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Radio Gaga

Mediaplayer Cowon D2+ DAB

01.12.2009
Der koreanische Hersteller Cowon hat seine erfolgreichen Mediaplayer D2 und D2 DAB aktualisiert – sie bieten jetzt DAB plus, mehr Speicherplatz und günstigere Preise.

Mit dem Modell "D2" hat Cowon vor über zwei Jahren einen Mediaplayer vorgestellt, der sich schnell großer Beliebtheit erfreute. Vor allem zwei Nutzergruppen spricht der D2 an: Linuxer und Audiophile. Erstere freuen sich über einen Player, der sich als Massenspeicher ins System einhängen lässt und auch das freie Format Ogg/Vorbis abspielt [1]. Die Ton-Liebhaber schwärmen von einem Gerät, das laut vieler Tests in einschlägigen Medien eine außergewöhnliche Tonqualität bietet.

Kurze Zeit später eroberte der D2 in der Version "DAB" eine dritte Nutzergruppe – die Anhänger des digitalen Rundfunks. Genau dieses Rundfunkformat, das sich noch lange nicht durchgesetzt hat, ist am Ende seiner Lebenszeit angelangt, und Cowon schiebt nun sein verbesserten Player nach: den Cowon D2+ DAB nach. Er unterstützt den DAB-Nachfolger DAB plus – zu diesem später mehr.

Wenig neu, dafür günstiger

Der neue D2+ gleicht seinem Vorgänger D2 äußerlich wie ein Ei dem anderen. Die optischen Änderungen des Gehäuses fallen minimal aus – hauptsächlich die Farbgebung unterscheidet beide Geräte. Dagegen präsentiert sich die Benutzeroberfläche in einem gänzlich neuen, sehr bunten Design. Funktionsweise und Benutzerführung hingegen blieben gleich. Der Preis der verschiedenen D2+-Varianten sank ganz erheblich.

Technisch hat sich ebenfalls nur wenig verändert. Ganz getreu dem Motto "Never change a selling product" hat Cowon den D2+ gegenüber dem D2 nur geringfügig verändert. Lediglich ein wenig mehr Speicherplatz hat das Unternehmen dem Mediaplayer spendiert – bis zu 16 GByte sind jetzt möglich. Die Software wurde um die neue Soundengine BBE+ erweitert. Doch die wohl entscheidendste Änderung betrifft die DAB-Version D2+ DAB: Sie unterstützt den Nachfolger des digitalen Übertragungsstandards für den digitalen Rundfunk DAB plus.

Geblieben ist beim D2+ die hervorragende Tonqualität. Anspruchsvolle Käufer sollten gleich noch in etwas hochwertigere Kopfhörer investieren. Ebenfalls noch immer überzeugen kann die lange Laufzeit des Cowon D2+ DAB: Laut Hersteller bringt der Player genug Saft für 52 Stunden Musikgenuss – diese Angabe bestätigte sich im Test. Das nahezu baugleiche Modell "D2 DAB" des Autors muss selbst bei regelmäßiger gemischter Nutzung aus DAB-Radio, MP3-Wiedergabe und Video-Genuss nur alle zwanzig bis dreißig Stunden ans Stromnetz, bei reiner Musikwiedergabe sogar noch seltener.

Aus alt mach neu

Nahezu parallel zu den aktualisierten Mediaplayern D2+ und D2+ DAB hat Cowon [2] für europäische Anwender ein Firmware-Update für den D2 DAB bereitgestellt. Diese Aktualisierung macht der Player fit für den Empfang von DAB plus.

Mit den beiden neuen Modellen führt Cowon eine erfolgreiche Modellreihe fort, die mit langer Laufzeit, vielen Funktionen und schnörkelloser Bedienung überzeugt. Zudem ist die DAB-Variante schon heute fit für das Digitalradio der Zukunft. Dessen derzeitiger Zustand gleicht aber in Deutschland einem Trauerspiel.

Cowon D2 – Datenblatt

Hersteller Cowon Cowon
Typ D2 DAB D2+ DAB
Display 2,5 Zoll 2,5 Zoll
Touchscreen ja ja
Auflösung 320 x 240 Pixel 320 x 240 Pixel
Speicherkapazität 4 / 8 GB 4 / 8 / 16 GB
UKW Radio ja ja
DAB Band III Band III
DAB plus ja (mit Update) ja
EQ und Sound-Effekte 5-Band-Equalizer, BBE, Mach3Bass, MP Enhance, 3D Surround, Stereo Enhance 5-Band-Equalizer + Equalizer-Filter, BBE+, Mach3Bass, MP Enhance, 3D-Surround, Stereo Enhance
Unterstützte Formate
Musik MP3, OGG, WMA, FLAC, WAV, APE, AA MP3, OGG, WMA, FLAC, WAV, APE, AA
DRM-Unterstützung DRM10 DRM10
Video AVI (MPEG4), WMV9 AVI (MPEG4), WMV9
Sonstige JPEG, TXT JPEG, TXT
Besonderheiten Mikrofon, Aufnahmefunktion Sprache und Radio, geplante Aufnahme, Uhr, Wecker, Sleep Timer,TV-Out Mikrofon, Aufnahmefunktion Sprache und Radio, geplante Aufnahme, Uhr, Wecker, Sleep Timer,TV-Out
Anschluss USB 2.0, SD(HC)-/MMC-Kartenleser USB 2.0, SD(HC)-/MMC-Kartenleser
Laufzeit* MP3: 52 h, Video: 10 h, DAB 9 h MP3: 52 h, Video: 10 h, DAB 9 h
Farben Schwarz, Silber Schwarz, Silber
Maße (B x H x T) 78,0 X 55,4 X 16,6 mm 78,0 X 55,4 X 16,6 mm
Gewicht 91 Gramm 91 Gramm
Mitgeliefertes Zubehör Kopfhörer, Netzteil, USB-Kabel, Software, Stylus Kopfhörer, Netzteil, USB-Kabel, Software, Stylus
Preis* 249 Euro / 4 GB, 299 Euro / 8 GB 179 Euro / 4 GB, 199 Euro / 8 GB, 229 Euro / 16 GB
* = Herstellerangabe / Unverbindliche Preisempfehlung

DAB und DAB plus

Die Abdeckung von DAB ist unzureichend, die Verbreitung von Empfangsgeräten fast noch geringer – Dabei bietet der Nachfolger des analogen Rundfunks UKW durchaus Potential. Ein Blick ins europäische Ausland zeigt: Hier kann DAB überzeugen. In Großbritannien etwa tummeln sich Dutzende öffentlich rechtliche und private Kanäle auf den digitalen Frequenzbändern. Bei einem Besuch in London empfing der Cowon D2 satte 32 verschiedene Radiostationen. Im mit Sendern gut bestückten Berlin dagegen sind derzeit gerade einmal 11 Kanäle zu empfangen, in anderen Regionen Deutschlands sieht es noch schlechter aus. Mancherorts empfangen Digitalradio-Besitzer gar nur ein, zwei Radiostationen – sofern überhaupt Empfang besteht.

Die mangelnde Abdeckung rührt nicht zuletzt daher, dass DAB in seiner herkömmlichen Form in Deutschland nur mit einem Zehntel der möglichen Leistung ausgestrahlt wird. Die Ursache: vom Militär genutzte Frequenzbänder, die an jene von DAB angrenzen. Da die Streitkräfte Angst vor Störungen hatten, wurde die Sendeleistung des Digitalrundfunks beschränkt. Daher lasst er sich nur sehr schlecht empfangen, vor allem Gebäude schirmen den digitalen Funk ab. Die ursprünglichen Ängste um die Beeinflussung anderer Frequenzen erweisen sich jedoch zunehmend als haltlos, und so strahlen in einigen Regionen (etwa Bayern) die Stationen DAB mit einer höheren Sendeleistung aus.

Ob der dadurch bessere Empfang zu mehr Akzeptanz führt, bleibt weiterhin fraglich, denn noch ein weiteres Hindernis muss DAB überwinden: Die Hemmschwelle der hohen Kosten sowohl für Konsumenten als auch für die Sender. Den Konsumenten treffen die gesalzenen Preise für Empfangsgeräte, und vor allem der private Rundfunk scheut die hohen Kosten für die Ausstrahlung.

Totgeburt?

Mit der zweiten Generation namens DAB plus sollte eigentlich alles besser werden: Das Verfahren ermöglicht besseren Klang bei geringeren Bandbreiten und auch mehr Sender auf einem Frequenzband. Zudem können die Rundfunkstationen zusätzlich zum Audiosignal noch Zusatzinformationen wie Grafiken, Bilder und kleine Texte übermitteln.

Zu Beginn des Jahres 2010 sollte DAB plus das alte DAB ablösen [3] – doch derzeit liegen die Pläne dazu in ganz Deutschland auf Eis. Die "Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten" (KEF) [4] hat die Mittel für DAB und DAB plus eingefroren, weil nach ihrer Ansicht selbst die Weiterentwicklung nicht zu einer größeren Verbreitung des digitalen Rundfunks in der Bevölkerung führen würde. Außerdem waren schon im Vorfeld viele privater Rundfunksender ganz aus dem Projekt DAB plus ausgestiegen: Ihnen erschien der Mehrwert zu gering und der (finanzielle) Aufwand zu hoch. Sollte es allerdings ein tragfähiges neues Konzept geben, bei dem auch die Privaten mitziehen, dann ließen sich die Mittel der KEF abrufen und einsetzen [5].

Analoge Republik

Auch noch jetzt, kurz vor der geplanten Umstellung, bleibt die Situation weiter unklar. Wie es aussieht, wird DAB zwar eingestellt, DAB plus aber in Deutschland auf absehbare Zeit nicht starten. Die Bundesrepublik verkommt damit zu einer analogen Insel in der digitalen europäischen Rundfunklandschaft. Zurück bleiben einige tausend verärgerte DAB-Nutzer, deren teure Empfangsgeräte damit zu digitalen Staubfängern werden.

Glossar

DAB

Digital Audio Broadcasting. Digitaler Übertragungsstandard für terrestrischen Empfang von Hörfunkprogrammen, in der Europa-Norm EN 300401 standardisiert.

Infos

[1] Test Cowon D2: Marcel Hilzinger, "Nur 48 Stunden", LinuxUser 04/2007, S. 93, http://www.linux-community.de/artikel/12753/

[2] Cowon Deutschland: http://cowon-germany.de/

[3] Digitaler Rundfunk in Deutschland: http://mmm.verdi.de/archiv/2009/11/titelthema-digitalradio/solo-oder-huckepack

[4] Entscheidung der KEF zu DAB plus: http://www.kef-online.de/inhalte/presse/kef_pressemitteilung_15072009.doc

[5] Das Deutschlandradio zum KEF-Entschluss: http://www.dradio.de/presse/pressemitteilungen/1041342/

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