Linux eilt nicht nur der Ruf voraus, sehr stabil und robust zu arbeiten, sondern auch der Nimbus, schonend mit Hardwareressourcen umzugehen. Bestimmte Distributionen, wie etwa Damn Small Linux, geben sogar noch auf Maschinen mit 80486-Prozessoren ordentlich Gas – und zwar mit einer brauchbaren grafischen Oberfläche. Auch wird die Treiberentwicklung wegen des im Allgemeinen geringen Interesses der Industrie sehr oft von freien Entwicklern vorangetrieben, sodass Linux am besten auf etwas älteren Rechnern, die nicht über brandneue Hardware verfügen, seine Fähigkeiten entfaltet. Es liegt also für den Einsteiger nahe, sich einen gebrauchten PC für Linux zu beschaffen. In Zeiten nahezu unbegrenzter Mobilität liebäugeln viele Anwender zudem mit gebrauchten Notebooks – Grund genug für uns, das Angebot von Online-Händlern im Rahmen eines Kauftests näher unter die Lupe zu nehmen.
Kaufkriterien für den "Gebrauchten"
Wer sich für Linux als Betriebssystem entschieden hat und ein Notebook aus zweiter Hand dazu verwenden möchte, steht zunächst vor einigen Problemen: Die Hardware gängiger Notebooks kommt größtenteils nicht "von der Stange". Mobile Geräte sollen mit der vorhandenen Energie möglichst sparsam umgehen, zugleich auch noch klein und kompakt sein und trotzdem hohen Bedienkomfort bieten. Daher kommen in Notebooks viele Komponenten zum Einsatz, die speziell auf diese Anforderungen hin entwickelt wurden.
So verwenden nahezu alle Geräte besondere Onboard-Grafikchips, deren Videospeicher (sofern überhaupt vorhanden) sich nicht aufrüsten lässt. Zur Ausstattung zählen oft auch spezielle Mini-PCI-Karten, die in der Regel ein Modem und einen Netzwerkanschluss beherbergen. Neuere Geräte verfügen außerdem manchmal noch über Firewire-, Bluetooth- und Infrarot-Anschlüsse. Alle diese besonderen Komponenten benötigen besondere Treiber, so dass nicht immer sofort klar ist, ob ein Notebook auch unter Linux zufriedenstellend funktioniert.
Einsteiger wie auch "alte Hasen" sollten sich daher zunächst vor dem Kauf kundig machen, ob das Wunschgerät überhaupt mit Linux harmoniert. Hierzu bieten sich verschiedene Seiten im Internet an [1], die jedoch in beträchtlichem Umfang auf veralteten Daten beruhen. Doch in Zeiten, in denen Linux in manchen Bereichen mit steigender Tendenz bereits 20 Prozent Marktanteil verzeichnet, sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Händler, der solche erklärungsbedürftigen Geräte verkauft, dazu kompetent Auskunft erteilen kann.
Marke vs. Billigheimer
Der Markt für Notebooks teilt sich in zwei große Gruppen: Auf der einen Seite stehen die Consumer-Geräte von Anbietern wie Acer, Asus, Dell, Fujitsu-Siemens, Gericom, Medion, Panasonic, Sony oder Targa. Auf der anderen Seite finden sich Systeme für den Business-Sektor, vor allem von IBM, gefolgt von HP und Toshiba.
Während HP und Toshiba mit einigen besonders kostengünstigen Baureihen mehr oder weniger erfolgreich versuchen, auch im Segment der Billigheimer mit zu mischen, bedienen die Thinkpad-Baureihen von IBM/Lenovo ausschließlich den Profi-Sektor. Das zeigt sich unter anderem daran, dass kein anderer Hersteller weltweit so viele Patente auf mobile IT-Technologien angemeldet hat wie IBM. Auch haben die Thinkpad-Baureihen über die Jahre hinweg mehrere hundert Preise der Fachpresse für herausragende Eigenschaften gewonnen.
Die Profi-Geräte aller Hersteller bestehen aus hochwertigeren Komponenten, besseren Gehäusen, weisen eine bessere Verarbeitung auf und bieten in aller Regel auch eine längere Ersatzteilversorgung. Wer schon einmal versucht hat, für ein fünf Jahre altes Notebook eines Billiganbieters eine neue CPU oder ein neues Motherboard zu bekommen, weiß davon ein Lied zu singen. Zudem betätigen sich Hersteller wie IBM und HP zum Teil bereits seit Jahren aktiv im Linux-Segment. Sie testen und zertifizieren ihre Geräte auch für Linux, so dass man hier eine gute Kompatibilität erwarten darf. Last but not least ist auch der Wiederverkaufswert von Profigeräten, speziell jener von IBM, deutlich höher als der anderer Marken.



