Editorial 02/2024

Aus LinuxUser 02/2024

Editorial 02/2024

Der Tragödie x-ter Teil

Seit dem 1. Januar 2024 gibt es verschreibungspflichtige Medikamente nur noch per digitalem E-Rezept. Was auf Anhieb super klingt, gehört langsam, aber sicher in die Kategorie der unendlichen Digitalisierungsgeschichten, findet Redakteurin Carina Schipper.

Die Geschichte der Digitalisierung im Gesundheitswesen gleicht einem Trauerspiel, dessen nächster Akt gerade begonnen hat. Pünktlich zum Jahresende 2023, kurz vor der geplanten Umsetzung des E-Rezepts ab Januar 2024 hagelte es seitens des Deutschen Apothekerverbands (DAV) noch einmal ordentlich Kritik [1]. In einem Brandbrief an das Bundesgesundheitsministerium forderte der DAV erhebliche Nachbesserungen.

Beim Lesen der vom DAV angeführten Vorwürfe standen mir direkt beim ersten Punkt schier die Haare zu Berge: mangelhafte Datenqualität. Obwohl er darum gebeten hatte, saß der DAV bei der technischen Ausgestaltung der E-Verordnung nicht am Tisch. Das Ergebnis: Das digitale Rezept sieht zahlreiche Angaben in Freitextfeldern vor. Man darf gespannt sein, wer oder was deren Inhalt – also eben nicht strukturierte Daten – in der Praxis vernünftig auslesen soll. Bei einer einheitlichen Visualisierung für E-Rezepte ist bislang ebenso Fehlanzeige.

Darüber hinaus zeigt sich die Verfügbarkeit sämtlicher relevanter Dienste als wunder Punkt: Zuletzt hätten sich mit dem Anstieg der täglich ausgestellten und eingelösten E-Rezepte häufigere Ausfälle zentraler Komponenten gezeigt, zitiert der Tagesspiegel aus dem Brief des DAV [2]. Streikt zum Beispiel die Telematik-Infrastruktur (TI) in einer Arztpraxis, gibt es bislang als Ausweg immer noch die herkömmlichen Papiervordrucke. Später, in der Apotheke beim Einlösen, haben Sie als Patient in einer solchen Situation schlichtweg verloren.

Die Kritik am digitalen Rezept umfasst zwar noch mehr Aspekte, aber für mich genügen die genannten, um zu einem eindeutigen Schluss zu gelangen: Das E-Rezept steht auf überaus wackeligen Beinen. Ich muss keine Hellseherin sein, um der Geschichte der papierlosen Verordnungen ob der konzeptionellen und technischen Fehler ein frühzeitiges Ende zu prophezeien. Ein derart mit Problemen gespicktes Verfahren löst bei den Betroffenen sicher kaum Begeisterung aus.

Herzliche Grüße,

Carina Schipper

Redakteurin

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Infos

  1. “Hürden bei der Umstellung – E-Rezept: ABDA schreibt Brandbrief ans BMG”, Pharmazeutische Zeitung: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/e-rezept-abda-schreibt-brandbrief-ans-bmg-144391/

  2. “E-Rezept – DAV fordert E-Rezept-Nachbesserungen”, Tagesspiegel Background: https://background.tagesspiegel.de/gesundheit/dav-fordert-e-rezept-nachbesserungen

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2 Kommentare
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markus k
2 Jahre her

Endlich Endlich habe ich einen schnellen Weg gefunden, auch Ihre Seiten vollständig inklusive Datum der Artikel -sonst immer schlagend schlechtes Beispiel für Farbwahl weil mit Hellgrau vor hellem Hintergrund unleserlich – nun lesen zu können:
Firefox-Einstellungen – Allgemein – Sprache und Erscheinungsbild – Schriftarten & Farben – rechts Button “Farben” – und in dem sich öffnenden Fenster mit 4 Farbvorschlägen (schwarz, weiß, leuchtend blau, dunkel violett) einfach von den Optionen in der Klappe “immer” auswählen.

Editor
2 Jahre her
Reply to  markus k

Hallo Markus K,

die Artikeltexte selbst verwenden durchgehend eine schwarze Schrift auf weißem Untergrund. Dies sorgt für einen recht hohen Kontrast und wird daher eigentlich allgemein auch so empfohlen. Nur auf den Übersichtsseiten ist das Datum eines Artikels hellgrau. Ihre hier berechtigte Kritik werde ich gerne weitergeben.

Beste Grüße,

Tim Schürmann

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