Opera 5.0 unter Linux

Aus LinuxUser 09/2001

Opera 5.0 unter Linux

Browser-Kaskaden

Traurig aber wahr: Linux-Anwender werden noch ein Weilchen auf die Java-Unterstützung in Opera warten müssen. Trotzdem ist der Browser unter Linux eine Alternative. Wir haben uns das Programm in der endgültigen Version 5.0 angesehen.

Abbildung 1: Opera beherrscht den Aufbau mehrerer Fenster in einem großen Rahmen.

Abbildung 1: Opera beherrscht den Aufbau mehrerer Fenster in einem großen Rahmen.

Die Installation des Browsers ist simpel: Für Red Hat 7.1, Mandrake 8.0 und Debian gibt es fertige Pakete. Diese sind wahlweise statisch oder dynamisch gegen die Qt-Bibliothek gelinkt. Einen Bericht mit einer ersten Übersicht über Opera finden Sie im LinuxUser 02/2001, S. 76.

In der Newsgroup opera.linux tauchen immer wieder Postings mit Fragen zu Java-Plugins auf. Hier herrscht Unsicherheit: Die Support-Datenbank führt Java-Unterstützung als eines der Features, die noch nicht implementiert sind (http://www.opera.com/support/supsearch/supsearch.cgi?options=index&name=562). Der Preferences-Dialog enthält eine entsprechende Checkbox, diese lässt sich jedoch nicht anklicken.

Die Nachfrage bei Opera ergab, dass Java-Support im Augenblick ganz oben auf der Liste der gewünschten Features steht und dass die Entwickler daran arbeiten. Wann genau eine Java-fähige Linux-Version des Opera-Browsers auf den Markt kommen soll, lässt sich derzeit nicht sagen. Fest steht aber schon jetzt, dass die Unterstützung in Form von Plugins erfolgen wird. In diesem Zusammenhang arbeiten die Opera-Leute auch am Plugin-Suport für Netscape-Module.

Maßanzug

Ohne technische Raffinessen ist Opera aber nicht: Die Entwickler legten Wert auf ein hohes Maß an Selbstbestimmung für den User. Dieser kann in den Voreinstellungen bespielsweise wählen, ob für eine Seite die dokument-eigenen oder die benutzerspezifischen Stylesheets und Fonts angezeigt werden sollen. Auch die Markierung bereits besuchter Links lässt sich so individuell einstellen.

Auf diese Weise kann der Benutzer den Seiten beispielsweise ein sehr einfaches und schlichtes Aussehen verleihen, obwohl diese im Original zahlreiche grafische Gestaltungselemente verwenden (Abbildungen 2 und 3).

Abbildung 2: Opera lässt den Benutzer wählen zwischen den Einstellungen, die das Dokument mitbringt …

Abbildung 2: Opera lässt den Benutzer wählen zwischen den Einstellungen, die das Dokument mitbringt …

Abbildung 3: … und den User-eigenen Einstellungen

Abbildung 3: … und den User-eigenen Einstellungen

Opera bietet anti-aliased Fonts. Vorausetzung ist, dass die Qt-Bibliothek mit Xft-Unterstützung übersetzt wurde. Danach muss Opera aus den Quellen gegen diese neuerstellte Bibliothek kompiliert werden. Besitzer von Red Hat 7.1 oder Mandrake 8.0 haben es einfacher: Das RPM für ihre Distribution basiert auf einer entsprechenden QT-Version.

Ein weiterer Ratschlag aus der Mailing-Liste: Unter File/Preferences/Network/Browser identification die Einstellung Identify as MSIE 5.0 wählen. Dies soll bei manchen Seiten helfen, die auf den Internet Explorer optimiert sind.

Western-Europe-ISO-8859-1 ist der einzige Zeichensatz, der momentan unterstützt wird. Die Entwickler arbeiten an einer Version mit voller Unicode-Untertützung. Diese ist aber zur Zeit noch nicht verfügbar.

Anwendungen einbinden

Opera bietet die Möglichkeit, andere Anwendungen für die verschiedenen Internet-Dienste wie Mail, FTP oder Telnet einzubinden. Öffnen Sie dazu den Dialog Preferences und wählen Sie in der linken Spalte das Icon mit der Unterschrift Applications. Hier finden Sie mehrere Zeilen, in die Sie Ihre Lieblings-Clients eintragen können (Abbildung 4).

Abbildung 4: Im Dialogfeld "File/preferences/Applications" tragen Sie einfach Ihre Lieblings-Clients für FTP, Telnet oder Mail ein

Abbildung 4: Im Dialogfeld “File/preferences/Applications” tragen Sie einfach Ihre Lieblings-Clients für FTP, Telnet oder Mail ein

Ein kleiner Hinweis: Benutzen Sie ein Programm, dass normalerweise in einem xterm läuft, wie beispielsweise der E-Mail-Client mutt, starten Sie aus Opera ebenfalls eine Terminal-Emulation und darin die Anwendung. Es muss also xterm -e mutt heißen. Eine Anwendung wie kmail fügen Sie ohne Zusätze ein.

Anpassungsfähigkeit

Standardmäßig bietet der Browser zwei verschiedene Layouts für die Icons in der Navigationsleiste an. Eines davon enthält kleine Icons, bringt aber keinen wirklichen Gewinn, so lange das Werbe-Banner in der oberen Leiste aktiviert ist. Das andere zeigt die Icons in der normalen Größe. Dies ist die Default-Einstellung. Laut Opera soll sich die Abfolge der angezeigten Icons in der Reihenfolge modifizieren lassen.

Dies geschieht, in dem Sie als User die Datei /usr/share/opera/buttons/default/button.ini in Ihr Home-Verzeichnis kopieren. Hier bietet sich als Speicherort das versteckte Verzeichnis .opera, in dem Ihre anderen persönlichen Einstellungen für den Browser liegen. Einmal kopiert, öffnen Sie die Datei mit einem Editor und suchen gegen Ende der Datei nach einem Eintrag, der wie in Kasten 1 dargestellt aussieht.

Kasten 1: Auszug aus button.ini

[Main Button Bar]
 Version         = 1                     # Version, this must be <> 0
 #Button number  = show when full; show when simple; id; spacing in front;
 Button 0        = 1;1;10000;3;1         # New
 Button 1        = 1;1;10004;0;0         # Print
 Button 2        = 1;0;10227;3;0         # Find
 Button 3        = 1;1;13010;0;0         # Toggle hotlist
 Button 4        = 1;0;13011;3;3         # Fullscreen
 Button 5        = 1;1;10032;0;2         # Back
 Button 6        = 1;1;10056;0;0         # Reload
 Button 7        = 1;1;10031;3;1         # Forward
 Button 8        = 1;1;10072;0;0         # Home
 Button 9        = 1;0;10052;3;0         # Active bookmark folder
 Button 10       = 1;0;10019;0;2         # Tile
 Button 11       = 1;0;10018;0;0         # Cascade

Durch ein Vertauschen der Reihenfolge in den Zeilen sollen sich die Buttons im Hauptmenü vertauschen lassen. Voraussetzung dafür ist aber, dass Sie im Dialog Preferences/General unter der Option Button Set mittels choose Ihre Datei button.ini auswählen. Im Test in der Redaktion weigerte sich der Browser aber standhaft, von der Standardeinstellung abzuweichen.

Kaskadierende Fenster

Opera tut sich schwer mit kleinen Fenstern, die per JavaScript von einer Web-Seite aktiviert werden. Da diese Werbe-Botschaften in der Regel mit einer festen Fenstergröße aufgerufen werden, schaltet Opera hier von der Full-Screen-Darstellung (der aktuellen Browser-Ansicht innerhalb des Opera-Fensters) in die Mehrfach-Ansicht – Dadurch erscheinen alle geöffneten Web-Seiten in kleineren Fenstern auf einer Art Opera-Desktop (Abbildung 5). Klicken Sie bei einem der Fenster auf den Maximier-Button, um den Spuk zu beenden.

Abbildung 5: Popup-Fenster mit fester Größe stören die Darstellung, da Opera den Fullscreen-Modus verlässt

Abbildung 5: Popup-Fenster mit fester Größe stören die Darstellung, da Opera den Fullscreen-Modus verlässt

Das Verhalten lässt sich über die Preferences auch dauerhaft ändern: Hier gibt es unter General im Bereich Popup Windows die Möglichkeit, neue Fenster, die aus einer geöffneten Seite gestartet werden, im Hintergund oder im gleichen Fenster zu laden.

Das Öffnen im gleichen Fenster ist selten sinnvoll: Bei diesem Vorgang wird die eigentlich interessante Seite durch das Werbe-Popup ersetzt, das auf vielen Seiten erscheint, die sich auf kostenlosem Web Space befinden. Nützlich war dagegen die Variante, das neue Fenster einfach im Hintergrund zu öffnen. Es erscheint nur ein neuer Tab mit dem Titel der gewünschten Seite. Das Fenster selbst wird aber nicht in den Vordergund geholt.

Mehr Informationen

Eine Vielzahl an weiteren Hinweisen finden Sie unter http://www.opera.com/support/service/linux/. Es lohnt sich zudem, einen Blick in die deutschsprachige Mailing-Liste opera.deutsch zu werfen, allerdings werden hier zumeist Probleme besprochen, die unter Windows auftauchen.

Insgesamt mausert sich Opera zu einer Netscape-Alternative. Der Umstieg wird dem Benutzer leicht gemacht: Es gibt die Möglichkeit, die mühsam gesammelten Lesezeichen sowohl aus Netscape wie auch aus KDE und Internet Explorer zu importieren. Unter File/Preferences/General/Hotlist lassen sich entsprechende Checkboxen auswählen. Für den Import von KDE- und Netscape-Bookmarks sind die Pfade vorgegeben; beim Internet Explorer kann der Benutzer wählen. Die Lesezeichen werden in zwei integrierten Fenstern angezeigt, wobei das obere die Folder enthält, im unteren werden die Bookmarks selbst angezeigt.

Abbildung 6: Integration der Lesezeichen in den Desktop

Abbildung 6: Integration der Lesezeichen in den Desktop

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