Editorial

Aus LinuxUser 11/2008

Editorial

Friede, Freude, Eierkuchen?

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Microsoft hat Frieden mit der Open-Source-Welt geschlossen und ist dabei, zur Open-Source- oder zumindest Open-Source-freundlichen Company zu mutieren. So fällt zumindest der Tenor vieler Berichte aus, die derzeit durch den Blätterwald geistern. Als Beleg für diese Behauptung taucht regelmäßig der Fakt auf, dass Microsoft ja mit Novell und neuerdings Red Hat intensiv an der Interoperabilität zwischen den Betriebssystemwelten arbeitet und obendrein sogar Virtualisierungstreiber für den Linux-Kernel bereitsgestellt habe. Als untrügliches Indiz für die neue Freundschaft zwischen FOSS und Microsoft wird jüngst regelmäßig die Anfang September gegründete Codeplex Foundation [1] zitiert: Die von Microsoft aus der Taufe gehobene Non-Profit-Organisation hat, so heißt es in der Ankündigung, “die Aufgabe, den Tausch von Code zwischen Software-Firmen und Open-Source-Communities zu ermöglichen und das gegenseitige Verständnis zu fördern”. Friede, Freude, Eierkuchen. Linux Torvalds persönlich hat sogar verkündet, es sei schlicht krankhaft, Microsoft zu hassen [2] – wo die netten Leute aus Redmond doch so schönen und vor allen Dingen lizenzfreien Code für den Kernel liefern.

Ich brauche wohl dringend ärztliche Behandlung – ich sehe mich nämlich völlig außerstande, mich auch nur im Geringsten mit Microsoft anzufreunden. Warum? Sehen wir uns doch einmal die als Beweise für die angebliche Detente aufgeführten “Fakten” näher an. Da wären einmal die Kernel-Treiber, über die sich Linus offensichtlich so freut: Die fliegen demnächst wieder aus dem Kernel – wegen Unbrauchbarkeit. Dazu schreibt Greg Kroah-Hartman [3] auf der Kernel-Mailing-Liste: “Um [die Treiber] auch nur in einen halbwegs brauchbaren Zustand zu bekommen, waren über 200 Patches notwendig. Dummerweise scheinen die Microsoft-Entwickler spurlos verschwunden zu sein, niemand beantwortet meine E-Mails.” Damit bestätigt sich jetzt der schon vor zwei Monaten nahe liegende Verdacht, dass Microsoft die Treiber nur deswegen unter die GPL stellte, um einem Verfahren wegen GPL-Verletzung zuvorzukommen [4]. Was den Wert von Microsofts Codeplex Foundation betrifft, braucht man sich nur folgende Fragen zu stellen: Wozu soll eine Open-Source-Stiftung gut sein, deren Direktorium fast ausschließlich aus Microsoft-Angestellten besteht und die zu 100 Prozent von Microsoft finanziert [5] wird? Wo ist da die Community? Warum schafft die Codeplex Foundation eine neue Lizenz [6], statt anzustreben, eingebrachten Code unter die GPL zu stellen?

Apropos Lizenz: Noch kurz vor der Gründung der Codeplex Foundation hat Microsoft versucht, 22 explizit Linux und freie Software betreffende Patente aus seinem Besitz an den Meistbietenden zu verhökern. Nicht nur Red Hat [7] sieht darin den offensichtlichen Versuch Microsofts, Patent-Trollen Material zuzuspielen, mit dem sie Linux hätten schaden können. Gott sei Dank gelang es dem Open Invention Network [8], einer zum Schutz von Linux vor Patentklagen gegründeten Organisation, die Patente aufzukaufen. Auch abseits vom fragwürdigen Patentgeschäft setzt Microsoft die gewohnten FUD-Kampagnen gegen Linux fort: So tauchten Anfang September in einem US-amerikanischen Forum Screenshots einer Trainingseinheit zu Windows 7 auf, mit denen Microsoft PC-Verkäufer darauf zu konditionieren versucht, Lügen über Linux zu verbreiten [9].

Kein Sinneswandel also bei Microsoft, nur ein (teilweiser) Wechsel der Methoden. Falls Sie also auch an der von Linus Torvalds diagnostizierten Anti-Microsoft-Malaise leiden, machen Sie sich keine Sorgen: Sie sind kerngesund – oder haben zumindest jede Menge Leidensgenossen.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[2] “Microsoft Hatred is a Disease”: http://www.linux-mag.com/cache/7439/1.html

[1] Codeplex Foundation: http://www.codeplex.org

[3] “Microsoft developers seem to have disappeared”: http://www.kroah.com/log/linux/staging-status-09-2009.html

[4] Open Source und Kommerz: Jörg Luther, “Interessenskonflikte”, LinuxUser 09/2009, S. 3, https://www.linux-community.de/artikel/19204/

[5] “The CodePlex Foundation: First Impressions”: http://www.consortiuminfo.org/standardsblog/article.php?story=20090914102959510

[6] Codeplex-Lizenz: http://codeplex.org/docs/Codeplex_Foundation_Assignment_Agreement.pdf

[7] Red Hat rügt Patentverkauf: http://press.redhat.com/2009/09/09/microsoft-and-patent-trolls/

[8] OIN kauft 22 Patente: http://www.openinventionnetwork.com/press_release09_08_09.php

[9] Verkäufer-Training zu Windows 7: https://www.linux-community.de/Internal/Nachrichten/Windows-7-Neue-Anti-Linux-Propaganda

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Andi
17 Jahre her

sondern Snapshots aus der kontinuierlichen Entwicklung. Es ist zwar schade,das als Gentoo Nutzer das zu lesen, aber bei Distributionen wie z.B. Debian, Fedora u.ä., die richtige Versionen haben wäre das eher ein Problem (oder z.B. SuSE, wo es vor ein paar Jahren nicht mal funktionierte eine individuelle Paketauswahl beizubehalten, einer der Gründe, warum ich mich von ihr verabschiedete). Bei Gentoo mit seinem Portage System läuft ja eine Aktualisierung recht problemlos ( emerge –udn world / system; wenn auch nie probiert), woraufhin man ja den aktuellen Stand haben sollte.

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