Ganz nett
Das Acer-Netbook Aspire One 110L
OpenSuse und Ubuntu
OpenSuse 11.0 und Ubuntu 8.04.1 lassen sich über ein externes DVD-Laufwerk problemlos installieren. Achten Sie darauf, die Solid State Disk mit Ext2 zu formatieren: Journaling-Dateisysteme wie Ext3 oder ReiserFS schreiben sehr oft auf die Platte, wodurch deren Lebenserwartung sinkt. Weitere Distributionen lassen sich relativ gefahrlos ausprobieren. Mit Hilfe der beiliegenden Acer-DVD installieren Sie Linpus Lite jederzeit wieder auf dem Aspire One installieren. Dazu booten Sie entweder die DVD von einem externen Laufwerk oder legen die Scheibe in einen beliebigen Rechner ein, um über das Setup-Tool einen USB-Stick für das Recovery zu erstellen. Linpus Lite von der DVD lässt sich auch auf einem beliebigen Rechner installieren, allerdings formatiert der Installer die ganze Festplatte.
Durch einen Bug in OpenSuse, der schon beim Test des Akoya Minis E1201 von Aldi zutage trat, stimmt nach der Installation die Auflösung nicht, sodass der untere Teil des Desktops mit dem KDE-Panel fehlt. Abhilfe schaffen Sie, indem Sie in der Konfigurationsdatei /etc/sysconfig/displaymanager die Variable DISPLAYMANAGER_RANDR_MODE_auto auf 1024x600 setzen. Die Webcam unterstützt der neue Uvcvideo-Treiber. Er ist bei Ubuntu 8.04.1 mit dabei, Benutzer von OpenSuse müssen das zum Kernel passende Paket uvcvideo-kmp-* nachinstallieren.
Der WLAN-Chip von Atheros arbeitet mit den Madwifi-Treibern zusammen, allerdings nicht mit jedem Release. In den Tests hatten wir mit dem Snapshot r2756 für AR5007 Erfolg [6]. Um den Treiber mit make und sudo make install installieren zu können, benötigen Sie unter OpenSuse die Pakete kernel-source, gcc und make. Benutzer von Ubuntu installieren build-essential und das zum Kernel passende kernel-headers-*Paket.
Die LED des WLAN-Schalters leuchtet unter Ubuntu und OpenSuse auch bei eingeschaltetem WLAN nicht. Sieht der Kernel nach der Installation des Atheros-Treibers zwar den WLAN-Adapter, aber keine Netze, dann müssen Sie den Schalter einmal betätigen, um die Hardware einzuschalten.
Der linke Kartenleser für die Erweiterung des Hauptspeichers funktioniert unter Ubuntu 8.04.1 out-of-the box, allerdings muss dazu die Karte beim Booten bereits im Slot stecken. OpenSuse bleibt beim Bootvorgang hängen, wenn sich in einem der beiden Kartenslots eine Speicherkarte befindet. Schuld daran sind die ACPI-Funktionen. Booten Sie den Rechner mit acpi=off, dann startet Suse 11.0 auch mit Karte durch, allerdings müssen Sie dann auf das Powermanagement verzichten.
Alternativ editieren Sie die Datei /etc/modprobe.d/blacklist. OpenSuse 11.0 setzt hier den USB-Treiber uhci_hcd standardmäßig auf die schwarze Liste und gibt dem ehci_hcd-Modul den Vorzug. In den Tests half es je nach Kernel, die Zeile mit dem blacklist uchi_hcd-Eintrag zu löschen oder statt des uhci_hcd-Moduls das ehci_hcd auf die Blacklist zu setzen.
Beim rechten Kartenleser handelt es sich um ein Hotplug fähiges PCIe-Gerät, das unter keiner der getesteten Distributionen auf Anhieb funktionierte. Hier müssen Sie zunächst über den Befehl
setpci -d 197b:2381 AE=47
dem Kernel die passende Geräte-ID übermitteln, danach laden Sie von Hand mittels modprobe pciehp das PCIE-Hotplug-Modul
In den Tests mit dem Originalkernel von OpenSuse 11.0 war das System anschließend allerdings nicht mehr ansprechbar. Abhilfe schaffen Sie mit einem Update auf Kernel 2.6.26 aus dem Factory-Zweig. Alternativ finden Sie im Blog von Ashram de Swâmi Petaramesh [7] neben einer französischen Installationsanleitung für Kubuntu 8.04 ein Skript, das im Hintergrund nach Karten Ausschau hält und dann automatisch das pciehp-Modul lädt. Damit das Skript keine Fehler ausgibt, müssen Sie unter OpenSuse den Taschenrechner bc installieren. Mit Kernel 2.6.24-19 erkennt Ubuntu zwar den rechten Kartenleser – aber auch hier nur, sofern die Karte beim Booten bereits im Slot steckt.
Der Gnome-Desktop von Ubuntu und das KDE-4-System von OpenSuse fühlen sich deutlich langsamer an, als das vorinstallierte Linpus. Allein die Bootzeiten von über einer Minute sprechen für sich. Die 512 MByte Hauptspeicher sollte man deshalb besser mit XFCE nutzen (Abbildung 4). Zudem ist es nicht möglich, Ubuntu neben das Linpus zu installieren, da sich die Linpus-Partiton auf maximal 3,3 GByte verkleinern lässt und sich der Ubuntu-Installer über zu wenig freien Speicher beklagt.
Fazit
Das Acer-Netbook bringt eigentlich alles mit, was man von einem Linux-Netbook erwartet und punktet mit schnellen Bootzeiten, einem zweiten Kartenleser und akzeptablen Akkulaufzeiten zu einem guten Preis. Allerdings ist man an das kommerzielle und speziell für das A110L angepasste Linpus Lite gebunden, will man sämtliche Features des Netbooks auch nutzen. Wer sich daran nicht stört, der macht mit dem Aspire One einen guten Kauf.
[1] Akoya Mini E1210: Marcel Hilzinger, "Der neue Aldi-PC", LinuxUser 09/2008, S. 68, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/09/068/
[2] Linpus Lite: Mirko Albrecht, "Schön verpackt", LinuxUser 03/2008, S. VI, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/03/906/
[3] Posix-Overlay: http://dev.computergmbh.de/gitweb.cgi?p=posixovl
[4] Quellcode: ftp://ftp.linpus.com/dists/Lite1/SRPMS/
[5] Updates: ftp://update.linpus.com/pub/aspireone/ACER/AspireOne
[6] WLAN-Treiber: http://snapshots.madwifi.org/special/madwifi-ng-r2756+ar5007.tar.gz
[7] PCI-Hotplug-Skript: http://petaramesh.org/public/arc/projects/AcerOne_Ubuntu/jmb38x_d3e.sh



