Das erste Android-Handy, das T-Mobile G1, befindet sich gerade einmal seit acht Monaten auf dem deutschen Markt. Schon dieses stammte vom Hersteller HTC, der sonst eher für Windows-Mobile-Telefone bekannt ist. Nach dem G1 gab es noch ein weiteres Android-Gerät, intern G2 genannt. Es erblickte es das Licht des freien Marktes als HTC Magic. Nun steht mit dem HTC Hero [1] die dritte Ausgabe der Linux-betriebenen Telefone vor der Tür.
Ungleiche Geschwister
Rein optisch gleicht das HTC Hero seinen Vorgängern. Doch beim genaueren Hinsehen entdeckt der Betrachter grundlegende Unterschiede. Während das G1 noch eine ausklappbare Tastatur mitbrachte, müssen sich die Ausgaben Zwei und Drei mit einer virtuellen Tastatur auf dem Bildschirm zufriedengeben. Beim neuen Hero setzt HTC auf eine Eigenentwicklung – die Bildschirmtastatur des Magic war wenig überzeugend. Die neue HTC-eigene Tastatur auf dem 3,2 Zoll großen Bildschirm erleichtert die Texteingabe deutlich (Abbildung 1). Schon nach kurzer Eingewöhnungsphase trifft man die Tasten sehr zielgenau – die HTC-Lösung steht dem Touchscreen-Primus Apple iPhone kaum nach. Zudem quittiert das HTC Hero jede Eingabe durch eine kurze Vibration, was dem Anwender das Gefühl gibt, auf einer echten Tastatur zu tippen.
Als erstes fällt auf, dass auch das Hero, wie schon seine beiden Vorgänger, einen Knick im Gehäuse aufweist. Was auf den ersten Blick ein wenig komisch oder vielmehr ungewohnt aussieht, erweist sich beim reger Nutzen als sehr praktisch: Dank des Knicks lässt sich das Hero sehr gut halten, der Trackball und die sechs unter dem Bildschirm sitzenden Tasten sind immer gut zu erreichen. Was beim Halten noch auffällt: Das Hero erscheint überraschend leicht – laut Datenblatt bringt es nur 135 Gramm auf die Waage. Außerdem fasst es sich recht angenehm an und liegt mit einer veredelten, weichen Oberfläche (Abbildung 2) weit besser in Hand als der "Plastebomber" HTC Magic. Ebenfalls veredelt hat HTC die Oberfläche des Touchscreen-Displays. Eine spezielle Beschichtung soll Fingerabdrücke unsichtbar machen. Das bestätigte unser Test: Nur selten (bei sehr fettigen oder schmutzigen Fingern) verbleiben deutlich sichtbare Spuren auf dem Monitor. Die sonst alle paar Minuten notwendige Grundreinigung, wie bei den Hero-Vorgängern oder der Konkurrenz, kann unterbleiben.
Optischer Leckerbissen
HTC verbesserte auch die Benutzeroberfläche des Telefons stark. Sei es, um Mehrwert für den Anwender zu bieten, oder um das Google-Betriebssystem um etwas eigenes zu erweitern: HTC portierte seine von den Windows-Smartphones bekannte Touch-Flo-Oberfläche unter der Bezeichnung "HTC Sense" auf Android-Linux. Diese neue Oberfläche steht dem Telefon wirklich gut, sie erweitert zum Beispiel den Startbildschirm um weitere Arbeitsflächen. Statt nur drei beim originalen Android sind es beim HTC Hero derer ganze sieben.
Und um die virtuellen Screens auch entsprechend mehr oder weniger sinnvoll zu nutzen, liefert HTC noch einen ganzen Sack an Desktop-Widgets mit (Abbildung 3). Bei Widgets handelt es sich um kleine Anwendungen, die direkt auf dem Desktop liegen und laufen. So bringt das Telefon beispielsweise eine ganze Palette verschiedener Uhren mit, für jeden Geschmack etwas. Die Desktop-Umgebung bietet aber noch mehr: Der individuell erstellte Desktop lässt sich auf Wunsch in einer "Szene" speichern. Dies ermöglicht, verschiedene Umgebungen zum Beispiel für die private oder die berufliche Nutzung zu erstellen.
Doch HTC Sense betrifft nicht nur die Optik, das System zieht sich durch die gesamte Benutzeroberfläche. Erst nach zwei, drei Ebenen stößt man wieder auf die bekannte Android-Optik. Auch in der Bedienung ändert Sense etwas: HTC führt damit ein eigenes Kontaktmanagement ein. Starten Sie eine Anwendung, zum Beispiel das SMS-Menü, und geben dann die gewünschte Kontaktperson für die SMS an, arbeitet das HTC Hero personenzentriert. Das heißt: Sie wählen den gewünschten Kontakt und bekommt dann in Reitern die gesamte Kommunikationshistorie inklusive Telefonaten, SMS und Mails in Threads angezeigt. Darüber wählt der Anwender dann die Form der gewünschten Kommunikation.


