Mark Shuttleworth: “eine Menge ungeplanter Dinge”

Mark Shuttleworth: “eine Menge ungeplanter Dinge”

Mark Shuttleworth ist der Initiator der Ubuntu-Distribution, die in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum verzeichnet hat. Ich habe mich mit ihm in Sevilla getroffen, um über die neuesten Entwicklungen zu sprechen.

Linux-Community: “Einer der ersten Vorträge auf dem UDS lautete ‘Wie hat Euch Feisty gefallen?’ Also frag ich dich jetzt mal: ‘Wie hat dir Feisty gefallen?’

Mark Shuttleworth: “Feisty hat großen Spaß gemacht. Es war ja der erste 6-Monats-Release nach Dapper. Also war es nett zu sehen, wie Team und Community kooperieren. Wir hatten eine ziemliche Menge an Interaktion mit der Community. Daher glaube ich, wuchs die Entwickler-Gemeinde während der Arbeit an Feisty. Es passierten eine Menge interessanter Dinge, die nicht wirklich Teil des ursprünglichen Plans für Feisty waren.”

LC: “Zum Beispiel?”

MS: “Zum Beispiel der Windows-Migrations-Assistent. Der tauchte aus meiner Perspektive ziemlich unerwartet auf und entwickelte sich auch sehr schnell. Auch die KVM-Arbeiten [Kernel-based Virtual Machine; Anm. d. Red.] hatte ich nicht erwartet. Das kam sehr, sehr sauber von der Community herein. Alles in allem war es also eine aufregende Release.

LC: “Zum Release-Zyklus: Es gibt Releases, die – wie Dapper – einen Anspruch auf Long Time Support mitbringen. Welche wird die nächste Ubuntu-Release mit Long Time Support?”

MS: “Das werden wir diese Woche diskutieren. Das steht noch nicht fest. Ein guter Kandidat wäre sicherlich Gutsy plus eins. Also im April 2008. Das ist allerdings noch nicht sicher, darüber müssen wir auf dieser Konferenz noch reden.”

LC: “Was wird aus deiner Sicht die größte Verbesserung in Gutsy sein, welches Ziel, welche Richtung verfolgst du mit Gutsy, was ist dein favorisiertes Feature?”

MS: “Das Entwickler-Treffen hat gerade erst begonnen, daher wissen wir noch nicht, welche Features letztendlich in die Distribution kommen. Zu den Dingen, die mich wirklich interessieren, gehört auf der Server-Seite die Virtualisierung. Es wäre fantastisch zu sehen, wenn Xen, KVM und VMware alle dasselbe Framework für die Virtualisierung nutzen. Und im Desktop-Bereich interessieren mich nach wie vor Dinge wie Compiz und Beryl. Ich denke, das sind wichtige Plattformen für Innovation. Aber ob wir diese ernsthaft integrieren können, hängt natürlich auch wieder davon ab, was die zuarbeitende Community liefert.”

LC: “Hast du neue Gesichter auf dem Ubuntu Developer Summit gesehen?”

MS: “Ja. Es waren eine Reihe von Leuten hier, die von Firmen kommen, die sich für Ubuntu interessieren. Wir haben Leute von Intel hier, von VMware und von anderen Firmen, die nun anfangen, mit Ubuntu zu hantieren. Das ist großartig, darum geht’s bei freier Software. Die Leute nehmen sie und passen sie den eigenen Bedürfnissen an.”

LC: “Was zum Beispiel wollen die VMware-Leute hier?”

MS: “Sie wollen sicherstellen, dass Ubuntu gut in VMware läuft und dass es auch gut als Host für VMware funktioniert.”

LC: “Aber sie stehen in Konkurrenz zu KVM.”

MS: “Sicherlich befinden sie sich im Wettbewerb und das ist natürlich eine etwas unbequeme Position, weil es sich um eine freie Software-Umgebung handelt und sie eine proprietäre Software-Firma sind. Aber sie sind sehr effektiv darin zu lernen, wie sie mit der Linux-Gemeinschaft arbeiten können und wie sie Übereinstimmung über gemeinsame Standards und Frameworks erzielen. Ich glaube als proprietäre Software-Firma schauen sie nach vorne und handeln vorausblickend.”

LC: “Dell hat vor kurzer Zeit bekannt gegeben…”

MS: “…dass sie Ubuntu auf ihrer Hardware installieren, ja.”

LC: “Wusstest du das bereits vorher?”

MS: “Kurz vorher, ja. Sie haben ihre Kundenumfrage gemacht und die Linux-Nachfrage war am stärksten. Daraufhin haben sie sich entschieden, den Aufwand zu betreiben. Sie hatten also schon recht viel getan, bevor sie zu uns kamen und wir hatten schon eine kleine Warnung, dass sie es tun würden.

LC: “Hast du einen Laptop mit Ubuntu bekommen?”

MS: “Nein, nein, gar nicht. Unsere Kernel-Entwickler haben in den letzten Monaten mit ihnen gearbeitet, um sicherzustellen, dass die Hardware, die sie einsetzen, gut läuft.”

LC: “Denkst du, dass es auch in Europa verkauft wird?”

MS: “Ich hoffe doch. Sie haben noch keine Pläne für außerhalb der USA angekündigt. Ich kann hier auch keine vertraulichen Pläne diskutieren. Ich denke, das hängt letztlich am kommerziellen Erfolg des Geschäfts. Wenn es Linux-Entwickler wirklich vorziehen, Computer mit vorinstalliertem Linux zu kaufen, gibt es einen wirklichen Markt und die Sache kann wachsen. Aber wenn Linux-Entwickler lieber den Rechner kaufen und dann selbst ein Linux installieren, gibt es keinen Markt und das Ganze wird nicht funktionieren. Der nächste Schritt wird also sein, zu sehen, wie viele Rechner sie verkaufen und ob die Anzahl ausreicht. Dann werden sie sicher entscheiden, mehr Computer dieser Art anzubieten und ebenso die Orte, wo sie diese anbieten, ausweiten.”

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