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Wer hat Angst vorm Pinguin?

Mit Wubi und Unetbootin Linux auf Windows-Rechnern einrichten

01.01.2008 Viele potenzielle Umsteiger schrecken vor Linux zurück, weil sie befürchten, bei der Installation Ihr Windows-System zu beschädigen. Wubi installiert Ubuntu unter Windows wie eine Anwendung.

Sicher kennen Sie in Ihrer Bekanntschaft den einen oder anderen, der sich Linux gerne einmal näher ansehen möchte, sich aber nicht traut, weil er befürchtet, sein System könnte Schaden nehmen – sei es durch verhakelte Partitionstabellen oder den unbekannten Bootloader, der nach den ersten Gehversuchen Windows nicht mehr findet. Ganz zu schweigen vom fremdartigen Dateisystem, das sich hartnäckig weigert, das Feld zu räumen, wenn es nicht mehr gebraucht wird.

Hier tritt Wubi [1] auf den Plan. Es installiert Ubuntu wie eine Applikation unter Windows und tastet dabei weder die Partitionstabelle noch das Dateisystem an. Lediglich der Windows-Bootloader erhält einen zusätzlichen Eintrag. Bei Nichtgefallen deinstalliert man Wubi samt Ubuntu über die Softwareverwaltung von Windows.

Wer eine echte Installation vorzieht, greift zu Unetbootin [2]. Es richtet als Windows-Programm den Net-Installer einer Linux-Distribution ein, der nach dem Reboot für das restliche Setup zuständig zeichnet. Im Unterschied zu Wubi erstellt Unetbootin jedoch ein reguläres Linux-System auf einer eigenen Partition und mit einem eigenen Boot-Loader.

TIPP

Ebenfalls einen Windows-basierten Linux-Installer bietet das Debian-Projekt "Goodbye Microsoft" [3]. Mehr darüber erfahren Sie im Kasten "Debian-Installer für Windows".

Debian-Installer für Windows

In eine ähnliche Kerbe wie Unetbootin schlägt der Windows-basierte Debian-Installer (Abbildung 1) der Webseite "Goodbye Microsoft", der "Etch" auf den Rechner spielt. Er bietet allerdings bereits im Vorfeld eine Benutzerinteraktion, etwa das Einstellen der Sprache oder die Auswahl des Modus (Normal oder Experte).

Abbildung 1: Der Debian-Installer ermöglicht bereits beim Windows-basierten Setup das Einstellen von Sprache und Installationsmodus.

Der etwa 1 MByte große Installer lädt das Netboot-Image nach, bevor er nach Rückfrage den Rechner neu bootet. Zwar bietet das Debian-Netboot eine große Auswahl an Spiegelservern, jedoch fehlen alternative Protokolle wie SMB oder NFS zur Installation über das lokale Netzwerk. Eine Direktverbindung via DSL, Modem oder ISDN sieht der Starthelfer ebenfalls nicht vor.

Zum Deinstallieren der Software für Windows starten Sie das im Verzeichnis Laufwerk :\debian\ befindliche Programm uninstaller.exe.

Wubi

Wubi steht für Windows Ubuntu Installer, was den Kern der Sache ziemlich genau trifft: Das Programm bereitet Windows auf die Installation von Ubuntu vor, ohne gravierende Änderungen am System vorzunehmen. Es ergänzt lediglich die boot.ini um den Eintrag Ubuntu, der den Grub4DOS-Bootloader am Bootscreen startet. Anders als bei virtualisierten Systeme müssen Sie den Rechner neu booten, um Ubuntu zu starten. Als Partition verwendet Wubi eine Image-Datei, die das Programm mit einem Ext3-Dateisystem formatiert.

Wubi läuft nach Entwicklerangaben unter allen gängigen Windows-Systemen von 98 bis Vista. Als minimale Systemvoraussetzungen gelten die gleichen wie für eine reguläre Installation von Ubuntu, also mindestens 256 MByte Arbeitsspeicher sowie ein mit wenigstens 1 GHz getakteter Prozessor. Weiterhin benötigen Sie mindestens 4 GByte freien Speicherplatz auf Ihrer Festplatte und einen schnellen Internetzugang, sofern Sie Wubi aus den Online-Quellen installieren möchten.

Wubi installieren

Die Installation von Wubi-Ubuntu gliedert sich in zwei Teile: einen Windows- basierten Teil, der das System vorbereitet, und einen Linux-basierten Teil, der nach einem Reboot Ubuntu installiert.

Wubi gibt sich beim Start des Installers bewusst schlicht und beschränkt die Konfigurationsmöglichkeiten aufs Wesentliche (Abbildung 2). In der linken Spalte stellen Sie unter Installation Size (GB): ein, wie viel Platz das Programm für Ubuntu reserviert; Installation Drive legt die Zielpartition fest.

Abbildung 2: Im bewusst schlicht gehaltenen Fenster von Wubi geben Sie lediglich die Eckdaten wie Landessprache, Benutzerkennung und Zielpartition sowie die gewünschte Ubuntu-Variante an.

Bislang ist diese Auswahl dieser allerdings eher als nützliches Feature für die Zukunft zu sehen, da die Installationsroutine nach dem Reboot bislang nur startet, wenn C:\ als Zielpartition gewählt wurde. Im Wubi-Forum [4] schreibt der Entwickler, dass dafür ein Grub4DOS-Problem verantwortlich sei. Ein funktionierender Workaround jedenfalls lässt bislang auf sich warten. Sie sollten vor Beginn der Installation auf jeden Fall die Zielpartition defragmentieren, damit Wubi eine möglichst zusammenhängende Image-Datei erzeugen kann. Andernfalls müssen Sie mit erheblichen Performance-Einbussen rechnen.

Unter Desktop Environment: legen Sie fest, welche Ubuntu-Variante Sie installieren möchten. Zur Auswahl stehen Ubuntu, Kubuntu, Xubuntu, Edubuntu und Ubuntu Studio. Im rechten Teil des Konfigurationsfensters stellen Sie die gewünschte Landessprache ein und legen den Benutzernamen und das Passwort für Ubuntu fest.

Findet Wubi in dem Verzeichnis, in dem es sich befindet, ein Ubuntu-ISO-Image, das der gewählten Variante entspricht, verwendet es dieses als Installationsquelle. Beachten Sie, dass Wubi stets die Alternate-Variante und nicht das normale Installations-Image benötigt. Auf der Heft-DVD finden Sie im Verzeichnis LinuxUser/wubi/ das Image ubuntu-7.04-alternate-i386.iso, das sich als Installationsquelle eignet. Findet das Programm kein lokales Image, lädt es eines von einem Server aus dem Internet herunter.

Nach dem Klick auf Installieren erzeugt das Programm im Hauptverzeichnis wubi zunächst eine Reihe von Unterverzeichnissen in der gewählten Zielpartition (üblicherweise C:\). Darin befinden sich unter anderem der Bootloader Grub4DOS sowie in disks die Dateien, die später beim Booten von Ubuntu als Dateisystem dienen.

Nach einem Neustart sehen Sie im Bootmenü von Windows den zusätzlichen Eintrag Ubuntu. Wählen Sie ihn aus, so startet zunächst der Grub4DOS-Bootloader und anschließend die Installationsroutine von Ubuntu, die das Linux-System ohne weiteres Zutun des Benutzers einrichtet. Beachten Sie, dass das Setup nicht startet, falls Windows zuvor nicht sauber heruntergefahren wurde oder das Dateisystem des Ziellaufwerks als "dirty" markiert ist. In diesem Fall booten Sie Windows erneut und fahren es sauber herunter.

Nach der etwa 40-minütigen Grundinstallation und einem Reboot startet das fertig installierte Ubuntu.

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Infos zum Autor

Thomas Leichtenstern

Thomas Leichtenstern

CD/DVD-Redakteur


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LinuxUser 03/2012

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