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ACPI-Unterstützung auf Centrino-Laptops

Des Pudels Kern

Ein Sprichwort in der Linux-Szene besagt, dass früher oder später der Punkt kommt, an dem jeder ambitionierte Linux-Anwender einen eigenen Kernel übersetzen muss. Kasten 1 zeigt die wesentlichen Punkte, die hierbei zu berücksichtigen sind.

Kasten 1: Kernel-Kompilierung ohne Risiken@KL:Sind die Kernel-Quellen und die Entwicklerwerkzeuge installiert, sollten Sie zunächst als Testlauf einen Kernel mit den Eigenschaften des Distributions-Kernels erzeugen, um eine solide Basis zu schaffen. Arbeiten Sie mit mehreren Kernel-Versionen, setzen Sie als

root

einen symbolischen Link im Verzeichnis

/usr/src

namens

linux

auf die aktuellste Version:

ln -s /usr/src/linux-2.6.8-1.521 /usr/src/linux

Wechseln Sie dann als root mit cd /usr/src/linux in das aktuelle Kernel-Quellverzeichnis. Zur Beseitigung von "Altlasten" aus etwaigen vorangegangenen Compiler-Läufen reinigen Sie zur Sicherheit das Verzeichnis mit

make mrproper

Mutige Naturen können an dieser Stelle auch schon Kernel-Patches einspielen, wie z. B. den im Text beschriebenen ACPI-Patch. Die Konfiguration des Original-Kernels übernehmen Sie mit

make oldconfig

(Für Suse-Anwender: Hier lautet das Kommando make cloneconfig). Als einzige Änderung sollten Sie beim ersten Kompilierversuch den Prozessortyp in der Kernel-Konfiguration an das eigene System anpassen. Dazu rufen Sie das Kernel-Konfigurationswerkzeug mit

make xconfig

auf und setzen den Prozessortyp unter Processor Type and features | Processor family auf Pentium M. Danach übersetzen und installieren Sie den Kernel mit dem klassischen Kernel-Dreisatz

make
make modules_install
make install

Jetzt können Sie den neuen Kernel testweise booten. Vermeiden Sie dabei den grafischen Runlevel 5, da bei Verwendung von proprietären Treibern, wie z. B. dem 3D-beschleunigten NVidia-Treiber, diese Treiber nach dem Booten meist neu installiert werden müssen. Den Standard-Runlevel setzen Sie daher vor dem Booten in der Datei /etc/inittab auf 3:

# Auszug aus /etc/inittab
id:3:initdefault:

Das System sollte nun problemlos booten. Haben Sie vorher mit einer älteren Kernel-Version gearbeitet, erscheint diese weiterhin im Auswahlmenü des Boot-Managers grub; ein selbst erstellter Kernel erhält bei Fedora Linux die Endung custom.

Loggen Sie sich nach Abschluss des Boot-Vorgangs als normaler Anwender auf einer Konsole ein und testen Sie mit startx, ob die grafische Oberfläche gestartet werden kann. Damit haben Sie eine geeignete Basis für die weiteren, im Text beschriebenen Kernel-Anpassungen. Alle folgenden Änderungen nehmen Sie wieder über make xconfig vor, die Kernel-Übersetzung läuft ebenfalls wie oben beschrieben ab; der Aufruf make mrproper kann entfallen.

Nach dem ersten Kernel-Test rücken Sie systematisch der fehlerhaften ACPI-Implementation zu Leibe, dazu sind die folgenden Schritte nötig: *

DSDT aus dem BIOS extrahieren * DSDT mit Intels IASL-Compiler disassemblieren * Tabelle neu kompilieren und Fehler suchen * Fehler korrigieren und dem Kernel die geänderte Tabelle beim Booten übergeben

Intels IASL-Compiler finden Sie unter [6]. Dort folgen Sie dem Link ACPI CA - Unix Build Environment und installieren nach das Quellpaket nach dem Download wie folgt:

$ tar xzf acpica-unix-version
.tar.gz
$ cd acpica-unix-version
/compiler
$ make

Werden Sie mit su zum Administrator und kopieren Sie die DSDT in das Verzeichnis des Compilers:

# cp /proc/acpi/dsdt .

Anschließend disassemblieren Sie die DSDT mit dem Intel-Tool:

# ./iasl -d dsdt

Das Ergebnis finden Sie in der Datei dsdt.dsl. Diese kompilieren Sie nun, wodurch sich die Fehler offenbaren:

# ./iasl -tc dsdt.dsl
…
dsdt.dsl   312:     Method (_WAK, 1, NotSerialized)
Warning  2026 -     ^ Reserved method must return a value (_WAK)
dsdt.dsl  2575:     Field (ECR, DWordAcc, Lock, Preserve)
Error    1048 -     ^ Host Operation Region requires
ByteAcc access
dsdt.dsl  2621:     Method (_GLK, 1, NotSerialized)
Warning  2024 -     ^ Reserved method has too many
arguments ( _GLK requires 0)
…

Debugging von Hand

Interessant sind die Nummern der Fehler und die Zeilenangaben in Bezug auf die Datei dsdt.dsl. Um die Fehler zu beseitigen, werfen Sie einen Blick ins ACPI-How-to, das im Internet unter [7] zu finden ist. Der Punkt fix broken dsdt table listet eine Vielzahl möglicher Fehler auf und erklärt, wie man sie behebt. Das erledigen Sie direkt mit einem beliebigen Editor in der Datei. Nach jeder Änderung sollten Sie den Compiler erneut starten und nachsehen, ob der Fehler bzw. die Warnung verschwunden ist. Idealziel ist ein Compiler-Durchlauf ohne Fehler und Warnungen. Wem dieser Vorgang des Patchens zu kompliziert und risikoreich erscheint, der kann unter [8] eine korrigierte DSDT-Tabelle für seinen speziellen Laptop suchen. Jedoch sei auch hier gewarnt: Bereits eine abweichende Hauptspeichergröße im Vergleich zum Ausgangssystem, für das die Tabelle erstellt wurde, kann zu Problemen führen.

Die neu erzeugte fehlerfreie DSDT mit dem Namen dsdt.hex muss nun dem Kernel beim Booten übergeben werden. Zu diesem Zweck patchen Sie die Kernel-Quellen. Wer aktuelle ACPI-Funktionen in seinem Kernel haben möchte, kann zusätzlich von [8] einen Patch herunterladen und installieren, dies ist jedoch für die elementaren Funktionen nicht notwendig. Achten Sie beim Download darauf, dass der Patch zu Ihrer Kernel-Version passt. Den Patch kopieren Sie als root in das Verzeichnis /usr/src/linux und spielen ihn mit den folgenden Befehlen ein:

cp acpi-patch-version.diff.bz2 /usr/src/linux
cd /usr/src/linux
bunzip2 -c acpi-patch-version.diff.bz2 | patch -p1

Eventuelle Nachfragen, ob der Patch tatsächlich angewendet werden soll, bestätigen Sie. Die geänderte DSDT kopieren Sie dann in das Kernel-Quellverzeichnis /usr/src/linux/drivers/acpi:

cp dsdt.hex /usr/src/linux/drivers/acpi/acpi_dsdt.h

Damit der Kernel die Datei beim Booten einliest, passen Sie noch die Datei osl.c wie in Kasten 2 gezeigt an. Wollen Sie die Befehle aus dem Kasten nicht von Hand eingeben, finden Sie sie auch in der Anleitung auf [9].

Nun prüfen Sie die ACPI-Konfiguration des Kernels noch einmal mit make xconfig; Abbildung 3 zeigt die relevanten Einstellungen. Schließlich übersetzen und installieren Sie den Kernel, wie in Kasten 1 beschrieben.

Kasten 2: Anpassungen in osl.c

// Auszug aus /usr/src/linux/drivers/acpi/osl.c
// Ergaenze include:
#include "acpi_dsdt.h"
…
acpi_status
acpi_os_table_override (struct acpi_table_header *existing_table,
                        struct acpi_table_header  new_table)
{
        if (!existing_table || !new_table)
                return AE_BAD_PARAMETER;
// *new_table = NULL; wurde ersetzt durch:
        *new_table=(strncmp(existing_table->signature, DSDT_SIG, 4)) ? NULL
                             : (struct acpi_table_header *) AmlCode;
        return AE_OK;
}

Abbildung 3: ACPI Parameter des Kernels konfigurieren.

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LinuxUser 06/2012

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