Github fordert von der Europäischen Union die Einrichtung eines Fördertopfs, der Open-Source-Projekte unbürokratisch finanziell unterstützen soll. Vorbild ist der deutsche Sovereign Tech Fund.
Liebe Leserinnen und Leser,
Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump machen die Abhängigkeit der Europäer von den USA und deren Folgen immer wieder Schlagzeilen. Die ist vor allem im Verteidigungsbereich so hoch, dass sich die NATO-Staaten zu einer geradezu abstrusen Erhöhung der Militärbudgets auf 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gezwungen sehen. Dabei gibt das nordatlantische Noch-Bündnis schon heute mehr Geld für Rüstung aus als der gesamte Rest des Planeten, und selbst die Ukraine – ein Land im Krieg! – kommt mit 2,9 Prozent des BIP für Rüstung aus [1]. Aber es hilft nichts: Um nicht zu riskieren, die für ihre Verteidigung unabdingbaren, nicht ersetzbaren Aufklärungs- und Kommunikationsmittel des US-Militärs einzubüßen, schlucken die Europäer selbst unsinnige US-Zölle fast ohne erkennbaren Widerstand. Ihnen bleibt keine andere Wahl.
Die hätten sie aber an anderer Stelle: bei der digitalen Souveränität. Dass Europa sich auch in Sachen Hard- und Software von den USA abhängig gemacht hat, produziert zwar anders als Rüstung und Zölle keine Schlagzeilen, ist jedoch keineswegs weniger dramatisch. Ob Staat oder Wirtschaft: Die Europäer setzen auf Rechner von US-amerikanischen Hardwarefirmen und fahren darauf Programme von US-Softwareanbietern, wenn sie denn ihre Daten nicht gleich in die Clouds von nordamerikanischen Konzernen befördern. Zumindest in Sachen Software tut das nun wirklich nicht not, denn schließlich gibt es eine probate Alternative: Open Source. Freie Software bietet das Potenzial, sich in Sachen Software und Dienste komplett aus der Abhängigkeit von anderen Staaten und Großkonzernen zu befreien.
Schon heute bilden Open-Source-Komponenten die Grundlage zahlreicher Produkte, darunter auch viele kommerzielle Lösungen. Allerdings erhalten viele Open-Source-Projekte keine Einnahmen und stoßen so immer wieder an ihre Grenzen. Dabei steuern sie mindestens 65 Milliarden Euro zur europäischen Wirtschaft bei. Dennoch kann nur ein Drittel aller Maintainer von ihrer Arbeit leben. Zumindest Deutschland hat das schon erkannt und arbeitet über Einrichtungen wie das Zentrum für Digitale Souveränität ZenDiS und die Sovereign Tech Agency an der Förderung von Open-Source-Technologien und -Projekten. Auf europäischer Ebene dagegen gibt es bislang nichts Vergleichbares. Jetzt kommt von Github ein Vorschlag, der darauf abzielt, das zu ändern [2].
Dazu fordert die Softwareentwicklungsplattform einen neu zu schaffenden europäischen Fördertopf. Hierfür hat Github eigens eine Studie in Auftrag gegeben, die beschreibt, wie man den bereits erfolgreichen deutschen Sovereign Tech Fund auf die gesamte EU übertragen könnte. Der neue Fonds soll kritische Open-Source-Abhängigkeiten innerhalb der EU identifizieren, in die Wartung und Sicherheit von freien Softwarekomponenten investieren, Verbesserungen finanzieren und das Open-Source-Ökosystem insgesamt stärken. Als Rahmenbedingungen fordert Github eine minimale Bürokratie, politische Unabhängigkeit, Flexibilität bei der Vergabe und Transparenz.
Die Kosten einer solchen Initiative wären überschaubar: 350 Millionen Euro veranschlagen die Autoren der Studie, das Open Forum Europe, das Fraunhofer ISI und das European University Institute, dafür. Das wäre bei angedachten 100 Milliarden Euro für Panzer, Flugabwehr und Infrastruktur geradezu aus der Portokasse zu finanzieren, brächte Europa aber ein großes Stück weiter auf dem Weg heraus aus der US-Abhängigkeit und hin zur digitalen Souveränität.
Herzliche Grüße,

Jörg Luther
Chefredakteur
Infos
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“SIPRI Fact Sheet: Trends in Military World Exependiture, 2024”: https://www.sipri.org/sites/default/files/2025-04/2504_fs_milex_2024.pdf
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“We need a European Sovereign Tech Fund”: https://github.blog/open-source/maintainers/we-need-a-european-sovereign-tech-fund/




