteller [1]. Anders als Playstation, XBox und Wii U besteht das Steam Machine getaufte Gerät aus handelsüblichen PC-Komponenten, jedermann kann sich seine eigene Konsole zusammenschrauben. Valve gibt lediglich die Systemanforderungen vor und verkauft ein spezielles Gamepad [2].

Es gibt noch einen wesentlichen Unterschied zur Konkurrenz: Als Betriebssystem verwendet Valve seine eigene Linux-Distribution. Das SteamOS getaufte System soll in erster Linie nur Spiele und den Steam-Client ausführen. Der ermöglicht den Zugriff auf den Valve-Online-Shop Steam und liegt bereits seit rund einem Jahr separat für Ubuntu vor [3]. SteamOS bringt aber auch einen vollständigen Linux-Desktop mit, in dem sich jedes beliebige Linux-Programm starten und nutzen lassen soll.

Debian statt Ubuntu

Die von Valve veröffentlichte erste Vorabversion von SteamOS mit dem Codenamen "Alchemist" basiert auf Debian 7.1 "Wheezy", das die Eglibc 2.17 aus Debian "Testing" und den Kernel 3.10 mit Long-Term-Support verwendet. Darüber hinaus enthält die Distribution die proprietären Grafikkartentreiber von Nvidia (nvidia-current), zu Drucklegung in Version 331.20. Der Fglxr-Treiber (alias Catalyst) für AMD-Karten liegt ebenfalls bei, verursacht aber wie der Intel-Treiber bei einigen Spielen noch Probleme. Offizieller Support für AMD- und Intel-Grafikkarten soll deshalb erst in einer der nächsten SteamOS-Versionen folgen [4].

Neben den Grafikkartentreibern gibt es auch noch einen Satz unfreier Firmware-Pakete für eine Reihe von WLAN-Chips, etwa jene von Atheros und Realtek. Des Weiteren hat Valve einen eigenen Compositor entwickelt. Dabei handelt es sich um einen modifizierten Xcompmgr, der beim Wechsel in den Vollbildmodus des Steam-Clients übernimmt. Er soll vor allem einen nahtlosen Übergang zwischen dem Steam-Client, den Spielen und dem SteamOS-System sicherstellen [4].

Es überrascht nicht wenig, dass Valve auf Debian setzt, hatte das Unternehmen doch zuvor mit Canonical kooperiert und seinen Steam-Client offiziell nur für Ubuntu bereitgestellt. Zum Grund äußert sich Valve nur vage: Auf dem Debian-Kern aufzusetzen sei für Valve der beste Weg, ein komplett eigenes "SteamOS-Erlebnis" an ihre Kunden zu liefern [4].

Das System startet automatisch den Steam-Client im Vollbildmodus (Abbildung 1). In diesem sogenannten Big-Picture-Mode steuert man die Steam Machine mit Valves Spezial-Controller. Beendet man den Steam-Client, so kommt ein Gnome-Desktop in der Version 3.4 zum Vorschein – das System lässt sich dann wie jede andere Debian-Installation benutzen.

Abbildung 1: SteamOS startet den Steam-Client im Vollbildmodus.

Steam-Client und Debian-System hält Valve über ein eigenes Repository aktuell [5]. Es stellt ausschließlich die von SteamOS installierten Pakete bereit. Zusätzliche Repositories müssen Sie manuell in die /etc/apt/sources.list eintragen.

Holzhammer

Für SteamOS bietet Valve zwei verschiedene Installationsmethoden an [6]: Bei der Default Installation schreibt das Backup-System Clonezilla das System zurück, im Fall der Custom Installation übernimmt das der Debian-Installer. In beiden Fällen löscht SteamOS ohne Rückfrage die komplette erste Festplatte und erstellt dort drei Partitionen.

Die erste davon nimmt das eigentliche Debian-System auf, die zweite eine fürs Recovery gedachte Kopie des Installationsmediums. Beide Partitionen belegen je 10 GByte, die dritte nimmt den restlichen Festplattenplatz im Beschlag. Auf ihr lagern die Home-Verzeichnisse der beiden Standard-Nutzer namens desktop und steam, zudem speichert hier der Steam-Client die gekauften Spiele.

Wie die Namen der Benutzerkonten schon vermuten lassen, läuft unter desktop der Linux-Desktop, unter steam hingegen der entsprechende Client. Letztgenanntes Benutzerkonto besitzt aus Sicherheitsgründen eingeschränkte Rechte. Keiner der beiden Accounts ist mit einem Steam-Konto verknüpft. Auf der Steam Machine im Wohnzimmer "arbeiten" also alle Benutzer zwangsweise unter dem Konto desktop, nur der Steam-Client unterscheidet mithilfe von Steam-Konten zwischen den Familienmitgliedern.

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