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Gimp und Inkscape mit Zeichentablett

Linien mit Profil

Inkscape ist mit der Bezierkurven-Funktion eigentlich gut gerüstet, um mit den Unzulänglichkeiten der Maus dennoch professionell zu zeichnen (vgl. LinuxUser-Artikel über Inkscape [1]). Allerdings beinhaltet das Programm auch ein Werkzeug, das sich nur mit einem Grafiktablett richtig nutzen lässt: Kalligrafische Linien Zeichnen verhält sich wie eine Tuschfeder. Je nach Winkel der Linie fällt diese breiter oder weniger breit aus (Abbildung 3). Es eignet sich daher besonders für Schriften. Klassische Frakturschrift gelingt originalgetreu. Selbst japanische oder chinesische Schriftzeichen mit ihren charakteristischen sich verjüngenden Linien sind möglich, obwohl Inkscape den Druck auf den Zeichenstift nicht umsetzt: Neben dem Winkel beeinflusst die Geschwindigkeit, mit der Sie den Stift über die Unterlage bewegen, die Linienstärke. Insbesondere dieses Feature lässt sich mit einer Maus kaum angemessen bedienen. Selbst mit dem kleineren der beiden Tabletts ließ sich hingegen das Werkzeug Kalligrafische Linien Zeichnen sehr gut nutzen.

Natürlich gehen auch Skizzen mit dem Werkzeug Freihandlinien zeichnen mit Hilfe des Tabletts wesentlich besser von der Hand. Das "feeling" ist ähnlich wie beim Zeichnen mit Kugelschreiber: Nicht jeder schafft es, glatte Linie zustande zu bringen. Falls Sie jedoch gut zeichnen können, gelingen Ihnen Freihandzeichnungen mit dem elektronischen Stift auch in Inkscape.

Abbildung 3: Schreiben wie mit einer Tuschfeder, Kontrolle über das Profil der gezeichneten Linien und Skizzen im Freihandmodus: Ein Zeichentablett eröffnet auch in Inkscape neue Möglichkeiten.

Fazit

Wer sich von der Installation nicht abschrecken lässt, der gewinnt mit einem Zeichentablett in Gimp eine neue Dimension des Arbeitens: Alle Werkzeuge lassen sich wesentlich feinfühliger bedienen. Die Drucksensitivität des Stifts ermöglicht glatte Übergänge, die mit der Maus in gleicher Qualität kaum erreichbar sind. Das Gefühl, einen Stift zu halten, erleichtert und beschleunigt das Arbeiten.

Wer unter Inkscape mit dem Werkzeug Kalligraphische Linien zeichnen arbeiten möchte, kommt an der Anschaffung eines Zeichentabletts eigentlich nicht vorbei: Die Computermaus arbeitet für dies Werkzeug zu ungenau.

Die Hardware einrichten

Auf keiner der getesteten Distributionen liefen die beiden Tabletts out of the box mit Unterstützung der Druckempfindlichkeit. Dies funktionierte erst, nachdem die im Kernel mitgelieferten Module durch alternative Versionen aus dem Linux-Wacom-Projekt ersetzt wurden.

Entpacken Sie linuxwacom-0.7.0-1.tar.bz2 (von der Heft-CD oder online unter [2]) und öffnen Sie eine Konsole für das entpackte Verzeichnis. Entfernen Sie das Tablett zunächst vom Rechner. Zum Kompilieren sollten die Kernelquellen, Gcc, Ncurses-devel sowie die Entwicklerpakete für den X-Server installiert sein. Wir verwendeten stets den Standard-Kernel der Distribution. Bei Fedora Core ist die USB-Unterstützung fest in den Kernel einkompiliert, so dass die benötigten Treiber nicht als Module übersetzt werden können – Fedora-Anwender kommen nicht daran vorbei, den kompletten Kernel neu zu bauen (Siehe Kasten "Wacom-Modul unter Fedora Core").

Bei den getesteten Systemen lieferte

./configure --enable-wacom ↩
--enable-hid
make
su
make install

fehlerfrei die benötigten Kernelkomponenten und die Diagnosetools. Ersetzen Sie die alten, noch geladenen Module durch die eben übersetzten:

rmmod wacom
rmmod usbhid
modprobe usbhid
modprobe wacom

Wenn Sie die Module ohne Fehlermeldung laden können, ist es Zeit, zu testen, ob sich das Tablett korrekt einbinden lässt. Schließen Sie dazu das Tablett an. Wechseln Sie auf der Konsole als Root in das Verzeichnis /dev/input und zeigen Sie mit ls dessen Inhalt an. Bei dem event-Device mit der höchsten Nummer handelt es sich gewöhnlich um das Zeichentablett. Starten die das Diagnoseprogramm wacdump ./eventX (X bitte durch die entsprechende Devicenummer ersetzen). Wenn Sie eine Anzeige wie in Abbildung 4 sehen (achten Sie auf die PRESSURE-Spalte), wurde Ihr Tablett auf Kernel-Ebene korrekt eingebunden.

Abbildung 4: Das Programm wacdump liest den Datenstrom Ihres Tabletts und wandelt ihn in eine lesbare Anzeige um. Das Gerät funktioniert, wenn der "PRESSURE"-Wert den den Stiftdruck wiedergibt.

Falls Sie keine Anzeige für den Stiftdruck erhalten, probieren Sie die anderen event-Geräte aus. Führt auch dies nicht zum Erfolg, dann sollten Sie sich im ausführlichen (englischen) Howto des Linux Wacom Project [3] Hilfe holen. Wenn das neue Eingabegerät richtig eingebunden ist, müssen Sie den X-Server noch anweisen, dessen Daten auszuwerten. Öffnen Sie als Root die Datei /etc/X11/xorg.conf und suchen Sie den letzten Block, der mit Section "InputDevice" beginnt. Fügen Sie folgenden Text hinter EndSection in diesem Block ein:

Section "InputDevice"
Driver         "wacom"
 Identifier    "stylus"
 Option        "Device" ↩
 "/dev/input/eventX"
 Option        "Type"  ↩
 "stylus"
 Option "USB"  "on"
EndSection
Section "InputDevice"
 Driver        "wacom"
 Identifier    "eraser"
 Option        "Device" ↩
 "/dev/input/eventX"
 Option   "Type"   "eraser"
 Option   "USB"    "on"
EndSection
Section "InputDevice"
 Driver        "wacom"
 Identifier    "cursor"
 Option        "Device" ↩
 "/dev/input/eventX"
 Option   "Type"   "cursor"
 Option   "USB"    "on"
EndSection
# nur für Intuos3 o. Cintiq 21UX
 Section "InputDevice"
 Driver        "wacom"
 Identifier    "pad"
 Option        "Device" ↩
 "/dev/input/eventX"
 Option   "Type"   "pad"
 Option   "USB"    "on"
EndSection

Den letzte Abschnitt ab # nur für Intuos3 o. Cintiq 21UX sollten Sie entfernen, wenn Sie nicht eines der beiden genannten Tabletts besitzen. Das X im Device-Eintrag müssen Sie noch durch die Nummer desjenigen event-Geräts ersetzen, das Ihnen im vorigen Schritt die Anzeige des Stiftdrucks geliefert hat.

Suchen Sie nun die Sektion "ServerLayout" und fügen Sie die Zeilen

InputDevice    "cursor" ↩
"SendCoreEvents"
InputDevice    "stylus" ↩
"SendCoreEvents"
InputDevice    "eraser" ↩
"SendCoreEvents"
# Nur für Intuos3 oder Cintiq 21UX
InputDevice    "pad"

hinter den bereits existierenden InputDevice-Einträgen ein. Die letzte Zeile benötigen nur Besitzer des Intuos3 oder des Cintiq 21UX. Bei keiner der getesteten Distributionen funktionierte der distributionseigene Wacom-Treiber. Überschreiben Sie daher die Datei /usr/X11R6/lib/modules/input/wacom_drv.o mit der Datei wacom_drv.o_xorg (oder wacom_drv.o_4.5/4.4 etc., falls Sie einen älteren X-Server mit der entsprechenden Releasenummer verwenden) aus dem prebuilt-Verzeichnis des Linux-Wacom-Paketes. Zuvor sollten Sie ein Backup der ursprünglichen Datei erstellen. Starten Sie dann Ihren X-Server neu.

Der Aufruf von xidump -l als normaler Benutzer sollte nun unter anderem cursor, stylus und eraser auflisten. Der X-Server hat das Tablett dann erkannt und den zugehörigen Treiber geladen. Ob es auch korrekt funktioniert, testen Sie mit xidump stylus. Die Anzeige des xidump-Programms sollte nun den Datenstrom von Ihrem Tablett wiedergeben. Ein Balken aus *-Symbolen zeigt dabei den Stiftdruck an (Abbildung 5).

Abbildung 5: Das Diagnoseprogramm "xidump" zeigt, ob der X-Server die Daten des Zeichentabletts korrekt empfängt.

Wacom-Modul unter Fedora Core

Da Fedora Core die USB-Unterstützung in den Kernel fest einkompiliert und nicht als Modul einbindet, müssen Sie den gesamte Kernel neu bauen, um die aktualisierten Wacom-Module aus dem Linux-Wacom-Projekt nutzen zu können. Zuvor müssen Sie die einige Dateien aus den Kernelquellen mit den veränderten C-Dateien aus dem Linux Wacom Projekt überschreiben. Vorher sollten Sie ein Backup der unveränderten Kernelquellen anlegen. Unter /usr/src muss außerdem ein Link linux auf das Verzeichnis der Kernelquellen zeigen.

Führen Sie nach dem Auspacken von linuxwacom-0.7.0-1.tar.bz2 (Heft-CD oder [2]) aus dem Verzeichnis linuxwacom-0.7.1 heraus folgende Befehle aus:

cd src/2.6.XX [XX = Ihre Kernelversion]
cp evdev.c mousedev.c /usr/src/linux/drivers/input/
cp hid-core.c wacom.c /usr/src/linux/drivers/usb/input/

Kompilieren Sie dann den Kernel mit make all modules_install install. Nach einem Reboot fahren Sie wie für die anderen Distributionen beschrieben mit der Einrichtung Ihres Eingabegeräts fort. Eine ausführliche Anleitung für Fedora 3 finden Sie unter [4].

Infos

[1] Elektronische Zeichenfeder, LinuxUser 5/2005

[2] Das Linux Wacom Projekt: http://linuxwacom.sourceforge.net/index.php/dl

[3] Das auführliche englische Howto des Linux Wacom Projekts: http://linuxwacom.sourceforge.net/index.php/howto/main

[4] Wacom-Tabletts unter Fedora 3: http://linuxwacom.sourceforge.net/index.php/howto/debwacom

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