In der Open-Source-Welt rumort es: Nicht nur Red Hat sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert, die einstigen Ideale zu verraten. Redakteurin Carina Schipper hat sich den bisher einzigen konkreten Vorschlag zur Lösung der Probleme angesehen.
Seit der Übernahme durch IBM 2019 sorgt Red Hat kontinuierlich für negative Schlagzeilen. “CentOS-Community bekommt rechtliche Probleme mit Red Hat” [1] von Golem-Kollege Sebastian Grüner ist nur eines von vielen aktuellen Beispielen. Wenn Sie die Entwicklungen rund um eine der bekanntesten Linux-Distributionen innerhalb der vergangenen fünf Jahre verfolgt haben, assoziieren Sie diese womöglich wie ich mit einem Wort: Niedergang.
Welchen Weg Red Hat und andere einschlagen, löst nicht nur bei mir Bauchschmerzen aus. Kürzlich meldete sich Bruce Perens – als Mitbegründer der Open-Source-Bewegung ein waschechtes Urgestein – in einem Interview bei The Register zu Wort [2]. Er sieht das Problem vor allem im Lizenzmodell: Über die Jahre hinweg hätten Unternehmen sämtliche Schlupflöcher in der GPL gefunden, weswegen sie schlicht nicht mehr funktioniere. Wie IBM beziehungsweise Red Hat nun mit der Community umgehen, illustriere nahezu bilderbuchmäßig, was im schlimmsten Fall passiert: “Ich habe das Gefühl, dass IBM jetzt alles bekommen hat, was es von der Open-Source-Entwicklergemeinde will, und wir haben jetzt so etwas wie den Mittelfinger von ihnen gezeigt bekommen”, bringt es Perens auf den Punkt.
Um der Misere zu begegnen, plädiert Perens einerseits dafür, sich auf die Kerngedanken von Open Source zu besinnen. Aus seiner Sicht haben allzu viele die Akteure aus dem Blick verloren. Schlimmer noch: Open Source habe darin versagt, den Menschen zu dienen. Perens argumentiert damit, dass der Großteil der Nutzer gar nicht wisse, wie viel Open Source zum Beispiel in der Infrastruktur von iOS oder Android stecke. Dementsprechend hätten sie auch keinerlei Ahnung davon, welche Freiheiten Open-Source-Software biete, obwohl genau diese doch eindeutig in ihrem Interesse lägen.
Andererseits fordert Perens nichts weniger als eine Zäsur und den Beginn eines neuen Zeitalters mit dem vorläufigen Titel “Post-Open”. Dafür liefert er sogar den Entwurf einer neuen Lizenz, die er mithilfe von Anwälten weiter ausarbeiten möchte. Sie definiert die Beziehung zwischen Unternehmen und Entwicklern und soll sicherstellen, dass Unternehmen einen fairen Betrag für die von den Entwicklern geleistete Arbeit zahlen. Für Einzelpersonen und Non-Profit-Organisationen bleibt freie Software weiterhin kostenlos.
Angesicht der zu bewältigenden Probleme wie dem Phänomen des Openwashings oder Open Core, mit denen sich beispielsweise Markus Feilner befasst hat [3], halte ich Perens’ Ideen für zumindest beachtenswert. Schließlich gehören Diskurse seit jeher zur Open-Source-Kultur.
Herzliche Grüße,
Carina Schipper
Redakteurin
Infos
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“CentOS-Community bekommt rechtliche Probleme mit Red-Hat”: https://www.golem.de/news/linux-kernel-centos-community-bekommt-rechtliche-probleme-mit-red-hat-2401-181720.html
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“What comes after open source? Bruce Perens is working on it”: http://www.example.org/folder/
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Openwashing: Markus Feilner, “Lippenbekenntnisse”, LM 03/2024, S. 60, https://www.lm-online.de/50463




Vielen Dank für den Kommentar. Ich sehe das hier auf jeden Fall Probleme existieren. Einwerfen möchte ich die Contributions, die von Red Hat oder anderen Opensource Unternehmen bezahlte Ingenieure machen. Diese werden fair bezahlt und geben Ihre Arbeit in die Community zurück. Ich sehe das Thema bei Internationalen Konzernen die kostenlose Forks wie CentOS nutzen und nichts zurück geben. Wenn Unternehmen wie Ubuntu, Suse, Red Hat, Microsoft und Intel keine Entwickler mehr bezahlen können/wollen, ist die Frage wie es mit OS weitergeht. Nur von Menschliebe können Entwickler nicht leben. Weil Red Hat noch immer ein Hauptsponsor von CentOS ist, liegt… Mehr »