Editorial 11/2023

Aus LinuxUser 11/2023

Editorial 11/2023

Was darf's sein?

Das OpenSuse-Projekt hat sich in der Entwickler-Community ein wenig zur eigenen Zukunft umgehört. Redakteurin Carina Schipper fragt sich, ob sich die Nürnberger damit wirklich einen Gefallen getan haben?

Kürzlich wandte sich das OpenSuse-Projekt mit der Bitte an die Entwickler-Community, dabei zu helfen, die zukünftige Ausrichtung des Projekts zu bestimmen [1]. Douglas DeMaio verkündete am 5. September die finalen Ergebnisse der Umfrage mit insgesamt 327 Teilnehmern. Sein Kollege Richard Brown zeigte sich schon einige Tage zuvor zufrieden und sprach von 251 Rückmeldungen [2], womit die Befragung als repräsentativ gelten könne. Nach anfänglichen Fragen zur Datenerhebung ging es inhaltlich ans Eingemachte: Wie stehen die Entwickler und Entwicklerinnen zu den gerade vorgestellten Distros Slowroll und Linarite?

Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft von OpenSuse. Seit Suse der immutablen Adaptable Linux Platform (ALP) konkrete Züge verliehen hat, sucht die OpenSuse-Community nach Wegen, wie es mit OpenSuse Leap und Tumbleweed weitergehen soll. Beide Versionen verzeichnen durchaus positive Download-Zahlen: Die Kurven für Leap 15.4 und 15.5 gingen 2023 brav nach oben, Tumbleweed hält sich stabil bei über 150 000 Downloads [3].

Beim OpenSuse-Projekt zeigt man sich jedoch nicht allzu entspannt und wirft nun eine dritte Variante in den Ring: Slowroll [4]. Hinter der experimentellen Distro steckt quasi das Beste aus beiden Welten – rollen ja, aber langsamer. Zur vierten Leap-Alternative Linarite finden sich momentan lediglich spärliche Informationen: Richard Brown beschreibt sie als “regular old fashioned release desktop distribution”, die wohl auf ALP basieren soll.

Insgesamt zeugt das Feedback der OpenSuse-Entwickler nicht gerade von heller Begeisterung für die neuen Projekte. Mit knapp 28 Prozent bringen sie Slowroll die größte Sympathie entgegen. Platz zwei belegt mit etwa 24 Prozent Linarite. Gut 17 Prozent wollen Leap überhaupt nicht ersetzen und konzentrieren sich ausschließlich auf Tumbleweed. Das restliche Drittel der Befragten gibt keine Antwort oder überspringt die Frage einfach. Bezüglich der übrigen Fragen zu den genannten Optionen zeichnet sich ein mehr oder minder ähnliches Bild ab.

Es wirkt, als sei der Plan nicht aufgegangen, basisdemokratisch abzuklopfen, welche Richtung das OpenSuse-Projekt einschlagen soll. Da keine der vorgeschlagenen Ideen so richtig zündet, darf man gespannt sein, auf welcher Grundlage die Entscheidungen am Ende fallen. Ich hege so meine Zweifel, ob die Umfrage das OpenSuse-Projekt tatsächlich einen Schritt weitergebracht hat. Tatsächlich bestätigt sie eher, dass nicht nur die Nutzer und Nutzerinnen verunsichert sind, wo die Reise hingehen soll.

Herzliche Grüße,

Carina Schipper

Redakteurin

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