Zwei Absolventen der Universitäten Harvard und Stanford, Deishin Lee und Haim Mendelson, betrachten Open-Source-Software als Bedrohung für die proprietäre Welt. Ein von ihnen entwickeltes Papier will nun Strategien gegen die für die Geschäftswelt gefährlichen Auswüchse kostenloser Software aufzeigen: “Teile und Herrsche: Mit freier Technologie unter Ausnutzung von Netzwerkeffekten konkurrieren” lautet der Titel.
Es handelt sich dabei nach Aussage der Stanford GSB News eher um einen theoretischen Ansatz, der kommerziellen Firmen zeigt, welche Möglichkeiten sie in Konkurrenz zu einem freien Produkt haben. “Auch wenn Open Source die Paraderolle in unserer Arbeit spielt, gelten die Prinzipien auch für andere Geschäftsbereiche – wozu beispielsweise auch der Medienbereich gehört.”, lässt sich Mendelson zitieren.
Als Beispiel für eine gelungene Business-Politik nennen die beiden Autoren ausgerechnet Microsofts Office Suite. Die genieße große Popularität, weil so viele Menschen sie benutzen würden. Firmen würden die Suite dann kaufen, weil ihre Angestellten sie bereits privat einsetzen. Aufgrund der großen Verbreitung stelle dann auch die Inkompatibilität zu anderen Produkten kein Problem mehr dar.
Die Autoren raten kommerziellen Firmen, ein Produkt zuerst auf den Markt zu bringen (siehe Microsoft). Eine zweite Strategie bestünde darin, die verschiedenen Marktsegmente geschickt zu nutzen: Indem man ein Produkt im Segment der Privatanwender populär mache, verdränge es die freien Alternativen etwa auch im Small-Business-Bereich.
Was aber, wenn das Open-Source-Produkt zuerst kam? Die Strategie in diesem Fall lautet “Embrace and Extend” (zu deutsch etwa “Umarme und Erweitere”). Die Hardvard- und Stanford-Absolventen raten dazu, konkurrenzfähige Produkte zu bauen, diese dann aber mit besseren und weitergehenden Funktionen auszustatten, um das Produkt attraktiver zu machen, als die Open-Source-Konkurrenz.
Auch in anderen Bereichen sehen die Autoren ihre Strategien als wichtige Hilfe. Lobende Worte finden sie etwa für den “positiven Kreislauf” im Musikbereich, den Apple mit seinem iPod und iTunes geschaffen habe: Die Kombination eines innovativen Produkts, einer hervorragenden Benutzererfahrung und eines inkompatiblen, gegen die Konkurrenz abgeschotteten Netzwerks, bringe ein wachsendes und hochprofitables Musikangebot hervor.
In Stanfords Forschungsdatenbank steht der Text offenbar noch nicht zur Verfügung, unter dem oben genannten Link findet sich aber in englischer Sprache eine Zusammenfassung der wesentlichen Punkte.





Offene Frage: Mit welcher Summe hat die Gates-Stiftung diesen phänomenalen Erkenntnissen auf die Sprünge geholfen?
Havard und Stanford scheinen auch nicht mehr das zu sein, was sie mal waren. Gratulation zum Abstieg!
Bin ich der einzige, der grad an die Alexis De Tocqueville Stiftung denken muss? ;-)
Traurig, wie sich Stanford vor den Closedsource-Karren spannen lässt… Die Zeiten in denen Stanford noch Querdenker-Köpfe wie den Sun-Gründer Andy Bechtolsheim hervorgebracht hat sind wohl längst vorbei!
Das ist nicht lache.
Ich weiss zwar nicht was die Beiden da geritten hat. Aber jeder weiss das Open-Source mehr Vorzüge, Sicherheit und Vertrauen bringt als Closed-Source. Das ist rein wirtschaftlich allein schon abzusehen. Open-Source heisst ja auch nicht gleich kostenlos.
Naja gute Frau Lee (MBA course in Technology and Operations Management) vielleicht ein bisschen weniger Wirtschaft und ein bisschen mehr einsicht in die Welt der Communtiy und die Welt der Open-Sorce.
Zahlen aus Büchern sind nicht alles.
Den Kritikern dieses Papiers sei nahegelegt darüber nachzudenken, ob es möglicherweise auch einige Aspekte gibt, die Open Source nutzen. Die gleichen Vorgehensweisen können OSS-Macher auch nutzen. Nur — die nutzen diese nicht ganz neuen Erkenntnisse selten. Linux auf dem Desktop? Spiele? Wer hat sich denn darum mal wirklich gekümmert, seitens der Distro-Macher und Programmierer? Die Anarchie bei machen OSS-Projekten hat sicherlich ihre Vorteile; aber sicher nicht den, in Sachen Marktdurchdringung überlegen zu sein. Es hat wenig Sinn, über Closed-Source-Erfolge zu jammern, wenn man nicht bereit ist, über seine Methoden und Strategien nachzudenken, und dabei kann dieses Papier vielleicht helfen. Um… Mehr »