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Ankunft des Erpels

Ubuntu Dapper Drake

Ressourcenhunger

Wer über weniger als 192 MByte Arbeitsspeicher verfügt oder den alten textbasierten Installer aus anderen Gründen bevorzugt, dem steht die so genannte Alternate CD zur Verfügung. Dort führt wie bei älteren Ubuntu-Versionen eine Abfolge von Auswahldialogen durch die Systemeinrichtung, die deutlich mehr Interaktion erlauben. Der Benutzer kann damit ein so genanntes OEM-System einrichten, also eine vollständige Installation – allerdings noch ohne Benutzer-Accounts: Diese legt man beim ersten Start an. Die Methode eignet sich beispielsweise für Händler, die PCs mit vorinstalliertem Linux ausliefern möchten.

Daneben erlaubt die Alternate CD, auch die Grub-Einrichtung zu verhindern oder nur in der Partition der Ubuntu-Installation vorzunehmen. Wer die DVD besitzt, aktiviert beim Booten den Punkt Install in text mode, um in die Textinstallation zu gelangen. Darüber hinaus steht die Installationsvariante Install a server zur Wahl, die gar keine grafische Oberfläche auf die Festplatte bringt. Wer nur diese Variante benötigt, findet zu diesem Zweck auch die weniger als 400 MByte große Server-Installations-CD.

Insgesamt empfiehlt sich die Textinstallation dank der höheren Geschwindigkeit und den zahlreicheren Möglichkeiten zum Feintuning. Vor der Installation eine vollständige Desktop-Umgebung zu starten, kostet Zeit und lohnt sich nur für Nutzer, die sich erst ein Bild vom System machen und das Zusammenspiel mit ihrer Hardware prüfen möchten.

Alle Installationsmedien stehen für 32- und 64-Bit-PCs sowie für Macs mit PowerPC-Prozessoren bereits. Die Server-Variante gibt es zusätzlich für die Platform Ultrasparc T1 – Codename "Niagara" – von Sun. Letztere genießt allerdings keinen offiziellen Support, stattdessen aber die Unterstützung des Herstellers. Die offizielle Kooperation zwischen Ubuntu und Sun wird wohl dafür sorgen, dass künftige Ausgaben der Distribution auf dieser Plattform ebenfalls reibungslos funktioniert.

Wenig Neues

Wer ältere Ubuntu-Versionen bereits kennt, muss die Unterschiede suchen. Das neue Artwork sorgt mit orangen Elemente für etwas mehr Farbe, die neue Gnome-Version für etwas mehr Benutzerfreundlichkeit. Doch in der Systemverwaltung hat sich wenig verändert.

Mit spannenden Desktop-Neuerungen warten nur die Bereichen universe und multiverse auf, für die Ubuntu keine Support- und Stabilitätsgarantien liefert und die der Anwender vor der Benutzung im Paketmanager aktivieren muss. Dann erhält er beispielsweise Zugriff auf den Network Manager, der nach verfügbaren Netzwerken per Funk und Kabel sucht. Über Applets sucht sich der Anwender dann sowohl unter Gnome als auch unter KDE beispielsweise sein bevorzugtes WLAN per Mausklick aus; eine große Erleichterung für Laptop-Nutzer in wechselnden Umgebungen.

Auch den 3D-Desktop Xgl [2] finden Ubuntu-Nutzer im universe-Bereich. Darin greift eine Variante des herkömmlichen X-Server im Zusammenspiel mit der Desktop-Umgebung direkt auf die 3D-Fähigkeiten der Grafikkarte zu, um mit Effekten sowohl die Benutzerfreundlichkeit als auch den optischen Reiz zu erhöhen. Die damit realisierten Features wie transparente und animierte Fenster und Menüs oder dreidimensional dargestelltes Umschalten zwischen den Fenstern und Arbeitsflächen erreicht man aber lediglich durch manuelle Nachinstallation der Xgl-Pakete. Der 3D-Desktop funktioniert noch nicht mit jeder Hardware, weshalb die Aufnahme in die Standardinstallation auch verfrüht wäre.

Wer sich vor proprietärer Software nicht scheut, findet sie zwar nicht auf der Installations-CD, aber in den Repositories restricted und multiverse. Nur den ersteren Bereich unterstützt Ubuntu offiziell, sie befinden sich auch auf der Installations-DVD. Darin befinden sich beispielsweise die Grafikkartentreiber von Nvidia und ATI oder patentrechtlich umstrittene Codecs zum Abspielen von MP3-Dateien und verschiedenen Videoformaten.

Besonders Java-Benutzer und -Programmierer freuen sich über eine weitere Frucht, die die bereits erwähnte Kooperation zwischen Ubuntu und Sun beschert hat: Wer die Java-Laufzeit- oder Entwicklungsumgebung benötigt, braucht unter Ubuntu nurmehr das multiverse-Repository einzubinden und die Pakete sun-java5-jre beziehungsweise sun-java5-jdk zu installieren. Auf dieselbe Weise integriert Ubuntu den Vmware-Player [3] in die Paketverwaltung.

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LinuxUser 06/2012

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