Brückenschlag
Foto-Workflow mit Bibble 5
Verlustfrei bearbeiten
Der Verzicht auf Änderungen am Originalfoto erstreckt sich auch auf sämtliche Korrekturfunktionen des Programms: Ganz gleich, wie umfangreich die Bearbeitung eines Bildes ausfallen mag, sie bleibt stets ohne Folgen für das Original (Abbildung 4) – ein für viele Fotografen derzeit zwar noch ungewohnter, inzwischen aber zunehmend verbreiteter Ansatz. Ob die Vor- oder Nachteile überwiegen, hängt stark von der individuellen Arbeitsweise ab.
Einig dürften sich die meisten Fotografen darin sein, dass die Originaldatei eines Fotos grundsätzlich unverändert erhalten bleiben sollte. Ob die Software dabei allerdings Änderungen am besten sofort in neue, zum Beispiel mit einem Namenssuffix wie _edit_v1 versehene Dateien schreiben, oder – wie in Bibble – erst zu einem späteren Zeitpunkt explizit exportieren soll, darüber gehen die Meinungen auseinander.
Einerseits stellt das sofortige Speichern einer neuen Version am ehesten eine unproblematische Zusammenarbeit mit anderen Fotoprogrammen sicher. Auf der anderen Seite spart der unter anderem von Bibble und Lightroom verfolgte, nichtdestruktive Ansatz Speicherplatz und sorgt für große Sicherheit gegen das versehentliche Überschreiben von Originalen.
Gewissermaßen als Nebeneffekt der nichtdestruktiven Arbeitsweise erlaubt Bibble das parallele Verwalten mehrerer Bildversionen, etwa in unterschiedlichen Helligkeits- und Farbvarianten (Abbildung 5). Sämtliche Bearbeitungsschritte und Bildversionen existieren lediglich als Anweisungslisten im Bibble-Katalog; die Bildkorrekturen bleiben zudem optional auf von Ihnen definierte Bereiche beschränkt.
Lob und Tadel
Auf dem Testrechner, einem PC mit AMD Athlon 64 3500+, 3 GByte RAM und Ubuntu 10.04 (32 Bit), verlief die Arbeit mit den als Malpinsel oder Vektorform verfügbaren Maskierungswerkzeugen allerdings etwas zäh. Zudem fallen generell spätere Änderungen von Vektorformen mangels echter Beziérwerkzeuge unnötig schwer. Ohne lästige Verzögerung reagieren dagegen alle Tonwertwerkzeuge.
Bibble hält ein großes Spektrum von Reglern für alle Aspekte der Farb-, Helligkeits- und Kontrastwiedergabe bereit. Einmal angewandte Einstellungen gelangen meist ohne spürbare Verzögerung ins Bild, nur bei komplexen Funktionen wie der integrierten Rauschentfernung ergeben sich fühlbare Wartezeiten. Die insgesamt hohe Performance der Bearbeitungswerkzeuge kann indes nicht völlig über störende Lücken hinwegtrösten.
So fehlt der Schwarzweiß-Konvertierung ein Kanalmixer, und auch eine Funktion zur künstlichen Bildkörnung wäre an dieser Stelle sehr willkommen. Beim Verwenden der Maskenfunktionen könnte ein Weichzeichner helfen, Bildelemente noch besser herauszuarbeiten. Speziell im kommerziellen Kontext wäre schließlich noch eine zumindest elementare Beschriftungsfunktion hilfreich, etwa für die Montage von Copyright-Hinweisen.
Lob verdient dagegen die Objektivkorrektur zum Abschwächen von Vignettierungen und chromatischen Aberrationen. Eine Plugin-Schnittstelle erlaubt zudem das Einbinden extern programmierter Werkzeuge – das Angebot entsprechender Module bleibt bislang aber überschaubar.
Um die in Bibble angewandten Korrekturen auch für andere Programme sichtbar zu machen, müssen Sie diese wie bereits erwähnt in neue Bilddateien schreiben. Dies stoßen Sie jederzeit mit wenig Aufwand für einzelne oder mehrere Fotos an. Bibble unterstützt allerdings nur das Speichern auf lokalen Datenträgern. Einen Export in Internetalben, auf Online-Communities und zu ähnlichen Diensten sieht das Programm derzeit nicht vor. Für Anschluss an das World Wide Web sorgt lediglich ein sehr einfach gestrickter Export statischer HTML-Galerien. Sogar auf einen Befehl für den Mailversand einzelner oder mehrerer Fotos haben die Entwickler verzichtet, was mit Blick auf einen eventuell notwendigen, vorgelagerten Export bearbeiteter Bilder durchaus stören kann.
Noch negativer fällt die fehlende Unterstützung von Geodaten auf. Einzig bereits vorhandene Geotags zeigt Bibble in numerischer Form an. Eine Positionsdarstellung auf Landkarten dagegen sieht es ebenso wenig vor wie das Einfügen neuer oder das Bearbeiten vorhandener Geotags. Auch die Druckfunktionen zeigen eine ärgerliche Schwäche: Individuelle Drucklayouts müssen Sie tatsächlich noch über Textdateien definieren.



