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KDE-News

01.09.2006

KDE Four Core Treffen weist neue Wege

Insgesamt sieben Tage des Diskutierens und Programmierens verbrachten die Mitglieder der KDE-Four-Core-Treffens Anfang Juli im norwegischen Trysil. Dass die Sonne dort nie richtig unterging, war für einige Entwickler zuerst ein wenig verwirrend, doch nach wenigen Tagen hatten sich alle daran gewöhnt. Die technische Arbeitsgruppe des KDE e.V. hatte die Teilnehmer ausgewählt, die alle beim Portieren auf Qt 4 an den KDE-Kernkomponenten besondere Arbeit geleistet haben.

In Trysil erfuhren die KDE-Kernbibliotheken eine umfangreiche Frischzellenkur: Alten Code – teilweise noch Relikte aus den Zeiten von KDE 1 – schickten die Entwickler entgültig in den Ruhestand. In einigen Fällen rückte bestehende Qt-Funktionalität an dessen Stelle, anderenorts kam gänzlich neuentwickelter Code zum Einsatz. Die Teilnehmer beseitigten zudem die letzten großen Probleme im Zusammenhang mit der Migration von DCOP auf D-Bus und portierten zahlreiche Applikationen.

Oberflächen für KDE-4-Anwendungen sollen künftig komplett grafisch im Qt-Designer entstehen. Bislang machte das komplexe XMLGUI-Framework in KDE 4 dies unmöglich. Dessen Flexibilität, vor allem im Zusammenhang mit KParts, erkaufte das Projekt durch sehr umständliche XML-Beschreibungsdateien, die sich nur von Hand erstellen ließen. Der Nachfolger LiveUi garantiert diese Flexibilität auch bei der Arbeit mit dem Designer. Dies erleichtert das Entwickeln von KDE-Anwendungen.

Kevin Ottens versah nicht nur die Hardware-Integrationsprojekt Solid mit neuen Funktionen, sondern spaltete quasi nebenbei den grafischen Teil des I/O-System KIO ab, sodass beispielsweise Komponenten von Solid und Akonadi nun auch ohne grafische Ausgabe bei Netzwerkaktionen transparent auf KIO zurückgreifen.

Die Teilnehmer zeigten sich in ihren Blogs über den Ausgang des Treffens sehr zufrieden. Nächster Treffpunkt ist die KDE Contributors Conference "Akademy", die Ende September im irischen Dublin stattfindet.

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Ausgelassene Stimmung vor der Blockhütte: Mit einem Treffen in Norwegen stellten die Entwickler die Weichen für die Kernkomponenten von KDE 4.

Neue Skype-Beta unterstützt Alsa

Das luxemburgische Unternehmen Skype Technologies, das seit 2005 zu eBay gehört, hat einen aktualisierten Linux-Client für das firmeneigene VoIP-Protokoll als Betaversion freigegeben. Dieser hievt die Versionsnummer jedoch nicht wie bei Windows auf 2.0, sondern bringt lediglich Verbesserungen der aktuellen 1.2. Folgerichtig trägt die aktuelle Beta die Nummer 1.3.

Neben einem Assistenten, der Benutzern beim ersten Start hilft, fällt auch eine technische Neuheit ins Auge: Die Software unterstützt nun das Soundsystem Alsa. Zu den weiteren Features zählen animierten Emoticons und eine einfachere Kontaktverwaltung. Daneben behoben die Entwickler gut 40 Programmfehler und optimierten das Standardverhalten des Programms. Die komplette Liste der Änderungen hält Skype unter http://www.skype.com/download/skype/linux/changelog.html bereit.

Trolltech bringt Vorschau auf Qt 4.2

Mit der Freigabe der Technology Preview 1 von Qt durch die norwegische Firma Trolltech rückt die Version 4.2 des Toolkits in greifbare Nähe. Diese erfüllt dann laut Unternehmen alle Voraussetzungen als Grundlage für eine erste Version von KDE 4. Neben zahlreichen Anpassungen, die auch dem KDE-Projekt zu Gute kommen, unterstützt Qt 4.2 TP 1 auch das D-Bus-Protokoll von Freedesktop.org, das in KDE 4 das bisher verwendete DCOP ablöst. Das Graphicsview-Framework hilft beim Visualisieren einer großen Anzahl von zweidimensionalen Objekten, wovon vor allem wissenschaftliche Programm und Spiele profitieren.

Auch Gnome-Benutzern bietet Qt 4.2 TP 1 Vorteile: Mit einer eigenen Implementation des Gtk+-Styles Clearlooks sehen Qt-Anwendungen ihren nativen Pendants erstaunlich ähnlich. Zudem verbesserten die Entwickler die Druckinfrastruktur: Der Druckdialog erlaubt es nun dem Anwender, alle von CUPS exportierten Einstellungen eines Druckers beeinflussen.

Die endgültige Version von Qt 4.2 gibt Trolltech voraussichtlich erst in einigen Monaten frei. Zuvor stehen noch einige Beta-Versionen und möglicherweise auch weitere Technologievorschau an.

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Das neue Graphicsview-Framework versteht sich bestens auf das Darstellen und gleichzeitige Manipulieren sehr viele 2D-Objekte.

DSL-Anschluss im Blick

Das Kommander-Skript DSLKonnector steuert PPPOE-Verbindungen und zeigt den aktuellen Verbindungsstatus an – ein nützliches Tool vor für allem Kubuntu- und Debian-Benutzer, deren Repository kein grafisches Frontend für diesen Zweck enthält. Einziger Wermutstropfen: Die DSL-Konfiguration selbst erfolgt weiterhin über PPPOEConf. Der DSLKonnector liegt auf http://kde-apps.org als Debian-Paket zum Download bereit.

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Mit dem DSLKonnector kontrollieren Sie PPPOE-Verbindungen unter Kubuntu grafisch.

Webkit auf Qt 4 portiert

Als Apple vor einigen Jahren ankündigte, dass der hauseigene Browser Safari künftig auf die KDE-KHTML-Engine aufbaut, spalteten die hochkochenden Emotionen die Entwickler wie selten: Die einen feierten die Wahl als Bestätigung für die Qualität der Engine und begrüßten die Qualitätsverbesserung durch die vielen zurücklaufenden Patches. Die anderen ärgerten sich gerade über die Qualität der Patches: Diese waren unkommentiert und machten die Hoffnung auf eine gemeinsame Engine fast aussichtslos. Apple pflegte seine KHTML-Version unter dem Namen Webcore innerhalb des Webkit-Projektes; diesem schloss sich auch Nokia an, genauso wie viele unabhängige Entwickler.

Nun haben die KHTML-Entwickler Dirk Mueller, Zack Rusin, Simon Hausmann und George Staikos ihrerseits einen Schritt in Richtung eines gemeinsamen Projekts gewagt: Unter dem Codenamen Unity (Einheit) versuchen sie, KHTML auf Qt 4 zu portieren. Mit Erfolg, wie sich zeigte – eine im wesentlichen funktionsfähige, Qt-4-basierte Version liegt nun im Quellcodebaum von KDE vor.

Zwar haben die Entwickler nach eigenen Angaben keine Absichten, die eigene KHTML-Version zugunsten von Unity aufzugeben. Sollten Apple und das OpenDarwin-Projekt die Patches jedoch wohlwollend aufnehmen, so stünde einer Zusammenarbeit vermutlich nichts mehr im Wege.

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Unity rendert die Seite von Google, einzig die Schaltflächen sind noch nicht im Qt-Look gehalten.

KDE-Radio informiert über KDE 4

Der neue Podcast KDE://radio trägt Neuigkeiten aus dem KDE-Umfeld zusammen. Die ersten Beträge entstanden anlässlich des Entwicklertreffens KDE Four Core im norwegischen Trysil. Podcast-Moderator Aaron Seigo nutzte die Gelegenheit, eine ganze Reihe unterschiedlicher Entwickler um einen Beitrag zu bitten.

So gaben die Autoren des neuen Multimedia-API Phonon, aber auch die Programmierer hinter der PIM-Architektur Akonadi und dem Hardware-Integrationsprojekt Solid Einblick ihre Pläne. Seigo sprach auch mit Usability-Expertin Celeste Paul. Bei diesem Interview standen vor allem die neuen Human-Interface-Guidelines für KDE 4 im Fokus.

Sind Sie neugierig auf KDE 4 und fühlen sich der englischen Sprache einigermaßen mächtig, laden Sie die Beiträge entweder einzeln von der Webseite im MP3- oder Ogg-Vorbis-Format herunter, oder abonnieren gleich den Podcast. Für KDE-Benutzer haben sich die Macher ein kleines Gimmik ausgedacht: die URL http://kde://radio führt direkt auf die Webseite des Podcasts auf http://radio.kde.org

Rating in Amarok

In der aktuellen Version 1.4 "Fast Forward" unterstützt der beliebte Audio-Player Amarok zwei Wege, um die Beliebtheit eines Songs festzulegen: Zum einen vergibt die Software selber seit einigen Versionen automatisch ein sogenanntes Scoring. Dies hängt davon ab, wie oft Sie den Titel gespielt und ob Sie ihn vorzeitig unterbrochen haben. Seit Release 1.4 erlaubt das Programm zum anderen dem Benutzer selbst, Punkte zu vergeben.

Ein Ruby-Skript namens Score2Rating erleichtert diese Arbeit, in dem es die automatische Punktezahl als Initialwert für das Rating übernimmt. Um Score2Rating zu installieren, rufen Sie einfach aus der Skript-Verwaltung den Punkt Weitere Scripte holen auf und laden das kleine Helferlein direkt vom KDE-Server herunter.

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Wer sich beim Bewerten von Songs schwertut, dem hilft Score2Rating auf die Sprünge.

Kurz notiert

Im Rahmen des KDE-Four-Core-Treffens bleiben die PIM-Entwickler blieben nicht untätig: Sie trieben den PIM-Speicherdienst mit dem Codenamen Akonadi (http://pim.kde.org/akonadi/) nach Kräften weiter. Akonadi speichert nicht nur Daten wie Mails, Adressen oder Kontakte, sondern erledigt auch Abfragen für alle PIM-Anwendungen. Diese Abstraktion erleichtert das Entwickeln von grafischen Frontends. Entwickler von KMail, KOrganizer und KAddressbook planen, in KDE 4 auf Akonadi aufzubauen.

Wer nach einem Editor mit Debugging-Funktionen sucht, dem empfiehlt sich ein Blick auf den Protoeditor: Das Programm verwendet Kate-Part und unterstützt derzeit die Skriptsprachen PHP und Perl. Beim Debugging macht die Software von DBGp Gebrauch, wenn es um Perl geht; für PHP hat der Entwickler die Wahl zwischen DGB, Xdebug und Gubed. Damit unterstützt der Protoeditor neben grundlegenden Debugging-Fähigkeiten wie Stepping, Breakpoints, Backtraces oder dem Überwachen von Variablen auch spezifische Fähigkeiten der einzelnen Debugger.

KWin-Betreuer Lubos Lunak begann im Rahmen des KDE-Four-Core-Treffens damit, den KDE-Fenstermanager mit Compositing-Fähigkeiten auszustatten. Statt wie bislang auf einen externen Composition-Manager für Desktop-Effekte wie Fensterschatten zu setzen, integrierte er diese Funktionen in den Fenstermanager. Einmal fertiggestellt, ebnet KWin den Weg für den Einsatz von OpenGL beim Compositing.

Das KOffice-Team hat die zweite fehlerbereinigte Version von KOffice 1.5 (http://www.koffice.org) freigegeben. Neben einigen Fehlern, die zu Abstürzen führten, behoben die Entwickler vor allem Probleme im Grafikprogramm Krita auf der PowerPC-Plattform. Das Vektorgrafikprogramm Karbon hat in Sachen Shapes hinzugelernt. Zudem kommt KOffice 1.5.2 erstmalig mit einem Sprachpaket für traditionelles Chinesisch.

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