Editorial 07/2024

Aus LinuxUser 07/2024

Editorial 07/2024

Der mit dem Fuchs

Seit 20 Jahren begleitet der Webbrowser Firefox Redakteurin Carina Schipper treu durch die Weiten des Internets. Umso mehr freut sie sich, dass Mozilla sich in Sachen KI-Einsatz zurückhaltend zeigt.

Ich erinnere mich noch gut an den ersten Computer meiner Eltern. In den frühen 2000er-Jahren bei Aldi günstig erstanden und ohne Internet-Zugang, bot der Rechner für mich als Grundschülerin genau zwei Attraktionen: Microsofts Enzyklopädie Encarta (vor allem wegen Abbas Video zu “Dancing Queen” gleich zu Beginn der Einträge) und Pinball. Das änderte sich schlagartig, als ein ISDN-Modem Einzug in den elterlichen Keller hielt und auf dem Desktop das Programm mit dem Fuchs erschien. Mein Vater hatte sich zuvor eingelesen und entschieden, dass ihm freie Software lieber sei als Microsofts Internet Explorer. Was das bedeutet, wusste ich als Dreizehnjährige noch nicht. Dennoch war FF mein Erstkontakt mit Open-Source-Software.

Hinsichtlich aktueller Nutzerzahlen sind die goldenen Zeiten des Mozilla-Webbrowsers längst vorbei. Konkurrenten wie Google Chrome, Apple Safari oder selbst Microsofts Internet-Explorer-Nachfolger Edge laufen ihm inzwischen den Rang ab. Ich für meinen Teil hänge nach wie vor an meinem über die Jahre und Features hinweg auf meine Bedürfnisse zugeschnittenen Firefox. Apropos Features: Kürzlich veröffentlichte Mozilla auf seiner Ideen-Plattform Mozilla Connect [1], an welchen wichtigen Funktionen die Entwickler für das nächste Jahr arbeiten. Dabei hören sie vor allem auf die zahlreichen Wünsche aus der Community und planen beispielsweise, neben Tab-Gruppen vertikale Tabs zu integrieren. Zusätzlich soll der neue, direkt ins Menü eingebundene Profilmanager dafür sorgen, flott zwischen unterschiedlichen Firefox-Profilen hin und her zu wechseln.

Für begrüßenswert halte ich außerdem Mozillas Verhalten bezüglich KI. Mit einer lokal auf dem System der Nutzer und Nutzerinnen arbeitenden Übersetzungsfunktion haben die Entwickler bereits vorgemacht, dass dazu nicht zwingend Daten an einen Cloud-Dienst wie Google Translate abfließen müssen. Ihre eher zurückhaltend wirkende Position zum Thema dürfte sich in Zukunft kaum ändern. Zwar sollen sich Alternativtexte für in PDFS eingefügte Bilder automatisch generieren lassen, aber die Funktion wird ebenfalls lokal arbeiten und keine Daten an die Cloud senden. Das Feature eignet sich aus meiner Sicht hervorragend als Beispiel dafür, wo und wie KI sinnvollerweise Verwendung findet: Hier hilft sie Menschen mit Beeinträchtigungen, die auf eine Bildbeschreibung angewiesen sind, weil sie keine Bilder sehen können.

Wer selbst Ideen und Anregungen zum Firefox und seinen Funktionen hat, ist herzlich dazu eingeladen, sich am Diskurs auf Mozilla Connect oder Discourse [2] zu beteiligen. Eine lebendige Community spielt stets eine wichtige Rolle fürs Überleben des Projekts – und ich freue mich schon auf die nächsten 20 Jahre mit Firefox.

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