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Kassenklingeln

Freie Warenwirtschaft für kleine Unternehmen

01.11.2008 Bisher existierten nur wenige kaufmännische Programme für Linux. MP Rechnungs- und Kundenverwaltung und die Steuersoftware Winston schaffen hier für Kleinunternehmen Abhilfe.

Unternehmen jeder Größe benötigen Software, mit der sie die Geldflüsse von und zu unterschiedlichen Stellen kontrollieren. Der Kunde macht dabei einen wichtigen Punkt in dem Szenario aus. Wie sonst erfährt er, welchen Obolus er für Produkte und Leistungen zu entrichten hat?

Es gibt nur eine kleine Anzahl von Tools, die unter Linux Kundendaten, Produkte und Leistungen verwalten und zu Dokumenten oder Mahnungen verbinden, die deutschen Standards genügen (siehe Kasten "Software für Unternehmen").

Java-Programmierer Andreas Weber nahm sich dieser Misere an. Seine MP Rechnungs- und Kundenverwaltung [1] arbeitet plattformübergreifend und deckt wichtige Einsatzbereiche ab, ohne dass es auf eine bestimmte Branche beschränkt wäre (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die MP Rechnungs- und Kundenverwaltung eignet sich für kleine Unternehmen aus jeder Branche.

Software für Unternehmen

Linhabu: Linux-Version einer ausgereiften Buchhaltungssoftware, die ursprünglich für den Mac in Realbasic entstand. Erst die Gold-Version, die als Shareware rund hundert Euro kostet, verfügt über eine integrierte Warenwirtschaft. Darüber hinaus finden Sie auf der Website [4] ein kostenloses Trial-Exemplar oder die Vollversion ab vierzig Euro.

Gnucash: Die umfangreiche Buchhaltungs- und Homebanking-Software [5] orientiert sich zwar am amerikanischen Markt, kommt aber auch in Deutschland häufig zum Einsatz. In einem Untermenü versteckt finden Sie eine kleine Rechnungslegung.

Openproj Open-Source-Alternative zu Microsoft Project. Wie MP in Java geschrieben, läuft die Software sauber unter Linux. Mit Openproj managen Sie Projekte aller Größenordnungen und finden den kritischen Pfad heraus. Von der Homepage [6] laden Sie die auf Deutsch bedienbare Linux-Version herunter.

Lemon POS: Software für PC-Kassen, die auf Qt4 und den KDE-4-Bibliotheken aufbaut [7]. Bisher existieren englische, spanische, chinesische und französische Übersetzungen. Lemon POS unterstützt Barcode-Scanner und Touchscreens, als Datenbank nutzt es MySQL und ist damit netzwerkfähig.

Hibiscus: In Java programmierte Homebanking-Software [8]. Version 1.8 unterstützt HBCI4Java und diverse Kartenleser. Wollen Sie im Netzwerk an mehreren Plätzen arbeiten, setzen Sie am besten MySQL als Datenbank ein.

Kein Multi-User

Die Installationsvoraussetzungen machen kaum Arbeit: Ein halbwegs aktuelles Desktop-Linux mit grafischer Oberfläche und installiertem Java Runtime Environment genügt schon fast. Von der Projektseite oder der Heft-DVD laden Sie das MP-Archiv herunter. Die Version 3.62 liegt als Rar-Datei vor, und so galt es, den passenden Entpacker Unrar zu installieren. Entpacken Sie die Datei als normaler Benutzer in einem Terminal mit dem folgenden Kommando:

unrar x MP-3.62_Multi_OS_Installation.rar

Im Unterverzeichnis MP-3.62_Multi_OS_Installation/ liegen die Dateien für die Installation. Finden Sie zunächst per which java den Pfad zum Java-Binary heraus und verwenden Sie ihn zum Aufruf des grafischen Installers. Der Pfad im Beispiel bezieht sich auf das im Test verwendete System:

/usr/bin/java -jar MP-3.62_Multi_OS_Installation/mpv36-open.jar

Wählen Sie die Checkbox an, um die Lizenz (GPL) zu akzeptieren, und klicken Sie anschließend auf Weiter. Nach einigen Sekunden ist die Software einsatzbereit. Den Ordner mit den Installationsdateien dürfen Sie jetzt löschen. Die Software arbeitet im neu angelegten Verzeichnis MP_Rechnungs-Kundenverwaltung_3.6/ und speichert dort auch ihre Daten. Einen Mehrbenutzerbetrieb sieht die Software nicht vor.

Klick und los

Das Programm starten Sie durch einen Klick auf das automatisch angelegte Desktop-Icon. Anschließend finden sich im Startbildschirm wieder. Unter dem Lizenztext und den Informationen über die verwendeten Bibliotheken erreichen Sie über vier große Icons wichtige Funktionen. Das Verwalten von Produkten und Leistungen fehlt jedoch an dieser Stelle: Sie erreichen es über Register weiter unten, wo Sie alle Funktionen des Programms finden.

Am linken Rand steht zusätzlich eine Outlook-ähnliche Leiste mit zwei Buttons für den Aufruf von PDF-Reader und Hilfe-Browser bereit. Falls Sie nicht auf die Programme KPDF und Firefox setzen, geben Sie im Menüpunkt Bearbeiten | Einstellungen die absoluten Pfade zu Browser und PDF-Software an, etwa /usr/bin/epdfview. Der Hilfe-Button führt Sie übrigens auf das Online-Support-Forum.

Das Erfassen neuer Kunden, Lieferanten oder Produkte erscheint noch nicht zu hundert Prozent bedienerfreundlich und verlangt daher etwas Geduld. Schalten Sie auf das entsprechende Register um, geben zumindest den Familiennamen des Ansprechpartners an und klicken Sie dann den Button Als neuen Kunden anlegen. Ergänzen Sie die fehlenden Angaben und speichern Sie die Änderungen.

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Infos zum Autor

Horst erklärt, wenn ich nicht weiter weiß.

Michael Stibane

Admin eines heterogenen Reichs von etwa 150 Rechnern, diversen Kassen-, Waagen- und Warenwirtschaftssystemen und vier Servern eines Bildungsinstituts (http://bdhdd.de), IT Dozent in Dresden mit LPIC 1. Als gelernter Mechaniker bin ich jedenfalls nicht mehr ernsthaft an der Fräsmaschine oder an einer Drehbank einsetzbar. Ebenfalls im Bild: Mein Unterrichtskater Horst.

Zum Blog von Michael Stibane →


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