Das KDE-Projekt will nun auch namentlich aus seinem Ursprung als “K Desktop Environment” herauswachsen und wartet deshalb mit einer Reihe gut klingender Namen auf.
“KDE hat sich verändert in den vergangenen 13 Jahren”, beginnt der Vorstoß auf Dot.kde.org. Das Marketing-Team hat sich in einem KDE-Sprint – einem Entwicklertreffen – Mitte November in Stuttgart unter anderem eine neue Naming-Policy ausgedacht. Sie ist die Konsequenz aus der Einschätzung, dass viele Leute den allzu bekannten “KDE-Desktop” gleichsetzen mit allem, was im Rahmen des KDE-Projekts entsteht oder weiterentwickelt wird. Was beispielsweise zu “KDE 4.3” gehört, laufe auch nur in diesem Kontext, sei die Wahrnehmung auf Anwenderseite. Das trägt der inzwischen gewachsenen Binnenstruktur nicht mehr Rechnung, die auch Cross-Platform-Anwendungen oder Drittprojekte enthält. Die derzeitige Form des KDE-Projekts bringt das Team folgendermaßen auf den Punkt: “KDE ist nicht mehr eine von Leuten gemachte Software, sondern Leute, die Software machen.”
Also beschloss die Marketing-Arbeitsgruppe unter der Leitung von KDE-Vereinsvorstand Cornelius Schumacher und KDE-Contributor Troy Unrau in Stuttgart, das Projekt neu zu benennen und damit neu zu definieren. Als erstes verlagert sich die Betonung vom KDE-Desktop auf die KDE-Community, denn die bringt mehr hervor als die Desktop-Umgebung im engeren Sinne. Als zweiter Entschluss soll der Name “KDE” zukünftig so eingesetzt werden, dass er auch die Anwendungen und Ergebnisse ziert, die über die Desktopumgebung im engeren Sinne hinausgehen. Schließlich will das Software-Projekt zukünftig den Namen “K Desktop Environment” vollständig aus seinem Wortschatz streichen: Diese ursprüngliche Ausschreibung des Kürzels KDE sei inzwischen “vieldeutig und überflüssig, wahrscheinlich sogar missverständlich” geworden.
Was zukünftig alles unter dem Dach “KDE” lebt, differenziert das Projekt zu drei Produkttypen aus: Die “KDE Applications” umfassen etwa Amarok, Dolphin oder Kdevelop. Dazu zählen aber auch zusammenfassende Projekte wie Koffice oder Kontact, die ihrerseits eigentlich aus Unterprojekten bestehen (Koffice unter anderem aus Kword und Krita, Kontact beispielsweise aus Kmail und Korganizer).
Der “KDE Workspace” umfasst die bisherige Desktopumgebung, also den KDE Plasma Desktop, sowie den Neuzugang KDE Plasma Netbook. Auch zukünftige Anpassungen der Rechner-GUI finden hier ihren Platz. Schließlich ist die “KDE Platform” Sammelbecken für alles, was man zum KDE-len braucht, etwa Bibliotheken, Managementtools und Layer. Wenn sich die Edition einer KDE-Plattform speziell auf Entwickler hin ausrichtet, ist die Erweiterung “KDE Developer Platform” erwünscht. Ansonsten sind diese Plattformen gedacht als das, was Drittgruppen in die Hand nehmen, wenn sie an das Projekt andocken möchten.
Von einer bloßen Idee für eine neue Computer-Oberfläche ist KDE inzwischen zu einem vielschichtigen Software-Projekt herangewachsen. Frank Karlitschek, Vorstandsmitglied des KDE e.V., schätzt die Zahl der derzeitigen KDE-Entwickler auf mindestens 2.000, allerdings nur im inneren Kern. Seit der KDE-4-Release habe auch die Zahl der in Zusammenhang mit KDE stehenden Anwendungen stark zugenommen und sich mit derzeit rund 4.000 etwa verdoppelt, so Karlitschek.






