Sie wollten schon immer einmal eine spektakuläre Achterbahn mit drei Loopings entwerfen? Dann ist das Strategiespiel Parkitect genau das Richtige für Sie.
Die beschauliche Bootstour zieht kaum noch Kunden an, und das Karussell am Eingang des Vergnügungsparks hat schon bessere Zeiten hinter sich. Um mehr Gäste anzulocken, braucht es eine neue, spektakuläre Achterbahn.
Die lässt sich allerdings nicht so einfach unbedarft in die Landschaft setzen: Zum einen dürfen die Wagen nicht aus Geschwindigkeitsmangel auf der Strecke stehenbleiben, zum anderen sollten in den Kurven nicht zu hohe und somit unangenehme Fliehkräfte auf die Fahrgäste wirken. Große Achterbahnen verschlingen zudem ziemlich viel Geld, kleinere Ausführungen sind jedoch weniger aufregend.
Als wären die Probleme noch nicht genug, möchte schon seit einer ganzen Weile niemand mehr am Getränkestand die leckeren Softdrinks erwerben. Da könnte man jedoch ein klein wenig nachhelfen, indem man den Salzgehalt der direkt gegenüber verkauften Brezeln deutlich erhöht. Dummerweise drohen dort gerade die Zutaten auszugehen. In die Bresche springt ein kurzfristig eingestellter Botenjunge, der das Laugengebäck vom Wirtschaftshof zum Verkaufsstand transportiert.
Idealerweise erfolgt die Zustellung über einen eigenen Weg, der hinter Bäumen versteckt von den Besuchern nicht zu sehen ist. Die hassen nichts mehr als einen Blick auf den Betrieb hinter den Kulissen. Zu allem Überfluss mischen gerade am Ende des Parks einige Rowdys die Gäste auf. Ein kurzerhand neu eingestellter Aufseher sollte dort jedoch zuverlässig für Ruhe sorgen.
Auf der grünen Wiese
Das Entwicklerstudio Texel Raptor bietet das Strategiespiel Parkitect [1] für rund 25 Euro auf Steam [2], bei Gog.com [3] und im Humble Store an [4]. In den beiden letztgenannten Online-Shops erhalten Sie eine kopierschutzfreie Version. Der Erwerb auf Steam setzt zudem die Installation des Steam-Clients voraus. Wer im Humble Store kauft, erhält zudem einen Schlüssel, mit dem er das Spiel zusätzlich auf Steam freischalten darf. In jedem Fall liegt Parkitect sowohl in einer 32- als auch einer 64-Bit-Fassung vor.
In Parkitect schlüpfen Sie in die Rolle des Betreibers eines Vergnügungsparks. Der darf auf einer schönen grünen Wiese nach eigenen Vorstellungen seinen ganz persönlichen Park bauen. Aufgrund des begrenzten Budgets muss er dazu jedoch erst einmal auf altbekannte, günstige Fahrgeschäfte wie ein Riesenrad oder ein Karussell zurückgreifen. Die sind schnell auf dem Rasen platziert, hinzu kommen jeweils ein Eingang samt Warteschlange sowie ein Ausgang.
Die Attraktionen verbindet man noch mit dem Hauptweg und garniert die Umgebung mit ein paar Deko-Artikeln, wie etwa zu hübschen Figuren geschnittenen Bäumen. Für die Wartung der Fahrgeschäfte sorgt ein Techniker; ein paar Animateure in Dinosaurier-Kostümen heben an den langen Warteschlangen die Laune der Gäste.
|
Entwickler |
Texel Raptor |
|
Lizenz |
kommerziell |
|
Preis |
24,99 Euro |
|
Voraussetzungen |
Ab dem Jahr 2016 erschienene Linux-Distribution, Intel Core i3 mit 2,3 GHz oder schneller, mindestens 4 GByte RAM, Grafikkarte kompatibel zum Shader Model 3.0 (erfüllen alle modernen Karten) |
Klingelnde Kassen
Geld verdient der Parkbetreiber zum einen durch den Eintritt, zum anderen kann man die Gäste noch einmal für jede einzelne Fahrt zahlen lassen. Dabei darf man jedoch nicht zu weit gehen: Empfinden die Besucher die Kosten als zu hoch, kehren sie der Attraktion oder gar dem Park den Rücken (Abbildung 1). Folglich sollte man die Gäste nur bei besonders beliebten Fahrgeschäften zur Kasse bitten.

Abbildung 1: Sobald man einen Gast anklickt, verrät das sich öffnende Fenster unter anderem, wie viel Geld er im Park ausgegeben hat und welches Fahrgeschäft er besonders mag.
Eine weitere Einnahmequelle sind Verkaufsstände, allen voran die Imbiss- und Getränkebuden. Die Zusammensetzung der Nahrungsmittel darf man in Grenzen selbst bestimmen (Abbildung 2), muss dabei aber ebenfalls immer auf die Folgen achten. So kurbeln zwar die salzigen Brezeln den Getränkeverkauf an, versalzenes Laugengebäck könnte den Besuchern jedoch nicht schmecken, was sich direkt negativ auf das Geschäft auswirkt.

Abbildung 2: Bei diesem Imbiss dürfen Sie die Zusammensetzung des Burgers regeln. Auf diese Weise lassen sich etwa ein paar Cent bei der Soße sparen, was jedoch Auswirkungen auf die Kunden hat. Die Linien zeigen an, woher der Imbiss seine Waren erhält.
Die leeren Getränkebecher und andere Abfälle entsorgen die Gäste in den dafür vorgesehenen Papierkörben – sofern man solche rechtzeitig aufgestellt hat. Für die Notdurft der Besucher müssen zudem Toiletten her. Einige unachtsame Gäste lassen dennoch ihren Abfall einfach auf den Boden fallen, was anderen Besuchern verständlicherweise negativ aufstößt. Für Sauberkeit auf den Wegen sorgt deshalb ein eigens dafür eingestellter Hausmeister.
Die Besucher sind zudem immer auf der Suche nach der perfekten Illusion. Die wiederum wird unweigerlich zerstört, wenn die Gäste freien Blick auf ein Wirtschaftsgebäude erhalten oder ihnen ständig Botenjungen über den Weg laufen. Letztere transportieren unablässig die Waren zu den jeweiligen Verkaufsständen. Bleibt der Nachschub aus, können die Stände ihren Kunden in der entsprechenden Zeit keine Brezeln, Getränke oder Hamburger mehr anbieten und somit keine Einnahmen generieren.
Idealerweise legt man daher spezielle Versorgungswege an, die auf der Rückseite der Verkaufsstände verlaufen und die man in Richtung Hauptweg mit Zäunen, Hecken oder anderen netten Dekorationen kaschiert. Wer genug Kleingeld auf dem Konto hat, darf die Lieferwege sogar unter die Erde verlegen und somit komplett aus den Augen der Besucher verbannen.
Schneller, höher, weiter
Um möglichst viele Gäste anzulocken, müssen große publikumswirksame Attraktionen her. Die erfindet eine eigene Forschungsabteilung, die für ihre Arbeit allerdings regelmäßige geldwerte Zuwendungen erwartet. Insgesamt gilt es, über 70 Fahrgeschäfte zu entdecken, darunter Schiffschaukeln, ein Teetassen-Karussell und Wildwasserbahnen. Als Kundenmagnet erweisen sich vor allem spektakuläre Achterbahnen.
In Parkitect darf der Spieler diese Attraktionen komplett selbst gestalten und verlegen. Wie mit einem Lego-Baukasten setzt er dazu Geraden, Kurven, Loopings und Steigungen aneinander (Abbildung 3). Dabei muss er stets die Physik im Auge behalten: Fährt der Wagen zu langsam, schafft er womöglich den Looping nicht. Eine zu hohe Geschwindigkeit wiederum produziert starke G-Kräfte, die sich dann negativ auf die Fahrgäste auswirken (Abbildung 4).

Abbildung 3: Achterbahnen und ähnliche Fahrgeschäfte klickt man einfach zusammen: Im linken Menü wählt man die gewünschte Schiene, Bauen fügt sie dann ein.

Abbildung 4: In dieser speziellen Darstellung markiert das Spiel die in Längsrichtung auf die Fahrgäste einwirkenden G-Kräfte rot und blau. Wie hier ebenfalls gut zu erkennen ist, darf die Achterbahn sogar unterirdisch verlaufen.
Parkitect misst sogar die Zeit, in der sich die Insassen der Achterbahn für einen kurzen Moment im Looping schwerelos fühlen. Diese sogenannte Air-Time wirkt sich positiv auf die Beliebtheit der Bahn aus. Über entsprechende Rampen und Bremssysteme lässt sich die Geschwindigkeit passend regulieren. Jedes Teilstück der Achterbahn kostet zudem Geld, sodass man die Schienen immer mit Bedacht verlegen sollte.
Herausfordernd
Den Erfolg des Parks veranschaulichen zahlreiche Statistiken und das stetig zunehmende Gewusel auf den Wegen. Vor beliebten Fahrgeschäften bilden sich zudem schnell längere Schlangen. Um den dabei steigenden Frust bei den wartenden Gästen in Grenzen zu halten, kann man für jedes Karussell die Fahrtzeiten reduzieren. Zu kurze Fahrtzeiten führen allerdings ebenfalls zu Unmut.
Insbesondere Achterbahnen nehmen viel Platz ein, der trotz der recht großen Wiese irgendwann ausgeht. In solchen Fällen kommt man nicht umhin, Teile des Parks umzubauen oder neue Flächen hinzuzukaufen. Reicht der Betrag auf dem Konto nicht aus, kann man einen Kredit aufnehmen, den es aber auch irgendwann zurückzuzahlen gilt.
Wer mag, darf im sogenannten Sandkastenmodus einfach den Park seiner Wünsche aufbauen (Abbildung 5). Alternativ steht eine Kampagne bereit, die dem Spieler nach und nach unterschiedliche Aufgaben stellt. So muss er etwa auf einer kleinen Wiese innerhalb eines Jahres 200 Besucher anlocken oder auf einem ehemaligen Flughafen einen funktionierenden Freizeitpark aufbauen.

Abbildung 5: Der Szenario-Editor erstellt anhand der vorgegebenen Parameter ein Gelände. Anschließend müssen Sie nur noch die Rahmenbedingungen vorgeben und können anschließend in Ruhe Ihren Freizeitpark errichten.
Letzteres gestaltet sich als Herausforderung, da man nur auf der Landebahn bauen darf und das bestehende Terminal nebst den übrigen Gebäuden erhalten muss. Als Bonus liegen dem Spiel noch mehrere fertige Parks bei, die der Spieler erweitern, pflegen oder umbauen darf.
Fazit
Parkitect ist sichtlich vom bereits 1994 veröffentlichten Klassiker Theme Park inspiriert [5]. Das Spielprinzip hat jedoch nichts von seiner süchtigmachenden Faszination verloren. Wer einmal seinen Park eröffnet hat, feilt stundenlang an den Eintrittsgeldern, dem Salzgehalt der Brezeln und an einer möglichst spektakulären Achterbahn. Die knuffige Grafik (Abbildung 6) lädt dazu ein, die einzelnen Besucher einfach eine Weile zu beobachten.

Abbildung 6: Hin und wieder regnet es im Park. Das sorgt dann nicht nur für hübsche Lichteffekte, ein Verkaufsstand mit Regenschirmen spült dann auch Geld in die Kasse.
Durch die vielen Gestaltungsmöglichkeiten und die Abhängigkeiten verliert man jedoch bei größeren Parks leicht den Überblick. Die Lernkurve ist zudem ziemlich flach: Das recht kurze Tutorial führt nur schnell in die wichtigsten Grundkonzepte ein. Darüber gerät die Steuerung aufgrund der Fenster mit ihren vielen Registern etwas unübersichtlich. Der erste eigene Park dürfte daher noch wenig optimal ausfallen. Schade ist zudem, dass man in den selbst konstruierten Achterbahnen nicht mitfahren kann.
Die Aufgaben der Kampagne sind jedoch abwechslungsreich gestaltet, ihr Schwierigkeitsgrad steigt im genau richtigen Maß an. Der Sandkastenmodus empfiehlt sich vor allem an langen verregneten Winter- und Frühlingsabenden. Unter dem Strich ist Parkitect ein umfangreiches Strategiespiel mit Tiefgang, das den nächsten Freizeitparkbesuch mit anderen Augen erleben lässt. (jlu)
Infos
-
Parkitect: https://themeparkitect.com/
-
Parkitect auf Steam: https://store.steampowered.com/app/453090/Parkitect/
-
Parkitect bei Gog.com: https://www.gog.com/game/parkitect
-
Parkitect im Humble Store: https://www.humblebundle.com/store/parkitect
-
Artikel zu Theme Park in der Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Theme_Park





