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© Jayme Ayres, www.jaymeayres.com (CC-BY-SA 3.0)

Dutzend voll

Fedora 12 "Constantine"

17.12.2009
Mit etwas Verspätung erschien Mitte November die zwölfte Auflage der beliebten Linux-Distribution Fedora. Große Neuerungen blieben zwar aus, dafür gibt es aber viele nützliche Detailverbesserungen.

Mit Fedora 12, Codename "Constantine", hat das Fedora-Projekt noch einmal seine Arbeitsweise geändert. So gab es diesmal nur noch zwei Vorabversionen: Die Alpha erschien Mitte August und hatte bereits alle größeren Neuerungen an Bord, die einen Monat später folgende Beta-Version diente nur der Fehlersuche. Schließlich schoben das Projekt aber noch vier Release-Candidates hinterher, von denen der letzte zum finalen Fedora 12 wurde.

Gegenüber Fedora 11 betrieben die Entwickler vor allen Dingen Produktpflege und optimierten das gesamte System an vielen Stellen. So sorgt ein verbessertes Power-Management für eine geringere Energieaufnahme von Prozessor, Festplatten und Netzwerk. Zudem wurden in der 32-Bit-Fassung von Fedora sämtliche Softwarepakete für die i686-Architektur übersetzt. Damit läuft das gesamte System auf aktuellen Intel- und AMD-Prozessoren schneller und effizienter. Besitzer von Atom-CPUs, wie sie gerne in Netbooks Verwendung finden, dürfen sich ebenfalls über spezielle Optimierungen freuen. Im Gegenzug läuft Fedora nicht mehr auf einigen älteren und selteneren Prozessoren. Neben dem Pentium I gehören dazu beispielsweise auch Via-C3-CPUs mit "Ezra"- und "Samuel"-Kernen sowie AMDs Geode GX, die lediglich den Befehlssatz eines Intel-Prozessors der i586-Generation bieten.

An der Quelle

Fedora 12 steht auf der Homepage entweder als 4,5 GByte großes DVD-Image (in der 32-Bit-Version auf der Heft-DVD) oder in Form von fünf CD-Images zum Download bereit. Obendrauf gibt es noch verschiedene, unterschiedlich ausgestattete Live-CDs. Im Gegensatz zu vielen anderen Distributionen ist Fedora neben den obligatorischen 32-Bit und 64-Bit Fassungen für x86-Prozessoren auch noch für PowerPC-Systeme erhältlich, für diese allerdings nicht als Live-CD.

Durch zahlreiche Optimierungen stiegen auch die Systemanforderungen. So verlangt Fedora 12 einen PC mit mindestens Pentium-Pro-Prozessor und 256 MByte Hauptspeicher. Alle mitgelieferten Programmpakete verschlingen zusammen 9 GByte auf der Festplatte.

Eigens für Netbooks produziert das Fedora-Projekt eine spezielle Remix-Live-CD. Sie nutzt die Bedienoberfläche der eigentlich von Intel initiierten Moblin-Distribution. Wer sie auch unter dem normalen Fedora 12 nutzen möchte, muss die Moblin-Desktop-Umgebung über den Paketmanager nachinstallieren und am Anmeldebildschirm Moblin als Desktop-Manager wählen.

Sämtliche Images mit einem Live-System lassen sich zudem direkt per dd-Kommando auf einen USB-Stick schreiben und direkt davon booten. Da dieser Weg jedoch die Daten auf dem USB-Medium ohne Rückfrage überschreibt, empfehlen die Fedora-Macher, auf den Fedora Live USB Creator für Windows oder die livecd-tools für Fedora auszuweichen.

Oberflächlich

Alle obligatorischen Softwarepakete wurden auf den aktuellen Stand gebracht. So werkelt im Hintergrund der Linux-Kernel in Version 2.6.31, OpenOffice wurde auf die Version 3.1.1 gehievt, während Gnome in der Version 2.28 beiliegt (Abbildung 1). Nutzer dieses Desktop-Systems müssen allerdings mit Pidgin und dem Notizzettel Tomboy auf zwei alte Bekannte verzichten.

Abbildung 1: Um die Neuerungen im Desktop von Fedora 12 zu entdecken, muss man schon genauer hinsehen – beispielsweise steckt hinter dem gelben Zettel Gnote statt Tomboy.

Letzterer wurde schon mit Fedora 10 von der Live-CD verbannt – der Unterbau Mono nahm den Machern zu viel kostbaren Platz weg. In Fedora 12 kommt statt Tomboy nun endgültig das schlankere, aber ähnlich leistungsfähige Gnote zum Einsatz. Statt Pidgin versieht wie bei Ubuntu Empathy als Instant Messenger den Dienst, das sich nach Ansicht der Fedora-Entwickler besser in Gnome integriert (Abbildung 2).

Abbildung 2: In Fedora 12 ersetzt der Instant Messenger Empathy den alten Pidgin, der Notizzettel Gnote kommt für Tomboy.

Das mit Fedora 11 eingeführte und heftig kritisierte Gnome-Applet zur Lautstärkereglung bekam ein paar vermisste Funktionen seines Vorgängers spendiert: So unterstützt es jetzt auch Profile, Input Switching und erlaubt eine einfachere Einrichtung der Lautsprecher (Abbildung 3). Der Videoplayer Totem kennt nur noch Gstreamer als Backend, totem-xine wurde komplett entfernt.

Abbildung 3: Das Gnome-Applet für die Lautstärkereglung hat einige Funktionen dazugelernt.

Einen Ausblick auf das voraussichtlich im Herbst 2010 erscheinende Gnome 3.0 verschafft die Gnome Shell Preview (Abbildung 4). Um die zukünftige Benutzeroberfläche in Augenschein nehmen zu können, muss man allerdings erst das Paket gnome-shell einspielen und es dann noch über das Konfigurationswerkzeug für die Desktop-Effekte aktivieren.

Abbildung 4: Die Gnome Shell Preview bietet einen ersten Vorgeschmack des künftigen Gnome 3.0.

Der Gnome-Konkurrent KDE 4 (Abbildung 5) kommt in der Version 4.3.2 und bringt ein aktualisiertes Air-Theme mit. Unter Plasma darf man endlich die Tastenkürzel vollkommen frei belegen. Der Fenstermanager kennt neue Desktop-Effekte und geht schneller zu Werke. Obendrauf gibt es noch ein neues Werkzeug, das Fehler an die Entwickler meldet, sowie eine Konfigurationsoberfläche für Infrarot-Fernbedienungen, die über die LIRC-Schnittstelle mit Linux kommunizieren. Fedora 11-Besitzer erhalten übrigens KDE 4.3 seit Mitte August als Update angeboten.

Abbildung 5: KDE liegt in Version 4.3.2 bei.

Einspieler

Sobald ein Benutzer ein Kommando aus einem nicht installierten Paket aufruft, spielt ein neues Plugin für KPackageKit das fehlende Päckchen automatisch ein – etwas, das der Paketmanager aus Debian schon länger beherrscht. Von OpenSuse scheint das Fedora-Team wiederum die 1-Click-Installation abgeschaut zu haben: Ein weiteres KPackageKit-Plugin ermöglicht die Installation von Software-Paketen direkt aus einem Webbrowser heraus: Ein Mausklick auf eine RPM-Datei genügt, und schon lädt KPackageKit das Paket herunter und spielt es nach einer kurzen Bestätigung ein.

Das Plugin yum-presto von Jonathan Dieter ist jetzt standardmäßig installiert. Es sorgt dafür, dass bei aktualisierten Programmpaketen nur noch die Änderungen zur Vorversion über das Internet wandern, was Aktualisierungen deutlich beschleunigt. Darüber hinaus nutzen die RPM-Pakete nicht mehr die alte Gzip-Kompression, sondern das effizientere XZ-Format. Das beruht auf dem LZMA-Kompressionsverfahren, das auch beim Packprogramm 7zip zum Einsatz kommt. Dank derart geschrumpfter Pakete konnten die Fedora-Entwickler einige weitere Anwendungen auf die Installationsmedien pressen.

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