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© DavidSandonato, 123RF

Neue Töne

Bitwig: Professionelle Musik-Workstation für Linux

20.12.2012
Mit neuen Konzepten, innovativen Werkzeugen und flexiblen Verschaltungsmöglichkeiten für Plugins verspricht das kommerzielle Bitwig Studio die Welt der Musikproduktion unter Linux zu revolutionieren.

Spätestens, seit die meisten gängigen Distributoren mit dem Soundserver Jack eine solide Basis für Musiksoftware mitliefern, führt Musikproduktion unter Linux kein Schattendasein mehr. Selbst als Jack noch als Nischensoftware galt, hatte er schon Entwickler kommerzieller Musiksoftware zu Experimenten mit Linux angeregt. Besonderer Beliebtheit erfreut sich der Tracker Renoise, und mit Pianoteq gibt es auch eine professionelle Klavieremulation für Linux. Nun tritt mit dem Sequencer Bitwig Studio [1] eine neue Bezahlsoftware auf den Plan, die nicht nur "irgendwie" an Jack und Linux angepasst ist, sondern von vornherein für Jack und plattformübergreifend konzipiert wurde.

Bitwig stellte uns für diesen Artikel freundlicherweise eine Vorab-Betaversion des Programms zur Verfügung, und Firmengründer Nick Allen sowie Supportchef Dominik Wilms gaben uns ausführlich Auskunft über ihre Software. Zurzeit arbeiten die Programmierer von Bitwig intensiv daran, das System marktreif zu machen.

Die für die finale Version vorgesehenen Funktionen konnten wir mit wenigen kleinen Ausnahmen bereits in Augenschein nehmen und ausprobieren. Auf im Test aufgetauchte technische Probleme gehen wir im Folgenden nicht näher ein: So gut wie alle diese Fehler beruhen auf dem immer noch frühen Entwicklungsstadium und werden in der veröffentlichten Version von Bitwig Studio beseitigt.

Technische Daten

Produkt Bitwig Studio Beta
Hersteller Bitwig GmbH, Berlin, http://www.bitwig.com
Lizenz proprietär
OS Linux, Windows ab XP SP3, Mac OS X ab 10.6
Release noch kein Datum
Preis noch keine Angabe
Systemvoraussetzungen (Linux)
OS Ubuntu 12.04
CPU 64 Bit Dual-Core, SSE3
RAM 2 GByte
Display 1280x768 Pixel
Festplatte 1 GByte frei

Aufs System

Zwar handelt es sich bei Bitwig Studio um proprietäre Bezahlsoftware, doch benutzt sie – zumindest in der von uns getesteten Beta – keinen harten Kopierschutz mit Dongle und DRM, sondern ein wesentlich weniger nerviges Login-System für registrierte Nutzer. Diese können den Rechner auch für die Benutzung ohne Internet-Anschluss registrieren, wofür Bitwig ein System mit herunterladbaren Schlüsseldateien benutzt.

Zur Installation unter Linux bietet Bitwig ein für Ubuntu gebautes DEB-Paket an. Für die Zukunft denkt Nick Allen auch über Bitwig Studio auf einem USB-Stick nach. Von dem Stick soll dann ein für Sound optimiertes Linux mit vorinstalliertem Bitwig Studio starten. Das Ubuntu-Paket installiert die Anwendung nach /opt/Bitwig Studio und funktionierte auf unserem Kubuntu 12.04 LTS mit KXStudio-Erweiterung reibungslos.

Beim Start fällt auf, dass Bitwig Studio für eine so umfangreich ausgestattete Java-Anwendung bemerkenswert zügig und ohne Lüftergeheul betriebsbereit startet. Auch die Oberfläche (Abbildung 1) reagiert ohne spürbare Wartezeiten – und dank der getrennten Verarbeitungseinheit, ohne irgendwelche Kratzgeräusche zu erzeugen.

Abbildung 1: Spuren für elektronische Noten und für Sound-Daten, Klangerzeuger, Effekte und eine speziell für den Live-Einsatz erdachte Matrix für Musikclips: Bitwig hat alles an Bord, was Musiker brauchen.

Willkommen zuhause

Ein Blick in das Konfigurationswerkzeug zeigt, dass Bitwig unter Linux nicht nur Jack, sondern außerdem auch ALSA und sogar das anachronistische OSS unterstützt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Bitwig nähert sich der komplizierten Welt von Linux-Audio mit sehr offenen Armen: Es unterstützt jede Audio-Schnittstelle, die irgendwie brauchbar ist.

Das funktioniert über das plattformübergreifende System PortAudio [2], das auch unter Windows für Jack-Anbindung sorgen kann. Allerdings teilt PortAudio mit dem Desktopserver PulseAudio nicht nur das Kürzel PA: Ähnlich wie PulseAudio setzt es ganz auf Kompatibilität mit allem und jedem, weniger auf kompromisslose Leistung.

Dennoch funktioniert im Test auch die Audio-Anbindung von Bitwig nicht spürbar schlechter als die nativer Jack-Anwendungen wie etwa Ardour3 [3] auf dem gleichen System. Eine hässliche Fehlermeldung von PortAudio bezüglich der eingestellten Sample-Rate dürfte in die Kategorie jener Probleme fallen, welche die finalen Version von Bitwig Studio bereinigt.

Insgesamt darf man die Integration von Bitwig in die nicht ganz unkomplizierte Audio-Welt von Linux ohne Übertreibung als sehr vollständig bezeichnen. Das Programm sollte auf jedem aktuellen Linux mit installiertem Jack sofort funktionieren.

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