Von klein auf

Lernumgebung Klixxa

01.09.2006
Komplette Lernumgebungen unter Linux für die Kleinen und Kleinsten sind rar gesät. Wir stellen mit Klixxa eine interessante Live-Distribution vor.

Kinder lieben Computer – besonders dann, wenn sie auf dem Rechner Spiele und Lernsoftware vorfinden, die es zu entdecken gilt. Die gängigen Linux-Distributionen bringen ohne Ausnahme eine erkleckliche Anzahl an Spielen mit – jedoch verfolgen diese in der Regel weder einen pädagogischen Anspruch, noch sind sie auf bestimmte Altersgruppen ausgerichtet.

Diese Marktlücke hat die Berliner Firma Asar GmbH erkannt und mit Klixxa [1] eine speziell auf Kinder zugeschnittene Software herausgebracht, die sich primär an kleine Kinder und Jugendliche bis zum Alter von zwölf Jahren richtet. Das Unternehmen verkauft das Komplettsystem über die Website sowie einige Buchhandlungen für 19,95 Euro.

Konzeption

Klixxa kommt als Live-Distribution auf Basis von Knoppix auf einer einzelnen CD-ROM und bietet neben einer bunt aufgemachten Oberfläche mehr als 100 Spiel- und Lernprogramme, die in drei Altersgruppen aufgeteilt sind: Die Rubrik Kindergarten beinhaltet Programme für Zwei- bis Vierjährige, in der Sparte Vorschule findet sich Software für Fünf- und Sechsjährige, und unter Schule sollen Sieben- bis Zwölfjährige den Computer entdecken.

Das Konzept der Live-CD ermöglicht es, Klixxa ohne zeit- und arbeitsaufwendige Installation auf jedem halbwegs aktuellen Rechner zu betreiben, wobei laut Hersteller die Möglichkeit besteht, Daten und einmal vorgenommene Einstellungen auf Wechselmedien abzuspeichern. Zu diesem Zweck bietet die Firma auf der Website unter anderem auch USB-Speichersticks an. Das Auslagern von Daten funktioniert aber auch mit jedem handelsüblichen Stick.

Nun wäre eine reine CD-Distribution im Zeitalter des Internet etwas anachronistisch, wenn sie keinen Webzugang böte – stellt doch Linux von Haus aus eine Vielzahl von Internetanwendungen bereit. Deshalb wirbt Asar mit einem "unbeschwerten Internetzugriff", den ein eigens für Klixxa konfigurierter Kinder-Proxy [2] gewährleistet.

Erster Eindruck

Nach dem Starten des Computers mit eingelegter Klixxa-CD-ROM bootet Knoppix in der nicht mehr ganz taufrischen Version 3.8 mit einem modifizierten KDE Version 3.4.1 als Oberfläche. Der Desktop wirkt nach dem Start aufgeräumt, keine verwirrenden Gimmicks erschweren das Bedienen des Systems. Bunte Bildchen und ein entsprechendes Theme sorgen für ein kindgerechtes Umfeld.

Das System stellt lediglich drei Auflösungsstufen für den Monitor bereit: VGA, SVGA und XGA, wobei eigentlich nur die letztere zeitgemäß erscheint. Drei ausreichend dimensionierte Icons in der Titelleiste – ein Auto, ein Bleistift und ein Buch – symbolisieren die nach Altersgruppen zusammengestellten Programmsammlungen.

Daneben findet sich noch das passwortgeschützte Elternmenü, in dem die Erziehungsberechtigten alle Einstellungen vornehmen. So erlaubt es Klixxa bespielsweise, ganze Programmsammlungen auszublenden, einen Drucker einzurichten oder einen ISDN- oder DSL-Anschluß zu konfigurieren.

Altersgruppen

Im Container Kindergarten finden sich drei Bereiche: Spielesammlung, Malen und Kartoffelknilch. Hinter Spielesammlung verbirgt sich das Standardprogramm Childsplay, das wiederum verschiedenste Lernspiele vereint, unter anderem zum Training des Kurzzeitgedächtnisses. Neben einem Memoryspiel mit wachsenden Anforderungen finden sich hier mehrere Programme zum Erlernen des Zahlenraums bis zehn, einfache Rechenspiele für die Grundrechenarten sowie eine Reihe von Buchstaben- und Wortbildungsspielen. Der Menüpunkt Malen führt zum Programm Tuxpaint, einer Malsoftware mit komplexen Möglichkeiten (Abbildung 1). Das Stempelprogramm Kartoffelknilch (eigentlich: KTuberling) dient dagegen eher zum Entspannen.

Grundsätzlich eignen sich alle drei Anwendungen für die avisierte Altersgruppe recht gut, jedoch trübt die teilweise schlechte Lokalisierung das Bild. So liegen Dialoge teils in englischer, teils in deutscher Sprache vor. In Zeiten, in denen diverse Pisa-Tests eindrucksvoll belegen, dass selbst Jugendliche deutscher Herkunft nicht mehr unbedingt ihre Muttersprache beherrschen, scheinen solche linguistischen Experimente bei zwei- bis vierjährigen Kindern eigentlich fehl am Platz.

Abbildung 1: Tuxpaint spricht noch nicht vollständig deutsch.

Vorschule

In der Gruppe der Vorschulprogramme sticht das außergewöhnlich gut konzipierte Gcompris hervor (Abbildung 2). Es verbirgt sich – wie Childsplay bei den ganz Kleinen – hinter dem Menüpunkt Spielesammlung. Es richtet sich an die Altersgruppe der Fünf- bis Sechsjährigen und fördert mit Algebra- und Lesetafeln sowie Lernspielen in vielfältigster und durchdachter Weise optimal die intellektuelle sowie feinmotorische Entwicklung.

Insbesondere die Erlebnis-Aktivitäten springen durch die schönen Lernspiele ins Auge: So erklärt hier eines beispielsweise plastisch den Wasserkreislauf. Die Regatta-, U-Boot- und Fallschirmspringer-Spiele entwickeln die feinmotorischen Fähigkeiten des Kindes. Unter den Spieletafeln dagegen gibt es neben Farb-, Uhrzeit- und Landkartenspielen mit Chronos ein Spiel, das zeitliche Abläufe erlebbar macht und es dem Kind ermöglicht, eigene Animationen zu erstellen.

Weitere Übungen zum Gedächtnistraining und zur Geschicklichkeit runden das Angebot ab, sodass sich das Vorschulkind nicht langweilen dürfte. Zudem umfasst der Container Vorschule erneut ein Malprogramm (Kolourpaint), das einfaches Notizprogramm Kjots sowie fünf zusätzliche KDE-Spiele.

Abbildung 2: Die Lernsoftware Gcompris verbindet ansprechendes Design mit intelligent gemachten Spielen.

Für Schüler

Der Bereich Schule richtet sich an Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren und gliedert sich in die Programmsammlungen Spiele, Freizeit, Hausaufgaben und Internet. Im Container Hausaufgaben finden sich nahezu vollständig die Komponenten der OpenOffice-Suite (und zwar in einer Betaversion). Daneben sind hier mehrere Programme mit naturwissenschaftlich-mathematischem Fokus vorhanden.

Die Kategorie Freizeit beinhaltet die von KDE her bekannte Weltzeituhr, ein Planetarium, einen Kalender (Korganizer), ein Adressbuch sowie einen CD/DVD-Spieler. Letzterer funktioniert jedoch nur, falls ein zweites CD/DVD-Laufwerk vorhanden ist. Im Container Internet schließlich finden sich neben dem Firefox-Browser mit Kmail und Kopete noch je ein Mail- und Chatprogramm. Unangenehm fällt im Bereich Schule das Fehlen jeglicher Programme mit sprachlicher ebenso wie mit musisch-künstlerischer Ausrichtung auf.

Da Schulen bekanntlich in einigen Bundesländern bereits ab der dritten Klasse Englisch als Fremdsprache lehren, und alle drei weiterführenden Schulzweige die englische Sprache als erste Fremdsprache ab der fünften Klasse unterrichten – also ab einem Kindesalter von spätestens zehn Jahren – fällt gerade das Manko im sprachlichen Bereich besonders ins Gewicht.

Unter Linux gibt es ausgereifte Applikationen für dieses Themenfeld, und zwar überwiegend solche, die unter der GPL stehen: zum Beispiel das hervorragende Englisch-Wörterbuch Ding oder auch digitale Vokabeltrainer. Daher stünde dem Einsatz dieser Software eigentlich nichts im Wege. Zudem wären im musischen Sektor beispielsweise Notensatzprogramme als native Linux-Software verfügbar.

Der Einsatz der OpenOffice-Suite für sieben- bis zwölfjährige Kinder scheint aufgrund der Komplexität der Programme nicht unbedingt altersadäquat. Hier wäre weniger mehr gewesen – zum Beispiel durch den Einsatz des Abiword-Textkomponente und einer einfachen Tabellenkalkulation.

Kinder-Proxy

Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal von Klixxa gegenüber anderen integrierten Lernumgebungen für Kinder liegt vor allem im Kinder-Proxy, den die Asar GmbH betreibt. Das System verhindert ein Umgehen des Proxys bei der Einwahl ins Internet für die Zielgruppe der Sieben- bis Zwölfjährigen. Die entsprechenden Einstellungen in Firefox sind deaktiviert und lassen sich manuell nicht verändern.

Der Proxy-Server erlaubt den Zugriff nur auf solche Internetseiten, die kindgerechte Inhalte enthalten. Das Unternehmen erweitert die Liste der freigeschalteten Seiten ständig, sodass Online-Lerninhalte die Offline-Programme der CD-ROM ergänzen. Der Einsatz des Kinder-Proxys setzt ein Registrieren bei Asar voraus. Dazu fragt die Firma die Seriennummer der Klixxa-CD ab.

Klixxa-Käufer nutzen den Zugang zum Proxy-Server ein halbes Jahr lang kostenfrei, danach fällt eine Gebühr von halbjährlich 12,95 Euro an. Das Unternehmen bietet auch Eltern, die Klixxa nicht erworben haben, jedoch den Kinder-Proxy nutzen möchten, ein entsprechendes Angebot. Für diese Zielgruppe entfällt natürlich das kostenfreie erste halbe Jahr.

Der Kinder-Proxy stellt eine einfach zu nutzende Weboberfläche bereit, die – in neun Gruppen eingeteilt – das Kind zu den verlinkten Seiten führt. Websites, die vom Kinder-Proxy nicht freigeschaltet sind, ruft er nicht auf.

Die inhaltlichen Kategorien des Kinder-Proxy – Erde & Weltraum, Leute, Spielplätze, Hobby & Freizeit, Schule & Berufe, Sport, Lesen & Hören & Sehen, Spiel & Spaß sowie Wissen & Können – zerfallen wiederum in Unterkategorien, sodass es selbst für Erwachsene interessant sein dürfte, hier einmal einen Streifzug durch das Internet zu unternehmen. Für Kinder erschließen sich dabei hervorragende neue Lern- und Wissensquellen.

Für Anwender, die über keinen DSL- oder ISDN-Anschluss verfügen – und das sind selbst in Deutschland noch viele Bewohner ländlicher Regionen – und die kein serielles oder von Linux unterstütztes USB-Modem betreiben, kommt es zu Problemen beim Nutzen der Internetdienste: Bei den gängigen, in Desktops verbauten internen Modems ebenso wie beim überwiegenden Teil der in Notebooks vorhandenen Analogmodems handelt es sich um sogenannte Winmodems, die teilweise unter Linux nicht funktionieren.

In einem solchen Fall bleibt dem Anwender nur der Kauf eines externen, vollwertigen Modems oder eines PC-Card-Modems für das Notebook. Zwar erkennt die Klixxa-Basis Knoppix eine ganze Reihe von Winmodems; die Module dazu müssen Sie jedoch aus dem Internet zusammensuchen und meist selbst von Hand kompilieren und einbinden – eine Arbeit, die viele Anwender überfordert.

Daher sind die von Knoppix angebotenen Optionen beim Einrichten der Hardware von Winmodems im Elternmenü von Klixxa völlig unsinnig. Wieviel besser es inzwischen geht, zeigen die verschiedenen Ubuntu-Derivate in der Version 6.06, die teilweise Winmodems selbsttätig einbinden.

Fazit

Klixxa bietet einen interessanten Ansatz für eine bislang weitgehend vernachlässigte Zielgruppe. Der einfache Aufbau der Software mit speziell angepassten Menüs und die Beschränkung auf Lernspiele sowie größtenteils altersadäquate Software sprechen für die Dsitribution.

Der Kinder-Proxy bietet zudem eine sehr gute Möglichkeit, weitere Lern- und Wissensquellen zu erschließen. Das Konzept der Live-CD macht die Kinder-Software außerdem auf so gut wie jedem Rechner sofort einsatzfähig, ohne dass der Anwender Angst um den Verlust seiner dort gespeicherten Daten haben muss.

Einige Ungereimtheiten trüben aber das pädagogisch-didaktisch stimmige Konzept: die teils unvollständigen Übersetzungen und fehlende Applikationen für ältere Kinder im sprachlichen und musisch-künstlerischen Bereich. Wenig erfreulich fallen auch die durch Knoppix als Klixxa-Basis bedingten Probleme mit der Hardware auf: Der Einsatz eines Winmodems entpuppt sich für den durchschnittlichen Anwender als eine nahezu unüberwindliche Hürde.

Enttäuschend zeigen sich die ebenfalls durch Knoppix hervorgerufenen Probleme beim Abspeichern von Einstellungen und Dateien auf Wechselmedien. Diese Funktion darf mit viel Wohlwollen das Etikett "experimentell" tragen. Zudem sollten die Klixxa-Entwickler dringend den Software-Dschungel, den Knoppix mit sich herumschleppt, sorgfältiger lichten: In einer Kindersoftware haben Konfigurationsdateien von Snifferprogrammen wie Ettercap einfach nichts zu suchen.

Produktinformation

Name: Klixxa

ISBN: 3-00-017347-1

Preis: 19,95

Hersteller: Asar GmbH

URL: http://www.klixxa.de

Infos

[1] Klixxa-Homepage: http://www.klixxa.de

[2] Kinder-Proxy: http://www.kinder-proxy.de

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