Pfusch am Bau
Duden Korrektor für OpenOffice.org
OpenSuse als Basis
Entnervt von diesen extrem unbefriedigenden Ergebnissen unter Ubuntu wollen wir wissen, ob solche gravierenden Probleme der Software auch unter OpenSuse 10.2 auftreten. Nachdem wir den Kchmviewer unter OpenSuse 10.2 mithilfe von YaST nachträglich in das System integriert hatten, ließ sich der Duden-Korrektor problemlos über das Install-Skript von der CD-ROM installieren. Die entsprechenden Menüs und Buttons legt das Setup unter OpenOffice 2.0.4 automatisch an.
Beim ersten Test unter OpenSuse fiel auf, dass die Textkorrektur hier erheblich schneller arbeitet als unter Ubuntu. Allerdings fallen auch hier die Schwächen der Software ins Auge: Dem EDV-Fachwortschatz entlehnte, jedoch inzwischen in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangene Wörter und Begriffe kennt der Duden-Korrektor größtenteils nicht. Er weiß noch nicht einmal etwas mit "Ubuntu" anzufangen (Abbildung 7), obwohl es sich dabei um eine der zwei offiziell unterstützten Plattformen handelt.
Sehr schwach fällt die Korrekturfunktion bei aus einzelnen Wörtern zusammengesetzten Begriffen aus: Hier weist das Tool mit schöner Regelmäßigkeit darauf hin, dass das Wort vor dem Bindestrich zu überprüfen wäre. Der Standardhinweis erscheint selbst dann, wenn der betroffene Begriff mehrere Bindestriche enthält.
Die Grammatikprüfung für den Writer strapaziert öfters die Lachmuskeln. Sehr zuverlässig hingegen korrigiert die Software im automatischen Betrieb jedwede Buchstabendreher bei der Eingabe. Unter OpenSuse 10.2 mit OpenOffice 2.0.4 prüft der Korrektor ganze Textdateien und springt nicht absatzweise zurück, wie bei den anderen getesteten Versionen.
Fazit
Ähnlich wie die Korrektor-Starterbox [1] macht der Korrektor für OpenOffice aus dem Hause Duden keine gute Figur. Schlechte Korrekturleistung, größtenteils unsinnige und daher überflüssige Anmerkungen der Grammatikprüfung, Verschlimmbesserungen bereits korrigierter Texte sowie eine speziell unter Ubuntu unbrauchbare Installationsroutine konterkarieren den Sinn des Programms.
Zudem sahen sich die Entwickler auch beim Korrektor für OpenOffice offensichtlich nicht in der Lage, unter Linux ein Programm zur Marktreife zu bringen, das auf mehreren Distributionen und mit aktuellen Versionen der Office-Suite läuft. Das geradezu groteske Beschränken auf hoffnungslos veraltete Programm- und Distributionsversionen nutzt weder dem Anwender noch dem Verlag.
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lautet die Empfehlung für den Duden Korrektor daher: Finger weg. Suchen Sie eine zuverlässige Rechtschreibprüfung, sind Sie mit der kostenfreien und in OpenOffice bereits integrierten Orthografiesoftware besser bedient.
[1] Duden-Nachschlagewerke und Korrektor-Starterbox: Erik Bärwaldt, "Genau geprüft", LinuxUser 12/2006, S. 62, http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/12/062-duden/



