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© Joerg Michael Gehrke, 123RF

Ausprobiert: Valves Steam-for-Linux-Beta

Steam-Punk

Mit Steam for Linux kommen endlich aktuelle Spiele auf den Linux-Desktop. Valve steckt viel Energie in das Projekt – doch die ersten Schritte auf dem neuen Terrain wirken noch etwas wackelig.

Die Spieleplattform Steam [1] stellt seit September ersten Nutzern die Linux-Version ihrer Software zum Test bereit. In einer geschlossenen Beta-Phase gewährt Valve derzeit nur ausgewählten Anwendern den Zugang, eine offene Beta soll "in Kürze" an den Start gehen. Damit setzt einer der größten Spiele-Publisher künftig auf Linux als Plattform für seine Produkte.

Offiziell unterstützt Valve bislang nur Ubuntu oder andere Debian-basierte Distributionen. Daher kommt bei den Tests eine aktuelle Ubuntu-Version (12.10 "Quantal Quetzal") zum Einsatz. Mit einigen Basteleien gelingt es aber, Steam auch unter anderen Distributionen zu betreiben. Im Kasten "Valves Strategie" lesen Sie, warum das Unternehmen auf Linux als Plattform setzt.

Valves Strategie

Valve-Chef Gabe Newell (Abbildung 1) mag Windows 8 nicht. Das System sei "eine Katastrophe" erklärte er kürzlich in einem Interview. Der ehemalige Microsoft-Mitarbeiter setzt daher auf Linux als weitere Plattform für Spiele. Hinter Valves Engagement für das freie Betriebssystem steckt jedoch eventuell noch eine andere Motivation: Wie kürzlich durchsickerte, plant das Unternehmen eine eigene, PC-basierte Konsole für Spiele: Diese "Steam Box" soll PC-Spiele ins Wohnzimmer bringen. Und obwohl das bisher nicht in den offiziellen Ankündigungen stand, liegt es nahe, dass Valve – ähnlich wie Google bei Android – auf Linux als Unterbau für die Konsole setzt. Dementsprechend heftig brodelt in dieser Hinsicht die Gerüchteküche.

Abbildung 1: Valve-Chef Gabe Newell mag Windows 8 nicht und setzt auf Linux als Spieleplattform.

Grafiktreiber

Kurz nach der Nachricht, dass Valve einen Steam-Client für Linux plant, kündigte das Unternehmen außerdem an, Programmierer von freien Grafiktreibern bei deren Optimierung zu unterstützen. Linux leidet seit langem an mangelhaften Treibern für die 3D-Beschleunigung.

Ian Romanick, der bei seinem Brötchengeber Intel für die Treiberentwicklung für Linux zuständig ist, berichtete im Juli in seinem Blog über ein erstes Treffen mit den Valve-Entwicklern [2]. Die hätten sich dabei geradezu begeistert gezeigt über die Möglichkeit, den Quellcode der Treiber einzusehen und zu verändern, und beide Seiten hätten profitiert: Die Intel-Entwickler pflegten in der Folge Patches in ihre Treiber ein, welche die Geschwindigkeit des Spiels "Left 4 Dead 2" verbesserten, und Valves Entwickler konnten ebenfalls Probleme bei der Performance im Quellcode des Spiels beheben.

Intel setzt unter Linux ausschließlich auf Treiber mit offenem Quellcode. Von AMD gibt es zwei Treiber, einen mit offenem Quellcode und einen proprietären. Nvidia setzt ausschließlich auf geschlossene Treiber, wofür sich der Grafikkarten-Platzhirsch schon häufig harscher Kritik ausgesetzt sah. Der offene Nvidia-Treiber Nouveau stammt ausschließlich aus der Feder der Community. Sowohl für Grafikkarten von AMD/ATI als auch solche von Nvidia gilt, dass die ihre volle Geschwindigkeit erst mit den proprietären Treibern an den Tag legen.

Zum Zeitpunkt des Tests Mitte Dezember 2012 bot der Steam-Store bereits 40 Spiele für Linux an. Ärgerlich dabei: Nur von wenigen Games gibt es eine kostenlose Demo-Version für Linux. Vielen Spielehersteller portieren zwar die Vollversion auf das freie Betriebssystem, liefern aber ausschließlich für Windows eine Demo. Das Fehlen jeder Möglichkeit, vor dem Griff in den Geldbeutel festzustellen, ob das angepeilte Game unter Linux auch tatsächlich läuft, schreckt potenzielle Käufer freilich eher ab. Das von Valve angekündigte "Left 4 Dead 2" übrigens steht bislang noch gar nicht als Linux-Version bereit.

Client installieren

Valve bietet den Steam-Client als DEB-Paket zum Download an [3]. Das installieren Sie entweder über das Software-Center oder die Kommandozeile. Für Letzteres wechseln Sie in das Download-Verzeichnis und führen dort zur Installation folgende Befehle aus:

$ sudo dpkg -i steam.deb
$ sudo apt-get install -f

Der zweite Befehl dient dazu, die vom Paket benötigten Abhängigkeiten nachzuziehen. Anschließend taucht im Programm-Menü von Ubuntu der Steam-Client auf. Der fordert nach dem Start erst einmal zur Eingabe des Passworts auf, um um das Paket jockey-common nachträglich zu installieren. Es war nicht ganz klar, weshalb das nicht bereits beim Auflösen der Abhängigkeiten des Pakets passiert ist. Auch an anderer Stelle – etwa beim Update des Clients – umgeht Valve lieber das Paketmanagement der Distribution.

Nun fragt die Software nach den Zugangsdaten zur Steam-Plattform. Wer keinen Account besitzt, bekommt hier die Möglichkeit, einen anzulegen. Alternativ erstellen Sie den Zugang kostenlos auf der Webseite des Publishers. Prominent erscheint nun das Angebot, eine Beta-Version des Spiels "Team Fortress 2" kostenlos zu installieren (Abbildung 2).

Abbildung 2: Den Steam-Client bedienen Sie ähnlich wie eine Webseite in einem Browser, im Store erscheint ein prominenter Link Linux. Das Spiel "Team Fortress 2" gibt es kostenlos.

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