Die Electronics Corporation of Tamil Nadu (ELCOT) will den Studenten im südindischen Bundesstaat 100.000 Linux-Laptops liefern, nachdem Verhandlungen mit Microsoft gescheitert sind.
Bereits seit Januar 2007 stellt der indische Bundesstaat seine IT-Infrastruktur schrittweise auf Linux um, nun sollen auch Studenten Linux-Laptops von der staatlichen Behörde für IT-Dienstleistungen zu vergünstigten Konditionen kaufen. Als eine wesentliche Aufgabe betrachtet die ELCOT, die Anschaffungskosten für IT-Produkte zu senken und hält laut Eigenwerbung einen Rekord mit dem “niedrigsten Preis der Welt” für Computer. Nach einem Regierungsbeschluß im Januar 2007 hatte die Organisation in einem ersten Schritt die eigene IT-Infrastruktur von Microsoft Windows auf Suse Linux umgestellt, seit August 2007 wurde Suse Linux Enterprise auf auf 30.000 Desktops und 1.880 Servern in den Schulen des südindischen Bundesstaates installiert. Laut Webseite ist die Behörde mit dem freien Betriebssystem überaus zufrieden: “ELCOT hat das Linux Betriebssystem in all seinen Anwendungen in den letzten zwei Jahren implementiert und befindet es für absolut stabil und zuverlässig.” Dennoch haben die IT-Dienstleister mit Microsoft über vergünstigte Preise für das Windows-Betriebssystem verhandelt und wollte einen Preis von 12 US-Dollar durchsetzen.
| Knallhart evaluiert: Die Linux-Laptops für Studenten halten auch massive Workloads aus. Quelle:Elcott |
Laut den ELCOT-Berichten bot der Software-Konzern ein Academic-Paket aus Betriebssystem, Office-Anwendung und Antiviren-Software für 57 US-Dollar, umgerechnet rund 36 Euro. Die Behörde lehnte das Angebot mit der Begründung ab, dass es sich um eine Preisvariante handelt, die nur für den Bildungsbereich gelte. Die Einkäufer wollen jedoch einen allgemeingültigen Preis unabhängig vom Einsatzbereich erzielen, darüber hinaus lehnen sie die Zwangsbündelung der Software als verbraucherfeindlich ab. Sollte der Konzern nachbessern, schließt die ELCOT ein künftiges Microsoft-Angebot in der Produktpalette nicht aus. Den Studenten, die außer Linux ein anderes Betriebssystem nutzen wollen, empfiehlt die Behörde die gleichfalls vorinstallierte Virtualisierungslösung Virtual Box, die Sun Microsystems kostenlos zur Verfügung stellt. Ansonsten empfindet die ELCOT das freie Betriebssystem der Windows-Variante als “weit überlegen”, und begründet die Aussage: “Keines der ELCOT-Systeme hatte eine Service-Auszeit wegen eines Betriebssystemfehlers oder Viruses in den letzten zwei Jahren dank des Linux-Betriebssystems.”
Für die vergünstigten Laptops übernimmt die Behörde für die Zeit von drei Jahren eine Garantie, und führt hierzu eigene Qualitätssicherungen durch, darunter Belastungstests. Grundvoraussetzung für die Aufnahme in den Bieterkreis ist die Kompatibilität der Hardware mit den Linux-Distributionen Red Hat und Suse Linux, die gleichfalls in eigenen Tests geprüft wird. Die Behörde verkauft nach eigenen Angaben ausschließlich Marken-Laptops, vorinstalliert mit der Unternehmensversion Suse Linux Enterprise Desktop inklusive einem Jahr Wartung. Als Einstiegspreis für die Laptops inklusive Software nennt die Behörde rund 504 US-Dollar, umgerechnet rund 319 Euro. Der hohe Ölpreis macht sich auch hier bemerkbar, wie die ELCOT schreibt: Der Wechselkurs für die Rupie wird dadurch ungünstiger, und auch die Verhandlungen mit den Hardware-Herstellern seien schwieriger geworden.





