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Digitaler Notenschlüssel

Notensatz-Software im Test

Noteedit

Die KDE-Software Noteedit schickt sich an, einen echten grafischen Editor für den Notensatz aufzubauen. Dabei bedient sich das Programm in der Ausgabe nicht nur des bereits besprochenen Lilypond, sondern erstellt auch MusiTeX-Code (ein TeX-Modul) und unterstützt einige ähnlich operierende Satzsysteme, wie ABC-Music [8].

Die Idee des grafischen Editors ist es, direkt mit den Noten in den System zu hantieren. Sie klicken einen Notenwert in der Iconleiste an und positionieren die Maus an die entsprechende Stelle der Notenzeile. Nach einem Klick erscheint der Ton im System.

Artikulationszeichen aktivieren Sie vor der Eingabe in die Notenzeile gemeinsam mit dem Notenwert. Ein nachträglicher Eintrag funktioniert nicht. Wollen Sie einen Part löschen, markieren Sie die Note oder einen ganzen Bereich und drücken [Entf]. Noteedit kennt nur eine Zeile, beziehungsweise ein Notensystem, das Sie fortlaufend mit Musik befüllen (Abbildung 6). Eine echte WYSIWYG-Software ist das Programm also nicht.

Die über Format | Partiturinformationen eingetragenen Angaben erscheinen erst nach einem Export (zum Beispiel nach Lilypond) im Druck. Ebenso bleibt der gesamte Layout-Aufbau der Seite bis dahin im Dunkeln. Die grafische Hilfe beschränkt sich also auf die Per-Klick-Eingabe der Noten und Spielanweisungen.

Abbildung 6: In Noteedit sehen Sie Ihre Musik nicht seitenweise, sondern fortlaufend.

Als im Vergleich zu Frescobaldi besonders mühselig erweist sich das Zusammenstellen der Partitur. Standardmäßig öffnen Sie Noteedit mit einer einzigen nackten Notenzeile. Über Staff | Neue Notenzeile fügen Sie solange neue Zeilen hinzu, bis Sie Ihren Stimmensatz zusammenhaben. Über den Menüpunkt Staff | Stimmen weisen Sie die entsprechenden Klänge zu. Dabei muss eine Notenzeile des Systems aktiviert (blau eingefärbt) sein.

Das Icon mit dem Bassschlüssel öffnet den Notenschlüssel-Dialog. Wählen Sie einen aus und klicken an den Anfang der Notenzeile, um ihn dort zu positionieren. Falls die folgenden Zeilen den gleichen Schlüssel benötigen, wiederholen Sie die Prozedur für jede einzelne Zeile. Eigentlich sehr umständlich – ein Werkzeug sollte solange aktiv bleiben, bis der Anwender ein anderes benutzt.

Die Optik der Partitur passen Sie über Format | Partiturlayout an. Markieren Sie die gewünschten Zeilen und fügen Sie geschweifte oder eckige Klammern hinzu oder bestimmen Sie, welche Zeilen durchgängige Taktstriche führen sollen.

Haben Sie einmal einen Score erstellt, geht die Arbeit dann allerdings recht flott von der Hand. Sobald Sie beispielsweise einen bestimmten Notenwert aktivieren, fügt die rechte Maustaste diesen als Pause ein. Die linke Maustaste setzt die eigentliche Note. Markieren Sie beliebig viele Noten und klicken auf das Symbol für Bindebögen, zeichnet die Software diesen.

Notenhälse unten, Notenhälse oben, Strichnoten, Dreiecksnoten – Noteedit kennt auch spezielle grafische Zeichen. Über den Menüpunkt Insert finden Sie alle Elemente, die Noteedit derzeit zu bieten hat. Liedtexte tragen Sie über Staff | Strophen ein. Mit Insert | Akkorde meint die Software Gitarren-Tabulatoren inklusive Namenskürzel (Abbildung 7). Im Druck erscheinen dann nach der Übergabe an Lilypond nur noch die Namenskürzel wie C7M.

Abbildung 7: Das Akkordwerkzeug leistet gute Dienste für Gitarristen.

Eine feine Sache finden Sie in dem Transponierwerkzeug (Tools | Transponiere). Markieren Sie einen Takt, größere Bereiche oder die gesamte Zeile, und rufen Sie das Tool auf. Der Schieberegler ermöglicht es, in Halbtonschritten in die gewünschte Richtung zu transponieren. Noteedit passt die folgenden Vorzeichen entsprechend an. Ähnlich funktioniert das Werkzeug Schlüssel ändern.

Die Funktionsvielfalt der Notensatz-Software Noteedit ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Der Hobbymusiker findet darin zwar auch keinen echten WYSIWYG-Editor, die direkte Eingabe der Elemente in eine grafische Notenzeile dürfte aber vielen Musikern eine optische Hilfe sein.

Das etwas mühsame Zusammenschustern des Partiturgerüstes dürfen die Entwickler der Software gerne in Zukunft in einen komfortablen Assistenten auslagern. Nicht immer sieht das Notenbild in Noteedit so aus wie am Ende im Lilypond-PDF. Eine Vorschau auf das eigentliche Dokument per Knopfdruck würde helfen, den Überblick zu behalten.

Musescore

Den einzigen derzeit unter Linux arbeitenden echten WYSIWYG-Noteneditor finden Sie in der Software Musescore [4]. Das Programm öffnet bereits eine Beispiel-Partitur (Mussorgskis "Promenade" aus "Bilder einer Ausstellung"), der Sie nach einem Klick auf den Play-Button auch lauschen dürfen (Abbildung 8). Musescore bedient sich dabei auch eines internen Synthesizers.

Abbildung 8: Mit einer aufgeräumten Oberfläche und einer echten Seitenansicht besticht die intuitiv anwendbare Notensatzsoftware Musescore.

Erstellen Sie ein neues Dokument, so begleitet Sie ein Assistent, der eigentlich keiner näheren Erläuterung bedarf. Sie tragen die Rahmendaten ein, erstellen aus Instrumentengruppen Ihren Stimmensatz, wählen Tonart und Taktart und sitzen vor dem fertig eingerichtetem Notenblatt. Sollte Ihr Monitor etwas zu klein geraten sein, lässt sich die Partitur mit gehaltener Maustaste hin- und herbewegen.

Allerdings ist die Noteneingabe per Mausklick sehr unpräzise. Aktivieren Sie nur Viertelnoten und wollen diese eingeben, entstehen durch eine leichten Fehlklick nervige Verschiebungen und nicht gewünschte Pausen (Abbildung 9). Nutzen Sie im Eingabemodus (aktiviertes N in der Symbolleiste) die Tastatur, funktioniert das Notenschreiben tadellos. Derzeit verbieten zu häufige Abstürze wegen Schutzverletzungen (Segmentation fault) allerdings das längere Arbeiten mit Musescore.

Abbildung 9: Etwas daneben geklickt, und Musescore verschiebt den Text zu komplizierten Rhythmen.

Dabei sind die Ansätze der Software durchaus lobenswert. Das Menü wirkt durchdacht und aufgeräumt. Mit einem Rechtsklick auf die Symbolleiste aktivieren Sie die Palette, die alle Satzelemente beherbergt (Abbildung 10). Diese ziehen Sie einfach mit gehaltener Maustaste an die gewünschte Stelle. Eine rote Strichlinie signalisiert, an welcher Note sich das neue Element orientieren soll.

Abbildung 10: Eine übersichtliche Palette beherbergt alle verfügbaren Satzelemente.

Stimmen vertauschen Sie per Mausklick. Dazu markieren mit Hilfe von [Strg] zwei Noten und ziehen aus der Palette Linien eine Glissando-Welle darauf. Selbst die Kommas für Atmungen fehlen nicht. Einzelnen Noten nehmen Sie mit einem Rechtklick die Hälse weg (für anschauliche Arbeitsblätter). Sie fügen der Partitur taktgebundene Texte oder Liedtexte in einer bestimmten Stimme hinzu. All das stellt nur einen kleinen Teil der umfangreichen Möglichkeiten von Musescore dar.

Wer den Aufwand scheut, über eine Markup-Sprache seine Partitur zu beschreiben oder wer unbedingt Noten vor den Augen braucht, der findet in Musescore das derzeit einzige grafisch arbeitende Satzprogramm. Seine Funktionsvielfalt dürfte auch ambitionierten Musikern genügen, die musikalischen Ideen auf Papier zu bringen.

Der Aufbau erscheint durchdacht und intuitiv. Wer sich mit Noten auskennt und auch schon einmal vor einem der großen kommerziellen Programme saß, arbeitet sich in Musescore sicher schnell ein. Eine schlechte Mauszeigerinterpretation und zu häufige Abstürze schmälern allerdings den ansonsten sehr positiven Gesamteindruck gewaltig.

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Kommentare
Lilypond im Fazit
Horsthorst (unangemeldet), Dienstag, 04. Januar 2011 11:56:30
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Lieber Mirko,

im Fazit steht, dass in Lilypond Passagen neu geschrieben werden müssten, wenn man etwas transponieren will. Offensichtlich kanntest du den Befehl "\transpose" nicht, der einem sehr einfach das Transponieren von Passagen oder ganzen Stimmen ermöglicht.


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Denemo für Gnome-Nutzer
Christian Herzberg (unangemeldet), Montag, 23. November 2009 03:19:21
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Hallo Mirco,

Du schreibst:
„Gnome-Nutzer holen sich über Abhängigkeiten allerdings so manches KDE-Werkzeug und etliche Qt-Bibliotheken mit an Bord.“

Ein Tool für Gnome, welches sich irgendwo zwischen Frescobaldi und NoteEdit eingliedert ist Denemo:

http://denemo.org

Der Ausdruck wird auch über LilyPond realisiert. Es importiert und exportiert LilyPond-Dateien und ermöglicht sowohl die Ansicht des LilyPond Codes. Andererseits bietet es die Vorteile einer NoteEdit ähnlichen Ansicht und Eingabe von Noten.

Mit der Einschränkung, dass die Kompatibilität mit LilyPond auf einer älteren Version (2.8.1) zu beruhen scheint.

Vielen Dank für den Artikel und
alles Gute


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Deutsche Tonhöhenangaben möglich
Foobarz (unangemeldet), Sonntag, 15. November 2009 14:54:34
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Es ist möglich, deutsche Tonhöhenangaben (also h, b und his statt b, bes und bis) zu nützen, dazu muss nur am Anfang der .ly-Datei die deutsche Definition mit

\include "deutsch.ly"

eingebunden werden.

Desweiteren sind auch andere Sprachen möglich.

Siehe auch hier:

http://lilypond.org/doc/v2....#Note-names-in-other-languages


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MuseScore
Thomas Bonte (unangemeldet), Donnerstag, 24. September 2009 17:17:14
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Hi Mirko,

Can you reveal what version of MuseScore you used for you testing?


Bewertung: 116 Punkte bei 8 Stimmen.
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Re: MuseScore
David Bolton (unangemeldet), Donnerstag, 24. September 2009 19:55:09
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Die Probleme mit MuseScore, die Sie erwähnen (unpräzise Mausklick und häufige Abstürze) sind in 0.9.5 behoben


Bewertung: 131 Punkte bei 9 Stimmen.
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Re: MuseScore
Mirko Albrecht, Freitag, 25. September 2009 12:56:36
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Vielen Dank für die Information. Wir werden eventuell MuseScore als lohnendsten Kandidaten demnächst einmal genauer unter die Lupe nehmen.

Mirko Albrecht


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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


Infos zur Publikation

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LinuxUser 03/2012

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