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Lizenz mit Biss

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die GPL hat durchaus Zähne. Auch wenn die Lizenz dem Benutzer alle Freiheiten beim Einsatz der Software gewährt, erhebt sie doch klare Bedingungen, was die Weitergabe der Programme betrifft. Wer gegen diese Lizenzbedingungen verstößt, verliert das Recht zur weiteren Verbreitung.

Das lässt sich notfalls auch gerichtlich durchsetzen, wie das dieser Tage Harald Welte, Autor des Netfilter-Codes im Kernel und Protagonist von GPL-Violations.org [1], anhand von Skype vorexerziert hat [2]. Das Luxemburger VoIP-Unternehmen hatte über seine Website ein auf Linux basierendes VoIP-Telefon angeboten. Allerdings lag dem Gerät weder eine Kopie der GPL noch der Quellcode bei, noch nicht einmal auf die Nutzung freier Software war hingewiesen. Auf die Lizenzverletzung aufmerksam gemacht, legte Skype dem Gerät lediglich ein Hinweisblatt bei, das auf Downloadquellen für die GPL und die Sourcen verwies. Am 24. Juli untersagte daraufhin das Landgericht München I Skype den weiteren Vertrieb, solang das Unternehmen den Maßgaben der GPL nicht genügt.

Das Urteil ist in dreierlei Hinsicht besonders interessant: Erstens machte das Gericht es unmissverständlich klar, dass die Bestimmungen der GPL genauestens beachtet werden müssen und dass selbst Verletzungen von Lizenzdetails zum Rechtsverlust des Lizenznehmers führen. Zweitens wurde hier die GPL einer im Ausland ansässigen Gesellschaft gegenüber durchgesetzt. Und drittens war Skype in diesem Fall nicht etwa der Hersteller, sondern lediglich ein Distributor: Das fragliche VoIP-Telefon stammt aus dem Portfolio des Netzwerkherstellers SMC Networks und wurde von einem spanischen Vertriebsunternehmen über die Skype-Website angeboten.

Falls Sie jetzt gerade nicht darauf kommen, woran Sie diese Vertriebssituation – Linux "um drei Ecken" – so wahnsinnig erinnert, helfe ich gerne aus: Gemäß dem Deal von letztem November bringt Microsoft gerade Supportlizenzen für Suse Linux Enterprise Server im Wert von 240 Millionen US-Dollar unter seine Kundschaft, die es bei Suse/Novell erworben hat. Microsoft ist also Linux-Distributor, auch wenn man das in Redmond nicht wahr haben will. Microsoft sei kein Vertragspartner der GPLv3, ließen die Ballmer'schen Mannen wissen [3], und man habe deswegen keine rechtlichen Verpflichtungen hinsichtlich dieser Lizenz. An der Haltbarkeit dieser Rechtsposition zumindest vor deutschen Gerichten darf man nach dem oben zitierten Skype-Urteil wohl zweifeln.

So ganz scheint man auch in Redmond nicht an die eigene Theorie zu glauben, denn die Stellungnahme schließt sicherheitshalber gleich auch Support und Updates für GPLv3-lizenzierte Software im Rahmen der von Novell erworbenen Zertifikate aus. Das könnte spannend werden, sind doch derzeit bereits knapp 300 freie Software-Projekte auf die GPLv3 umgeschwenkt oder haben zumindest die entsprechende Absicht erklärt [4]. Darunter finden sich prominente Namen und unverzichtbare Tools wie wie Bayonne, die GNU Core Utilities, Gcc, GnuPG, Samba, Sed oder SugarCRM. Aber wer weiß: Vielleicht ist ja ungeachtet aller Lippenbekenntnisse zu Open Source ([5],[6]) ein Linux-Server ohne File-, Shell- und Text-Tools, ohne Compiler und ohne CIFS-Connectivity genau das, was Microsoft am liebsten hätte …

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[1] Projekt GPL-Violations.org: http://gpl-violations.org/

[2] Welte vs. Skype: http://www.ifross.de/ifross_html/home2_2007.html#ARTIKEL29

[3] "Microsoft Statement About GPLv3": http://www.microsoft.com/presspass/misc/07-05statement.mspx

[4] Liste der GPLv3-Projekte: http://gpl3.palamida.com:8080/searchResultsShowMe.jsp

[5] "Open Source at Microsoft": http://www.microsoft.com/opensource/

[6] Microsoft erweitert Open-Source-Initiativen: http://linux-magazin.de/news/microsoft_erweitert_open_source_initiativen

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