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Weltsprache

Zukunftssichere LaTeX-Dokumente mit XeTeX

Die neue LaTeX-Engine XeTeX macht das Textsatzsystem mit dem Unicode-Support fit für die Sprachen dieser Welt und erleichtert den Umgang mit verschiedenen Schriftschnitten enorm.

Unicode hat sich längst als internationaler Standard zum Verarbeiten unterschiedlicher Sprachen und Schriftsysteme etabliert [1]. Das Textsatzsystem LaTeX verstand sich bisher nur sehr mangelhaft auf Unicode, da ihm von Haus aus einige Eigenschaften fehlten [2]. Mit XeTeX existiert nun ein sehr ausgefeilter Ansatz, um dieses Problem zu lösen [3].

XeTeX beherrscht als Engine für LaTeX unter anderem den Umgang mit den Schriftformaten Truetype und Opentype und stellt dadurch sogar ausgefeilteste typographische Feinheiten bereit. Wegen des nativen Unicode-Supports bietet sich XeTeX aber vor allem für Anwender an, die ausgefallene außereuropäische Sprachen oder Schriften komfortabel in LaTeX schreiben möchten [4].

XeTeX: Hintergrund

Jonathan Kew entwickelte XeTeX vor einigen Jahren bei SIL International, einer international arbeitenden christlichen Organisation mit Basis in den USA, zum Vertiefen von linguistischem Wissen. Zunächst erschien eine Version für Mac OS X als Nachfolger für TeXGX. Mittlerweile stehen XeTeX-Implementation für Windows und Linux im späten Beta-Stadium (0.996 in TeXLive 2007) bereit.

Dass XeTeX im März 2007 in die TeX-Live-Distribution der TeX User Group (TUG) einging, hat viel zu seiner Verbreitung beigetragen. Das System basiert auf e-TeX und soll, wie zum Beispiel auch LuaTeX, pdfTeX ersetzen. Es eignet sich als PDF-produzierende Engine sowohl für TeX und TeX-Formate wie ConTeXt als auch für LaTeX. In diesem Zusammenhang fällt häufig der Ausdruck XeLaTeX.

Als PDF-Treiber verwendet XeTeX mittlerweile Dvipdfmx. Die TeX-typischen DVI-Dateien ("device independent") erzeugt die Engine nur noch als Zwischenstufe temporär im XDV-Format. XeTeX fällt somit im Grunde unter die Kategorie "reine PDF-Software".

Installation

Seit 2007 gehört XeTeX zum TeX-Live-Paket [5]. Arbeiten Sie beispielsweise mit einem aktuellen Debian oder darauf basierenden Systemen wie Ubuntu (ab "Gutsy") oder Knoppix, dann installieren Sie XeTeX, indem Sie mittels Apt-get im Terminal oder mit einem Paketmanager das Paket texlive-xetex aus dem Repository einrichten. Dazu benötigen Sie natürlich die Root-Rechte. Grundlegendere TeX-Live-Pakete befinden sich entweder schon auf dem Rechner oder werden als Abhängigkeiten mitinstalliert.

XeTeX steht auch für OpenSuse 10.3 bereit [6]. Sie installieren die Software auch hier auf den üblichen Wegen. Es besteht bei TeX Live natürlich auch immer die Möglichkeit, das Live-System zu benutzen oder das System von der Live-DVD zu installieren. Das wäre eine Alternative, falls das System nicht auf anderem Weg bereit steht [7].

Schriftliches

Ein rudimentäres XeTeX beziehungsweise XeLaTeX-Dokument besteht, wie ein ganz einfaches LaTeX-Dokument, aus dem Aufruf einer Dokumentenklasse wie zum Beispiel article und beliebigen Text innerhalb des Paares \begin{document} und \end{document}[8]. Mit \usepackage{fontspec} nehmen Sie das Zeichensatzinterface Fontspec in Betrieb. Es arbeitet als Herzstück von XeTeX [9]. Mit dem Befehl \setmainfont weisen Sie dem Dokument eine Hauptschrift zu.

LaTeX verwendet ein eigenes, kompliziertes Zeichensatzsystem. XeTeX dagegen greift auf die Systemschriften zu, und das macht den Clou der Sache aus. Bei den Systemschriften handelt es sich um die dem X-Server zugewiesenen Zeichensätze, und das sind die selben, die in anderen Applikationen auf dem System bereit stehen – etwa in OpenOffice. Das bedeutet, dass Sie Ihre Lieblingschriften nun ohne weitere Umstände unter XeTeX verwenden können.

Welche Systemschriften auf ihrem System zu Verfügung stehen, schauen Sie sich unter anderem mit dem Programm Fc-list aus dem Paket Fontconfig an. Das Paket Ttf-freefont enthält beispielsweise den Truetype-Zeichensatz FreeSerif.ttf, der im System den Namen FreeSerif trägt. Geben Sie im Terminalfenster fc-list FreeSerif ein, so sehen Sie in der Ausgabe auch die Fett- und Kursiv-Varianten. Diese verwendet Fontconfig automatisch, wenn Sie im Dokument Text mit \textbf oder \textif auszeichnen.

Sie haben daneben auch die Möglichkeit, sich beliebige Zeichensätze aus dem Internet zu beschaffen und diese im lokalen Suchpfad für Zeichensätze /usr/local/share/fonts abzulegen und so mit XeTeX zu nutzen.

TIPP

Verschiedene Windowmanager haben eigene kleine Tools, um die Systemschriften zu überprüfen. Für Gnome gibt es zum Beispiel Gnucharmap.

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Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift LinuxUser.

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