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Wo bin ich?

Navgear Streetmate GP-35

Für 99 Euro bietet Pearl ein Navigationssystem mit Auto-Einbauset und Deutschlandkarte – auch für Linux-Anwender.

GPS-Navigationssysteme gab es bislang nur jenseits der 150-Euro-Grenze. Jetzt dreht Pearl [1] mit einem Kampfpreis von 99 Euro für das Streetmate GP-35 (Abbildung 1) die Preisspirale deutlich nach unten. Als Betriebssystem verwendet das Gerät Windows CE 5.0, als Navigationssoftware Tele-Atlas 0.7.07, das auch in deutlich teureren Geräten zum Einsatz kommt.

Abbildung 1: Mit dem Navigationssystem Streetmate GP-35 für 99 Euro eröffnet Pearl eine neue Runde im Preiskampf um das GPS-Navi-Segment.

Der mit 300 MHz getaktete Prozessor kommt vom Hersteller Centrality [2]. Als GPS-Empfänger arbeitet ein Atlas II, das 3,5-Zoll-Display des GP-35 verfügt über eine Auflösung von 320x240 Pixel. Zum Lieferumfang zählen neben einer Deutschland-Karte auf einer SD-Karte mit 512 MByte Speicherkapazität noch ein USB-Kabel sowie ein Car-Set mit Halterung und Ladekabel. Eine Verbindung für das normale Stromnetz fehlt allerdings ebenso wie ein externer Antennenanschluss. Auch auf TMC muss der Käufer verzichten.

Laut Hersteller bietet der Akku genügend Kapazität für 6 Stunden Dauerbetrieb oder 200 Stunden im Stand-by-Modus. Allerdings ist der Stromspeicher vom außen unzugänglich im Gehäuse verbaut: Für einen Austausch gilt es das Gehäuse aufzuschrauben, was aber zum Verlust der Garantie führt. Um das Kartenmaterial zu wechseln, reicht es aus, die mitgelieferte SD-Card mit Deutschlandkarte gegen eine andere bei Pearl erhältliche auszutauschen. Die Preise bewegen sich je nach Umfang des Kartenmaterials (Westeuropa mit 22 Ländern oder ganz Europa mit 37 Ländern) zwischen 59 und 69 Euro.

Leben mit Linux

Dem Gerät liegt eine CD bei, die das bereits auf dem Navi installierte Kartenmaterial als Backup enthält. Darüber hinaus findet sich darauf eine Installationsdatei namens setup_warner_deu.exe, welche die Blitzerwarner-Daten für Deutschland enthält. Das Windows-Dateiformat entpuppt sich entgegen erster Befürchtungen schnell als harmlose Klippe: Die einzige Funktion des Programms besteht darin, nach der Anzeige der EULA eine Datei zu entpacken – eine Aufgabe, die Wine problemlos bewältigt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Zwar verpackt Pearl bestimmte Daten wie den Radarfallenwarner in einem Windows-Installer, dank Wine packen Sie die Daten aber problemlos aus.

Dabei versucht der Installer zunächst, die Daten auf einer Speicherkarte abzulegen. Nach zweimaliger Abfrage, wo sich dieselbe denn befände, bietet er alternativ das Speichern in ein lokales Verzeichnis an. Von dort übertragen Sie die Daten auf das GP-35, das Sie dazu via USB an den PC anschließen. Anderslautenden Behauptungen von Pearl zum Trotz erkennt Suse Linux 10.0 das Navi im Test sofort als Wechselmedium. Auf dieses kopieren Sie die extrahierte Datei pocketnav_de_de_deu_warner_40_installer.cdt in das Verzeichnis MobileNavigator/, womit der Blitzerwarner auch schon einsatzbereit ist. Er liefert sowohl Informationen über fest installierte als auch mobile Radargeräte und Blitzampeln. Nach deutscher Rechtslage dürfen Sie diese Funktion allerdings während der Fahrt nicht nutzen.

Zusatzfunktionen

Neben der Navigation bietet das Streetmate GP-35 einige Zusatzfunktionen wie das Abspielen verschiedener Audio- und Videoformate sowie das Anzeigen von Bildern und Texten. Dank des integrierten Kopfhörerausgangs erlaubt das Gerät damit auch den Betrieb als MP3-Player, reicht vom Funktionsumfang allerdings nicht an diese heran. So fehlt beispielsweise jeglicher Klangregler.

Auch der integrierte Videoplayer kann nicht überzeugen, da ihm eine Vollbildfunktion fehlt. Ähnliches gilt für den Bildbetrachter, der zum einen relativ lange zum Laden der Inhalte benötigt, zum anderen die Bilder beispielsweise beim Drehen staucht. Der etwas großspurig als E-Book bezeichnete Text-Reader öffnet lediglich Dateien im Plain-Text-Format. Die unterstützten Formate im Überblick:

  • Audioformate: WMA9, MP3, WAV
  • Videoformate: AVI, ASF, MOV
  • Bildformate: JPG, PNG, TIFF, BMP
  • Textformate: TXT

Jedes der Wiedergabegeräte bietet zwar nur relativ rudimentäre Funktionen, in der Summe vervollständigen sie das Gerät aber sinnvoll. Zur Datenübertragung genügt es, das Navigationsgerät mit dem mitgelieferten USB-Kabel an den Rechner anzuschließen. Alternativ stecken Sie die SD-Karte mit dem Kartenmaterial in ein Lesegerät und übertragen die Daten auf diesem Weg.

In freier Wildbahn

Beim Betrieb des GP-35 sticht zunächst ins Auge, dass das Gerät nach einem Neustart bis zu fünf Minuten braucht, bis es genügend Satelliten erkannt hat. Deutlich schneller geht es, wenn es das Gerät aus dem Standby-Modus startet. Das Berechnen der Routen dauert selten länger als 20 Sekunden, das Ergebnis fällt in den meisten Fällen zufriedenstellend aus. Gelegentlich kam es im Test jedoch vor, dass Sprachführung und Navigationspfeile einen anderen als den eingezeichneten Kurs vorgaben. Bei Abweichungen vom vorgesehenen Kurs dauert es immerhin nur Sekunden, bis das GP-35 eine Alternativroute errechnet.

Positiv fällt die benutzerfreundliche Adresssuche auf. Buchstaben, die mangels passender Einträge während der Eingabe nicht zutreffen können, graut die Software aus. Findet das Programm mehrere Treffer, zeigt es diese in einer Übersicht an. Als sehr nützlich erweist sich der mitgelieferte POI-Finder (Point of Interest). Er sucht in der Umgebung einer gewählten Adresse nach Einrichtungen wie Hotels, Briefkästen, Museen oder Sportanlagen.

Plus/Minus

+schnelle Routenkorrektur, intelligente Adresssuche

+automatische Tag/Nacht-Schaltung des Displays

+aktuelles Kartenmaterial, zielgenaue Navigation

+verschiedene Betriebsmodi (Auto, Fußgänger etc.)

+integrierter POI-Finder, einfaches Update

+niedriger Preis

--kein externer Antennenanschluss, kein TMC

--teils widersprüchliche Routenführung

--Akku fest verbaut

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Infos zum Autor

Thomas Leichtenstern

CD/DVD-Redakteur


Infos zur Publikation

Dieser Artikel stammt aus der Zeitschrift LinuxUser.

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