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Schlanker Datenhändler

Schneller Torrent-Client für die Konsole

10.02.2009 Torrent-Clients gibt es in vielen Formen, Farben und Geschmacksrichtungen. Legen Sie auf Stabilität, Feature-Vielfalt und Geschwindigkeit wert, fällt die Auswahl deutlich kleiner aus.

Nur eine relativ leere Oberfläche begrüßt Sie, wenn Sie den konsolenbasierten Torrent-Client Rtorrent [1] von der Kommandozeile aus starten. In dieser Ansicht sehen Sie später alle Torrents (Abbildung 1). Fügen Sie einen ersten Torrent hinzu, indem Sie [Eingabe] drücken und am Prompt am unteren Fensterrand den Pfad zur Torrent-Datei eingeben.

Abbildung 1: Der Startbildschirm von Rtorrent weist nur die nötigsten Informationen auf, alles Wichtige sehen Sie auf einen Blick.

Die Pfadangabe liest das Programm relativ zum Verzeichnis, aus dem heraus Sie Rtorrent gestartet haben. Ähnlich wie in einer Shell zeigt auch dieses Programm beim Druck auf [Tab] mögliche Datei- und Verzeichnisnamen an. Sobald Sie mit [Enter] bestätigen, taucht der gewählte Torrent in der darüber liegenden Übersicht auf. Haben Sie mehrere Torrents hinzugefügt, wechseln Sie zwischen den einzelnen Torrents mit den Pfeiltasten.

Neu hinzugefügte Torrents starten nicht automatisch. Sie stoßen diese an, indem Sie den Torrent über die Pfeiltasten anwählen und [Strg]+[S] drücken. Über [Strg]+[D] halten Sie den Download an. Haben Sie den Download bereits gestoppt, entfernen Sie mit einem erneuten [Strg]+[D] den Eintrag aus der Liste. Mit [Strg]+[Q] schließen Sie das Programm.

In der Praxis hat es sich bewährt, Rtorrent unabhängig von KDE oder Gnome in einer Screen-Sitzung [2] zu starten. Dazu geben Sie das Kommando screen -S rtorrent rtorrent in einem Terminal ein. Rtorrent läuft in diesem Fall weiter, auch wenn Sie die Konsole schließen oder der X Server abstürzt. Außerdem besteht die Möglichkeit, mit screen -rd -S rtorrent innerhalb einer SSH-Session nach Ihren Torrents zu schauen.

Rtorrent installatieren

Alle größeren Distributionen haben Rtorrent in ihren Repositories, sodass Sie das Programm einfach über das Paketverwaltungssystem einrichten. Falls Sie nicht mit dem Kompilieren von Software auf Kriegsfuß stehen, lohnt sich der Umstieg auf die aus den Quellen [1] selbst übersetzte aktuelle Version, da diese ein paar kleine Bugs im Zusammenhang mit der Schnittstelle zum Webfrontend behebt.

In der Hauptansicht finden Sie unter dem jeweiligen Torrent-Namen die wichtigsten Informationen kurz zusammengefasst: Die erste Angabe nennt das bereits heruntergeladene Volumen, die zweite die Dateigröße. Die dritte und vierte Zahl entsprechen der Up- und Downloadgeschwindigkeit für diesen speziellen Torrent. Die fünfte Angabe hinter Uploaded entspricht, wie Sie wohl bereits richtig vermuten, dem hochgeladenem Volumen.

Die nächste Information in eckigen Klammern gibt an, wie viel von der Datei schon auf der Festplatte liegt. Als vorletztes finden Sie eine Schätzung darüber, wie lange der Download noch dauert, sofern die aktuelle Download-Rate konstant bleibt. Die letzte Ziffer gibt die "Ratio" an, also das Verhältnis von Upload- zu Download-Volumen. Das Torrent-Prinzip funktioniert bekanntlich nur, wenn auch Peers Daten hochladen – deshalb sollten Sie darauf achten, dass Sie auch nach Abschluss der Downloads den Client so lange offen halten, bis die Ratio mindestens 1.0 oder besser 2.0 erreicht. Eine Ratio von 2.0 besagt, dass Sie doppelt so viel hoch- wie herunter geladen haben.

Gib mir Details

Habe Sie mit den Pfeiltasten einen Torrent markiert, springen Sie mit [Pfeil rechts] in die Detailansicht für diesen Download. In der neuen Ansicht wechseln Sie wieder mit den Pfeiltasten zwischen den einzelnen Punkten. In der Peer list finden Sie Informationen darüber, mit welchen anderen Peers die Applikation in Kontakt steht. In den Spalten verstecken sich unter anderem die individuelle Up- und Downloadrate. Der Punkt Info hält einige allgemeine Informationen zum Torrent bereit – unter anderem die Anzahl und Größe der einzelnen Stücke ("Chunks"), aus denen die Datei besteht.

Im Punkt File list wechseln Sie mit einem Druck auf [Pfeil rechts] in die Dateiliste (Abbildung 2) und markieren nun über die Leertaste die Dateien, die Sie mit erhöhter Priorität herunterladen möchten oder auf die Sie gegebenenfalls verzichten. Der erste Druck auf die Leertaste schaltet die Datei ab, der zweite erhöht die Priorität und der dritte schließlich kehrt zum Normalzustand zurück. Mit [Pfeil links] verlassen Sie die Ansicht wieder.

Abbildung 2: Mit den Pfeiltasten navigieren Sie durch die verschiedenen Ansicht von Rtorrent.

Hat ein Torrent nur wenige Seeder, dann gibt die Ansicht Chunks seen Aufschluss über das Angebot: Jede Zahl respektive jeder Buchstabe vertritt dort einen Chunk und gibt an wie viele andere Peers dieses Stückchen bereithalten. Die Anzeige erfolgt quasi im Hexadezimalsystem. Eine 0 steht für keine Peers, ein A für bis zu 10 und ein F für 15 und mehr Peers. Tauchen in der Ansicht viele Nullen auf, lässt sich der Torrent eventuell nicht ganz zu Ende laden. Dünn geschriebene Buchstaben stehen für bereits heruntergeladene Chunks, fett geschriebene für noch ausstehende. Ist der Buchstabe schwarz hinterlegt, lädt die Software den betreffenden Chunk gerade.

Bandbreite

Mit einem Druck auf [Pfeil links] kehren Sie in die Hauptansicht zurück und werfen einen Blick in die untere linke Ecke: Im Kästchen Rate sehen Sie die aktuelle Up- und Downloadgeschwindigkeit (zuerst Upload, dann Download). Betreiben Sie Rtorrent nicht auf einem Server im Netz, bietet es sich oft an, zumindest die Upload-Geschwindigkeit, gegebenenfalls aber auch die Download-Rate zu begrenzen.

Diese Limits zeigt Rtorrent ganz links unten im Kästchen Rate an. Standardmäßig gibt das Programm keine Begrenzungen vor. Mit [A],[S] und [D] erhöhen Sie das Upload-Limit in Schritten von 1, 5 und 50 KByte/s. Mit [Z],[X] und [C] senken Sie die Grenze für den Upload in den selben Schritten ab. Halten Sie bei diesen Aktionen [Umschalt] gedrückt, beeinflussen Sie statt der Up- die Download-Rate.

Übrigens: Falls es Sie jetzt wundert, dass beim Senken der Datenraten statt [Z] nicht konsequenterweise [Y] zum Einsatz kommt, ahnen sie sicher auch schon des Rätsels Lösung: Im deutschen Tastaturlayout sind gegenüber einer englischen Tastatur Z und Y vertauscht, was das Programm nicht automatisch berücksichtigt. Dieser kleine Schönheitsfehler lässt sich aber unschwer beheben – dazu später mehr im Abschnitt "Konfiguration".

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Infos zum Autor

Daniel Gultsch

Daniel Gultsch

Daniel Gultsch ist Student an der RWTH Aachen. Seit über 7 Jahren setzt er nun ausschließlich Linux auf seinen Rechnern ein. Zur Zeit läuft auf seinem Desktop ein Gentoo Linux mit KDE 4.4 und auf seinem Thinkpad X301 ein Gentoo mit dem Tiling WM i3. In seiner Freizeit hält er ein Netzwerk mit ~250 Benutzern am Laufen.

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