Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
da ist Linux bei USB 3.0 einmal das erste Betriebssystem, das eine neue Technik von Haus aus unterstützt [1], und dann gerät die Markteinführung des neuen Schnittstellen-Standards zu einer mittleren Katastrophe. Obwohl Intel USB 3.0 schon 2007 auf seinem Developer Forum vorstellte und ursprünglich fürs erste Halbjahr 2008 ankündigte, finden sich noch immer weit und breit keine USB-3.0-Geräte. Zwar überschlagen sich die Peripheriehersteller mit Ankündigungen – geht es aber um konkrete Liefertermine, will sich niemand festlegen. Die ursprünglichen Pläne für das Weihnachtgeschäft 2009 hat man wohl längst aufgegeben, noch nicht einmal Vorserienexemplare für die Presse gibt es hierzulande.
Die PC-Geschichte zeigt: Erst die Integration in Chipsätze verhilft einem Standard zum Erfolg – wie beim blitzartigen Siegeszug von USB 2.0. Doch weder Intel noch AMD wollen verraten, ab wann sie denn nun USB 3.0 unterstützen. Das Branchenmagazin EEtimes berichtet gar unter Berufung auf einen hochrangigen Mitarbeiter eines großen PC-Herstellers, dass Intel wohl erst 2011 das Superspeed-USB in seine Chipsets integriert [2]. Intel dementiert nicht. Auch AMD scheint sich bei USB 3.0 nicht so ganz sicher zu sein: Während manche der Roadmaps aus Sunnyvale verzeichnen, alle nach der CeBIT 2010 kommenden Southbridges brächten USB 3.0 mit, erwähnen andere Roadmaps die Technik noch nicht einmal. Ein offizielles Statement gibt es nicht. Und all das, während die USB-Galionsfigur Intel inzwischen sogar mit einem der USB-Erfinder, Ajay Bhatt, in einem äußerst originellen Werbespot wirbt: “Unsere Rockstars sind anders” [3].
Externe Festplatten verkaufen sich derweil wie geschnitten Brot und stehen palettenweise in Größen bis zu 1,5 TByte in den Elektronikmärkten; die Hersteller vermelden Lieferengpässe aufgrund der ungewohnt großen Nachfrage [4]. Allerdings unterstützen die Geräte aber nach wie vor nur das längst nicht mehr zeitgemäße USB 2.0, das die in den externen Gehäusen verbauten Festplatten auf ein Drittel ihrer möglichen Geschwindigkeit ausbremst. Das Befüllen einer 1,5-TByte-Festplatte per USB 2.0 dauert satte 13 Stunden, obwohl die Disk die Datenmenge in gut vier Stunden wegschreiben könnte.
Unsinniger Ramsch also – aber in der schönen neuen Windows-7-Welt wird er sich verkaufen, kann doch Microsofts so reichlich gehyptes neues Kind erst Ende 2010 mit USB-3.0-Support aufwarten. Für Linux-Anwender bietet sich als Alternative eSATA an, das Transferraten beherrscht, die sogar für die schnellsten SSD-Festplatten ausreichen. Motherboards bieten den Anschluss schon seit Jahren standardmäßig und selbst viele Notebooks integrieren ihn inzwischen. eSATA ist letztendlich wenig mehr als eine andere Schnittstelle für SATA und funktioniert obendrein schon ewig völlig problemlos und prächtig unter Linux. Ich pfeife auf USB 3.0, wo ist mein eSATA-Kabel?
Daniel Kottmair
Redakteur
Infos
[1] USB-3.0-Unterstützung im Kernel 2.6.31: http://tinyurl.com/usb3-in-linux
[2] EEtimes über USB-Verzögerung bis 2011: http://tinyurl.com/usb3-2011
[3] Intel-Werbespot: http://www.everythingusb.com/intel-usb-rock-star-16620.html
[4] Lieferengpässe bei Festplatten: http://tinyurl.com/festplatten-lieferengpass






Klar ist USB 3.0 vor allem für USB-Festplatten interessant, aber es gibt halt viele andere Geräte die von USB 3.0 auch profitieren könnten.
Flachbettscanner, Webcams, USB-Grafikkarten, teure Digital Kameras u.v.m….
Geräte die man niemals vernünftig an einen eSATA Anschluss betreiben könnte.