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Gutes neues Jahr

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

kann Linux gegen Microsoft gewinnen? 2007 hat es noch nicht ganz geklappt: Beim "3. Offiziellen Microsoft Deutschland Kicker-Turnier" Mitte Dezember konnte das Team der Linux New Media AG nach einer schwierigen Vorrunde gegen starke Gegner zwar fast die gesamte Konkurrenz doch noch ausstechen. Im Finale unterlagen Markus Feilner (Linux-Magazin) und Marcel Hilzinger (LinuxUser) (Abbildung 1) dann aber trotz der Bewaffnung mit Tux-Pins und lautstarker Unterstützung des gesamten Publikums knapp mit 5:4 im dritten Satz gegen Michael Amrehn und Tomas Jensen aus Microsofts Marketing-Riege.

Abbildung 1: Das LNM-Team mit Marcel Hilzinger (links) und Markus Feilner (rechts) nach der knappen Niederlage gehen das Microsoft-Marketing.

Also alles fast wie im richtigen Leben: Auch da bleibt Linux auf dem Desktop hinter Microsoft noch zurück, hat aber ein gutes Stück aufgeholt. Darauf deuten zumindest die Ergebnisse der Linux Foundation Desktop Survey 2007 hin [1]. Nicht nur, dass sich die mit 20 000 Teilnehmern die Anzahl gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt hat: Zudem belegen die Ergebnisse, dass auch in Unternehmen Linux inzwischen zunehmend vom Entwickler-PC auf den Feld-Wald-Wiesen-Client migriert. In zwei Drittel aller Unternehmen, die Linux-Desktops nutzen, findet sich Linux auf auf den Büroarbeitsplätzen. Drei Viertel der Teilnehmer (von denen übrigens die Hälfte aus Europa stammen) vertrauen Linux so weit, jederzeit unternehmenswichtige Anwendungen darauf laufen zu lassen.

Mehr als die Hälfte aller Teilnehmer (55 Prozent) setzt Ubuntu oder eines seiner Derivate ein, ein weiteres Viertel (über 25 Prozent) nutzt Debian. Ebenfalls kräftig punkten auf dem Desktop Red Hat/Fedora (40 Prozent) sowie Suse/OpenSuse (33 Prozent). Immerhin noch jeder zehnte Teilnehmer der Umfrage arbeitet mit der Red-Hat-Spielart CentOS (11 Prozent) oder Gentoo (10 Prozent). Auch auf den privaten Desktops der Befragten dominieren mit zusammen 76 Prozent Ubuntu und Debian, gefolgt von OpenSuse (19 Prozent), Fedora (17 Prozent) und wiederum Gentoo (11 Prozent). Daran, dass die Summen jeweils jenseits der 100 Prozent liegen, lässt sich klar erkennen, dass viele Anwender gleich mehrere Distributionen auf ihren Desktops einsetzen. Die größte Pein dabei stellt wenig überraschend das Fehlen von freien Treibern für die Hardware da: 63 Prozent aller Umfrageteilnehmer wünschten sich für 2008 mehr Engagement von Firmen und Entwicklern in diesem Bereich.

Für noch mehr Linux auf dem Desktop wird dieses Jahr auch die Hardware sorgen. Zum einen fangen viele PC-Anbieter – als prominentester Dell – jetzt endlich an, Rechner mit vorinstalliertem Linux auszuliefern. Zum andern verspricht eine völlig neue Geräteklasse, der CLUMPC, kräftige Zuwächse. Das Kürzel steht für Cheap Linux Ultra-Mobile PC und meint Systeme in der Art des EeePC [2], von dem Asus dieses Jahr fünf Millionen Einheiten absetzen will. Aber auch Alternativen gehen schon bald an den Start, wie das auf der Basis eines Via-Referenzdesigns von Everex hergestellte Cloudbook [3] mit gOS [4].

Es spricht also alles dafür, dass auch 2008 wieder ein gutes Jahr für Linux auf dem Desktop wird. Dass weder Querelen um Patente (SCO), Treiber (Greg K-H), Lizenzen (GPL) oder Formate (OOXML) noch Firmen-Mesalliancen wie jene zwischen Microsoft und diversen hilfswilligen Distributoren unserem Lieblingsbetriebssystem ernsthaft schaden können, hat es 2007 zur Genüge bewiesen. Ich wünsche nicht nur Linux, sondern auch Ihnen ein erfolgreiches, gesundes und glückliches 2008!

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[1] Ergebnisse der LFDS: http://www.surveymonkey.com/sr.aspx?sm=WE9PoU_2bO_2b9Incc1aPjQTMvqIHQ7sZ6Y5sA1yP920aDE_3d (kurz: http://tinyurl.com/3bbpj8)

[2] EeePC im Test: Jan Rähm, "Klein aber fein", LinuxUser 01/2008, S. 88

[3] Cloudbook: http://www.eeepcnews.de/2007/12/14/cloudbook-der-bessere-eee-pc/

[4] gOS: Marcel Hilzinger, "Etwas grünes", LinuxUser 01/2008, DVD-VIII, http://www.linux-user.de/ausgabe/2008/01/908/

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