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KDE-News

01.07.2007

Neues von KDE 4.0

Mitte Mai hat das KDE-Projekt die erste Alpha-Version von KDE 4.0 freigegeben. Sie bringt neben vielen portierten Anwendungen vor allem Dolphin mit: Das Programm soll das Universalgenie Konqueror als Standardanwendung für die Dateiverwaltung ersetzen und arbeitet sogar bereits mit der Desktopsuchmaschine Strigi zusammen.

Mit Okular liegt erstmals ein Universalbetrachter für Dokumente bei, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger Kpdf nicht nur PDF-Dateien, sondern auch viele weitere Bild- und Dokumentenformate beherrscht. Neu in Okular sind zudem Annotationswerkzeuge für PDF-Dateien, die sonst nur in der kommerziellen Version der Acrobat-Software aus dem Hause Adobe zu finden sind.

Außerdem neu in der Alpha: KRunner, der Ersatz für den herkömmlichen [Alt]+[F2]-Dialog: Er kommt bereits in Oxygen-Optik daher und gehört zur neuen Plasma-Oberfläche. Ansonsten glänzt die Plasma vor allem durch Abwesenheit, denn die Entwickler wollen es zu einer der Hauptneuerungen der ersten Beta-Version machen. Die soll die laut Release-Plan unter http://techbase.kde.org/Schedules/KDE4/4.0_Release_Schedule schon kurz nach Erscheinen dieses Heftes verfügbar sein. Eine aktuelle Entwicklerversion von KDE von Anfang Juni weist bereits eine Uhr und einen einfachen RSS-Betrachter als "Plasmoids" (so heißen Plasma-Applets) auf. Raptor, das neue K-Menü, befindet sich jedoch immer noch in der Konzeptionsphase.

Statt dessen zeigen sich in der KDE-4-Beta auffällig viele Anwendungen im Oxygen-Look: Fast alle Spiele und die meisten Anwendungen aus dem Edutainment-Paket verwenden skalierbare SVG-Grafiken. Der 3D-Desktop-Globus Marble gesellt außerdem seit der Alpha-Version zu den anderen Bildungs- und Lernprogrammen. Auch eine völlig überarbeitete Version von KDevelop gehört der Alpha-Version an.

KOffice dagegen bleibt in der ersten Alpha-Version außen vor, da die Entwickler die Version noch nicht für releasefähig halten. Auch die neuen Composite-Fähigkeiten von KWin, die den KDE-Fenstermanager näher an Beryl/Compiz heranrücken sollen, sind zwar prinzipiell vorhanden, lassen sich jedoch noch nicht über die grafische Oberfläche aktivieren. Hier haben die Entwickler bereits nachgebessert, sodass die nächste Beta-Version mit neuen Effekten auf 3D-beschleunigten Grafikkarten aufwarten kann.

Zum grafischen Gesamtkonzept gehören neben neuen Symbolen auch ein Widget-Style und eine Dekoration für KWin, die beide noch nicht Teil der freigegebenen Alpha-Version sind. Um sie für die kommende Beta-Version fit zu machen, arbeiteten Entwickler und Grafiker in einem Treffen in Mailand an der Fertigstellung.

Falls Sie den aktuellen Stand von KDE 4.0 ausprobieren möchten, warten Sie besser bis zur Freigabe der anstehenden Beta-Version oder bauen den aktuellen Stand direkt aus der Quellcodeverwaltung des KDE-Projekts. Wie das geht, erläutert eine ausführliche englischsprachige Anleitung unter http://techbase.kde.org/Getting_Started/Build/KDE4. Für alle, die eine deutsche Anleitung bevorzugen, ist eine Übersetzung in Arbeit, bei der sich nach dem Wiki-Prinzip jedermann beteiligen kann.

kde4a1.png

Viel Oxygen, wenig Plasma: Die erste Alpha-Version bringt nur wenige visuelle Neuerungen.

plasma-clock.png

Einer der schon sichtbaren Vorboten von Plasma: Eine Uhr als Plasmoid.

dolphin-oxygen.png

Dolphin im Oxygen-Style mit passender Fensterdekoration aus einer Entwicklerversion Anfang Juni.

Fedora 7 mit Spins und KDE Live CD

Das Fedora-Projekt führt mit der Freigabe seiner neuen Distribution Fedora 7 einige Neuerungen ein. Durch die Vereinigung von Fedora-Core und Fedora-Extras zu einem einzigen Repository bietet das Projekt, auf dessen Basis der Linux-Distributor Red Hat seine Enterprise-Produkte herstellt, nun verschiedene Ausprägungen ("Spins") aus.

Bei den Spins handelt es sich um eine Vorauswahl spezieller Pakete auf einer CD. Da jedoch alle Pakete im gleichen Repository liegen, lassen sich später beliebige Pakete nachinstallieren. In dieser Beziehung ähneln Spins den Derivaten des Ubuntu-Projektes wie Kubuntu oder Xubuntu, die sich auf KDE oder Xfce als Fenstermanager spezialisiert haben.

Den KDE-Spin für Fedora 7 – er kommt als installierbare Live-CD daher – leiten Rex Dieter, der ehemaligen Kopf des KDE-Redhat-Projekts, und Than Ngo von Redhat. Eine Gruppe von Interessierten kümmert sich unterdessen um eine verbesserte Integration der Fedora-Tools in KDE.

fedora_7_kde.png

Fedora 7 gibt es als Live-Spin nun auch in einer KDE-Variante.

Internet-TV für KDE

Video-Podcasts erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Vermutlich auch deswegen sprießen fast täglich neue Angebote hervor. KatchTV hilft hier, die Übersicht zu bewahren: Die in Python geschriebene KDE-3-Anwendung erlaubt das Verwalten von Podcast-Feeds sowie den Download der jeweiligen Episoden ("Podcatching"). Dabei lädt es auch mehrere Stücke gleichzeitig herunter, bei größeren Brocken greift es auf Bittorrent zurück. Zum Abspielen der Medien dient einen einbettbarer KDE-Player, der dank KHTML-Integration sogar Flash-Filme abspielt, sofern ein entsprechendes Plugin installiert ist.

Die voreingestellten Podcast-Quellen, die sich vorwiegend an angelsächsischen Sehgewohnheiten orientieren, lassen sich problemlos durch eigene ersetzten. Allerdings ist das Paket bislang nicht lokalisiert, sodass man sich mit einer englischsprachigen Benutzerführung arrangieren muss. Die aktuelle Version KatchTV 0.86 gibt es als Download unter http://www.kde.org. KatchTV läuft sofort nach dem Entpacken des Tarballs, benötigt neben den KDE-Bibliotheken aber noch das PyKDE-Paket.

katchtv.png

KatchTV hilft beim Podcatching.

KOffice-Entwickler arbeiten an ODF

Am 12. und 13. Mai trafen sich die Entwickler der Office-Suite KOffice und des KDE-Desktops in Berlin. Die Teilnehmer wollten herausfinden, an welchen Stellen des KDE-Desktops der offene Dokumentenstandard ODF Einzug halten könnte. Schnell zeigte sich, dass viele Anwendungen von ODF profitieren würden: KMail sollte formatierten Text aus ODF-Dokumenten übernehmen können. Außerdem gibt es eine breite Palette von Programmen, die von Tabellenverarbeitungsfunktionen profitieren könnten. Dazu wird es eine spezielle Bibliothek geben, auf die KDE-Programme zurückgreifen können. Ähnlich wie die KDE-PIM-Bibliotheken soll diese aber keinen Bestandteil der KDE-Kern-Bibliothekssammlung bilden.

3D Bibliothek Mesa aufgebohrt

3D auf dem Linux-Desktop hat nicht nur aufgrund schlechter Grafiktreiber noch einige Schwächen gegenüber Windows oder Mac OS X. Einer der Engpässe liegt in der OpenGL-Bibliothek Mesa: Spezialeffekte, wie sie etwa moderne Desktops oder Spiele einsetzen, generieren so genannte Shader, die zur Berechnung die Grafikkarte nutzen. Um sie anzusteuern, kennt OpenGL eine C-ähnliche Sprache, die "Shader Language". Allerdings implementiert es sie bislang nicht sehr effizient.

Der Grafikexperte Zack Rusin und Compilerbau-Spezialist Roberto Raggi erstellten deswegen auf Basis des freien LLVM-Frameworks einen Ersatzcompiler, der die Shader-Language besser optimiert und Entwicklern mehr Möglichkeiten als bisher gibt. Durch LLVM, das zum Compilerbau geschrieben wurde, gerät die Reimplementierung außerdem wesentlich kürzer als der Vorgänger.

Rusin räumt in seinem Blog jedoch ein, dass es trotz des ermutigend schnellen Fortschrittes noch zahlreiche Baustellen gibt. Der Code für Mesa liegt nun in der Git-Quellcode-Verwaltung von Freedesktop.org und könnte schon in näherer Zukunft für noch höhere 3D-Beschleunigung und bessere Effekte sorgen.

Qt 4.3 freigegeben

Nach mehreren Monaten Entwicklungszeit hat Trolltech die Version 4.3 des Qt-Toolkits für die Entwicklung von Anwendungen in C++ unter Windows, Linux und Mac OS freigegeben. Wie gewohnt erscheint das Toolkit außerdem unter dem namens Qtopia Core in einer Embedded-Variante, die den Linux-Framebuffer aus Ausgabegerät verwendet und als Basis für die Qtopia-GUI vor allem auf Handys, PDAs und Settopboxen zum Einsatz kommt. Die aktuellen Snapshots von KDE 4 setzen schon seit geraumer Zeit auf Vorversionen von Qt 4.3, um einige der neuen Fähigkeiten zu nutzen.

Zu den wichtigsten Neuerungen gehört die volle Unterstützung für Windows Vista. Dazu verpasste Trolltech Qt ein Vista-Look&Feel und ließ das Toolkit von Microsoft als Vista-kompatibel zertifizieren. Außerdem bringt Qt 4.3 ECMA-Scripting zurück in das Toolkit: QtScript ist eine Implementierung des ECMA-Standards, das vielen besser unter dem Namen Javascript bekannt sein dürfte. Weitere Verbesserungen finden sich in der Unterstützung für skalierbare Vektorgrafiken (SVG): Qt 4.3 kann diese im Gegensatz zu seinen Vorgängern auch schreiben. Außerdem beschleunigten die Norweger die OpenGL-Ausgabe und spendierten ihrer TCP-Implementierung SSL-Unterstützung.

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