Lange Zeit gab es kompakte Rechner nur mit Intel-Chipsatz. Der Tuxedo Nano Pro Gen11 nutzt nun die modernen Ryzen-CPUs von AMD. Anwender profitieren besonders durch die verbesserte Grafikleistung der AMD-Chips.
“Tall”, “Grande” und “Venti”: So nennen sich die Bechergrößen der amerikanischen Kaffeekette Starbucks. Mittlere oder kleine Portionen interessieren Starbucks seit jeher nicht die Bohne. Damit hat der Kaffeeröster etwas mit der Computerindustrie der 1990er gemein. Computergehäuse gab es üblicherweise im Format eines Midi- oder Maxi-Towers oder eben als Desktop-PC, für den man reichlich Platz auf dem Schreibtisch opfern musste. Kombiniert mit einem 21-Zoll-Röhrenmonitor blieb dann auf der Arbeitsfläche kaum mehr Raum für Unterlagen. Richtig kleine Rechner waren damals noch Zukunftsmusik.
Die Fortschritte in der Mikroelektronik führten jedoch rasch dazu, dass Computer immer kompakter wurden. Aus Desktops wurden Laptops, diese schrumpften zu Notebooks und schließlich zu Ultrabooks. Der Verlust an Rechenleistung hielt sich dabei in Grenzen, abgesehen von der Grafik-Performance, die im Spitzenbereich immer noch extra große Grafikkarten erfordert. Von dieser Entwicklung profitieren inzwischen auch für stationären Einsatz gedachte Rechner. Computer von der Größe eines CD-Stapels sind keine Exoten mehr, in Unternehmen gelten kompakte Rechner inzwischen fast als Standard.
Tuxedo Nano Pro Gen11
In diese kompakte Geräteklasse sortiert sich auch der Nano Pro Gen11 des Augsburger Computerbauers Tuxedo ein [1]. Der Rechner im Format einer kleinen Pralinenschachtel (110 x 118 x 48 mm) wiegt mit einer M.2-SSD je nach Ausstattung kaum mehr als 500 Gramm. Unser Testgerät bringt 562 Gramm auf die Waage. Das Unternehmen liefert den Computer vorinstalliert mit einer Auswahl an Linux-Distributionen an den Käufer aus. Zur Wahl stehen Ubuntu 20.04 LTS sowie die Varianten mit Budgie und KDE als Desktop. Zudem gibt es mit Tuxedo OS eine hauseigene Distribution auf Basis von Ubuntu 20.04 mit angepasstem Budgie-Desktop (Abbildung 1). Wer möchte, bekommt gegen Aufpreis auch ein Windows-System parallel installiert.

Abbildung 1: Tuxedo OS basiert auf Ubuntu 20.04 LTS. Ein Update auf das brandneue Ubuntu 22.04 steht in den Startlöchern.
Im Konfigurator des Webshops haben Interessenten die Wahl zwischen einem AMD Ryzen 5 4500U mit 6 Kernen, der mit 2,3 bis 4,0 GHz taktet, und einem AMD Ryzen 7 4800U (8 Kerne, 1,80 bis 4,20 GHz). Daneben verbaut Tuxedo als Einstiegsmodell auch einen Ryzen 3 4300U, doch diese Variante lässt sich aufgrund von Lieferschwierigkeiten aktuell nicht auswählen. Die 8 Kerne des Ryzen 7 4800U arbeiten dank Simultaneous Multithreading (SMT) bis zu 16 Threads gleichzeitig ab, die günstigeren Varianten des Chips kennen diese Technik nicht. Je nach Ausstattung kostet der Nano Pro Gen11 zwischen 740 und 1355 Euro.
Entsprechend den eigenen Wünschen lässt sich das System mit bis zu 64 GByte Arbeitsspeicher (verteilt auf zwei Slots) ausstatten (Abbildung 2). Unser Testgerät verfügt intern über eine 250 GByte große Samsung-SSD. Dank zweier Ethernet-Schnittstellen lässt sich der Nano Pro Gen11 auch als Router oder Firewall einsetzen. Zum Anschluss von externer Hardware stehen insgesamt 5 USB-Ports zur Verfügung. Die vorderen USB-C-Ports nach USB 3.2 Gen2 mit DisplayPort 1.2a adressieren zudem zwei Monitore. Zusammen mit der HDMI- und DisplayPort-Buchse auf der Rückseite können also bis zu 4 Displays an den Nano Pro angeschlossen werden. Dazu gibt es insgesamt 3 klassische USB-A-Ports, verteilt auf der Vorder- und Rückseite des Geräts.

Abbildung 2: Der Tuxedo Nano Pro Gen11 bietet in seinem kleinen Gehäuse Platz für zwei Speichermodule, eine kompakte M.2 SSD und einen weiteren Datenträger im 2,5-Zoll-Format.
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Komponente |
Testgerät |
Option |
|---|---|---|
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CPU |
AMD Ryzen 7 4800U (8 Kerne, 1,80 bis 4,20 GHz) |
AMD Ryzen 5 4500U (6 Kerne, 2,3 bis 4,0 GHz) |
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GPU |
Vega 8, 1750 MHz |
Vega 6, 1500 MHz |
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RAM |
32 GByte DDR4, 4200 MHz, CL22 |
8 bis 64 GByte |
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Festplatte |
250 GByte M.2-SSD Samsung 980 |
zweite HDD/SDD über SATA III |
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WLAN/Bluetooth |
Intel Wi-Fi 6 AX200 (802.11ax, 2,4/5 GHz, Bluetooth 5.2 |
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Ethernet |
je ein 1 Gbit/s, 2,5 Gbit/s |
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USB |
2 USB-C 3.2 Gen2 mit DisplayPort 1.2a, 1 USB-A 3.2 Gen2, 2 USB-A 2.0 |
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Display |
1 HDMI 2.0a, 1 DisplayPort 1.2a |
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Tuxedo OS
Tuxedo empfiehlt für seine Rechner das hauseigene Tuxedo OS. Das System basiert auf Ubuntu 20.04, nutzt jedoch komplett eigene Paketquellen. Dadurch kann Tuxedo Updates gezielt steuern, was beim Nano Pro Gen11 auch nötig ist. Erst der Kernel von Ubuntu 22.04 kommt mit der Vega-GPU des Rechners zurecht, die Entwickler von Tuxedo portierten die erforderlichen Anpassungen jedoch auf die ältere Basis des Tuxedo OS.
Bei der Desktop-Umgebung greift Tuxedo auf Budgie zurück, eine Entwicklung aus dem Solus-Projekt [2]. Das alternative Linux-Betriebssystem startete ursprünglich als Nachbau von Googles Chrome OS, hat sich inzwischen jedoch als eigenständige Distribution etabliert. Der von Solus entwickelte Desktop basiert auf GTK+ und integriert auch diverse Anwendungen aus dem Gnome-Universum. Statt der bei vielen Anwendern umstrittenen Gnome Shell nutzt er jedoch ein herkömmliches Panel am unteren Bildschirmrand mit klassischem Startmenü (Abbildung 1).
Durch den Mix aus Budgie-Desktop, Gnome-Unterbau und dem Plank-Panel am linken Bildschirmrand verteilen sich die Einstellungen auf drei getrennte Programme. Die wichtigsten Konfigurationen wie etwa den WLAN-Zugang oder die Darstellungen nehmen Sie in der Anwendung Einstellungen vor, die aus dem Gnome-Fundus übernommen wurde. Details zum Budgie-Desktop passen Sie in den Budgie Desktop Einstellungen an, und auch für das Plank-Dock gibt es mit den Plank Preferences ein gesondertes Konfigurationsprogramm (Abbildung 3)

Abbildung 3: Die Einstellungen verteilen sich auf drei Programme. Der Autostart des Plank-Docks lässt sich in den Budgie Desktop Einstellungen deaktivieren.
Um Anwendern die Installation von Linux auf Tuxedo-Geräten zu erleichtern, bietet das Unternehmen mit WebFAI [3] eine eigene Installationsroutine an. Das Programm lässt sich über einen Installer auf einen USB-Stick kopieren (Abbildung 4). Vom Stick gebootet, bietet das System dann die Installation der von Tuxedo unterstützten Systeme an. Dazu zählen neben den bereits erwähnten Ubuntu-Spielarten auch OpenSuse und Elementary OS. Das entsprechende Installationsmedium zieht der Assistent automatisch aus dem Netz.

Abbildung 4: Mithilfe des TUXEDO WebFAI Creator erstellen Sie einen USB-Stick, über den sich das System automatisiert wiederherstellen lässt.
Tuxedo mit Ubuntu 22.04 LTS
Pünktlich Mitte April stellte Canonical, das Unternehmen hinter Ubuntu, mit der Version 22.04 “Jammy Jellyfish” seine neueste LTS-Version vor. In dieser Variante mit Langzeitunterstützung, die alle zwei Jahre neu erscheint, stellt Canonical Sicherheitsaktualisierungen und Updates zentraler Applikationen über fünf Jahre hinweg bereit. Normale Ubuntu-Versionen erhalten dagegen nur neun Monate lang Updates, danach müssen Nutzer auf die nächste Ubuntu-Version wechseln, die alle sechs Monate herauskommt.
Bei Tuxedo OS haben die Entwickler nicht lange gefackelt: Das auf Ubuntu 22.04 basierende Tuxedo OS stand kurz nach dem Release von Ubuntu selbst zum Herunterladen bereit [6]. Neue Tuxedo-Geräte werden in Zukunft mit dem “Jammy”-basierten System ausgeliefert, wobei Laptops den Anfang machen. Optional lässt sich das überarbeitete Tuxedo OS über das WebFAI-System aufspielen oder eine bestehende Installation aktualisieren. Tuxedo stellt dafür im Netz eine ausführliche Anleitung bereit [7].
Grafikpower
Im Gegensatz zu Intel verbaut AMD in seinem für mobile Geräte gedachten Ryzen-Chipsätzen auch Grafikchips, die ihrem Namen durchaus gerecht werden. Sie zeichnen nicht nur den Linux-Desktop mitsamt Animationen flüssig auf den Bildschirm, sondern ermöglichen auch die ruckelfreie Darstellungen von modernen Spielen – allerdings nicht in den höchsten Detailstufen und Auflösungen [4]. Im Superposition-Benchmark von Unigine [5] erzielte unser Testgerät mit einem AMD Ryzen 7 4800U und Vega-8-Grafik bei einer Auflösung von 1080p und mittleren Details 2413 Punkte.
Dabei zeichnete das System im Schnitt ruckelige 18,02 Frames pro Sekunde (min.: 15,54 fps, max.: 22,45 fps). Erst ab einer Framerate von 25, besser 30 Bildern pro Sekunde kann das Auge die Einzelbilder nicht mehr auflösen. Bei gleicher Detailtiefe, aber mit 720p-Auflösung, wusste das System mit 4113 Punkten und ruckelfreien 30,74 fps zu überzeugen (min.: 25,64 fps, max.: 39,76 fps). Damit hängt das System keinen ausgewachsenen Spielerechner ab, braucht sich in Sachen Grafikleistung aber auch nicht zu verstecken.
Für ausreichende Kühlung sorgt beim Nano Pro Gen11 ein temperaturgeregelter Lüfter, der ohne Last flüsterleise läuft. Unter längerer Volllast dreht der Quirl merklich hoch, ohne jedoch störende Geräusche zu produzieren. Im Büroalltag mit Webbrowser oder LibreOffice geschieht das jedoch nicht. Gezielt steuern lässt sich der unter dem Deckel angebrachte Lüfter nicht; das vorinstallierte Tuxedo Control Center erlaubt es jedoch, die Taktfrequenz der CPU zu limitieren und so das Hochdrehen zu minimieren (Abbildung 5).

Abbildung 5: Das Tuxedo Control Center liefert Informationen zum Systemzustand und erlaubt die Taktraten der CPU zu begrenzen, sodass das System kühler bleibt.
Fazit: Kleines Kraftpaket
Im unserem Test erwies sich der Tuxedo Nano Pro Gen11 als kompakter Alleskönner mit bewährtem Linux-Support. Das Gerät ist klein und leise genug, um auf dem Schreibtisch im Homeoffice nicht weiter zu stören. Trotzdem bietet der Ryzen-Chipsatz von AMD besonders in der Variante mit dem Ryzen 7 4800U genug Rechenleistung und Grafik-Power, um ein paar Videos zu schneiden oder ein modernes 3D-Spiel zu laden. Dabei dreht der Lüfter merklich auf, der Rechner bleibt aber trotzdem noch leise genug.
Der Support von Tuxedo arbeitet schnell und unkompliziert. Eine Inkompatibilität mit dem Kernel von Ubuntu 20.04 wurde im Dialog mit dem Support-Mitarbeiter schnell behoben, und die Entwickler von Tuxedo OS stellen das auf den Unterbau von Ubuntu 22.04 aktualisierte Betriebssystem innerhalb von zwei Wochen zur Verfügung. Damit erhält der Nano Pro Gen11 bis Ende 2029 individuell angepasste Sicherheitsaktualisierungen und Software-Updates. (cla)
Infos
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Tuxedo Nano Pro Gen11: https://www.tuxedocomputers.com/de/Linuxhardware/Linux-Computer-/-PCs/AMD-Systeme/TUXEDO-Nano-Pro-Gen11.tuxedo
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Solus: https://getsol.us
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Tuxedo WebFAI: https://www.tuxedocomputers.com/TUXEDO-WebFAI.tuxedo
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“AMD Ryzen 7 4800U Vega 8 Gaming Test”: https://www.youtube.com/watch?v=aa-IN3eBdyg
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Unigine Superposition: https://benchmark.unigine.com/superposition
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“Wie ein (Jelly-)Fisch im Wasser: Tuxedos mit Ubuntu 22.04 LTS”: https://www.tuxedocomputers.com/de/Infos/News-Blog/Wie-ein-Jelly-Fisch-im-Wasser-TUXEDOs-mit-Ubuntu-22-04-LTS.tuxedo
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“Upgrade auf Ubuntu 22.04 LTS und Tuxedo OS”: https://www.tuxedocomputers.com/de/Infos/Hilfe-Support/Anleitungen/Upgrade-auf-Ubuntu-22-04-LTS-und-TUXEDO-OS.tuxedo





