Editorial 09/2019

Aus LinuxUser 09/2019

Editorial 09/2019

Saure Gurken

Im diesjährigen Sommerloch fallen die News aus der IT-Welt wieder einmal weitgehend zum Kopfschütteln aus. Nur das positive Feedback der LinuxUser-Leser zum Heft und die Erfüllung eines lang gehegten Wunschs retten Chefredakteur Jörg Luther davor, angesichts dessen in Depressionen zu verfallen.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Sommerzeit, das ist Saure-Gurken-Zeit – so bezeichnet man bekanntlich die nachrichtenarmen Wochen des Sommers, in denen auf den Seiten der Zeitungen häufiger als sonst nebensächliche und kuriose Meldungen erscheinen. Auch ich habe mich beim Tippen dieses Editorials Anfang August schwer getan, aus den diversen Neuigkeiten in den elektronischen Medien ein Thema zu fischen, aus dem sich ein schönes Meinungsstück zusammenstellen lässt. Es war kaum etwas dabei, was man nicht schon gewusst, zumindest geahnt oder auch schon konkret befürchtet hätte.

Das Entwicklerportal Github, schon vor einiger Zeit von Microsoft aufgekauft, dreht ausländischen Entwicklern auf Anweisung der US-Behörden den Zugang zu ihrem eigenen Code ab; das kommt davon, wenn man dummerweise im Iran, auf Kuba, in Syrien oder auf der Krim arbeitet [1]. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gibt regelmäßig fragwürdige Meldungen heraus, die Sicherheitslücken insbesondere in freier Software systematisch übertrieben darstellen, wie dieser Tage einmal wieder anhand einer Wir-werden-alle-sterben-Advisories zum freien Mediaplayer VLC auffiel [2].

Apple, Amazon und Google hören über ihre “Sprachassistenten” deren Benutzer ab und lassen ihre Mitarbeiter die Mitschnitte zur Erheiterung – pardon, natürlich zur “Verbesserung der Dienste” – anhören [3]. Statt diesen skandalösen Praktiken sofort und entschieden einen Riegel vorzuschieben, möchte Vater Staat lieber gleich mitlauschen und wähnt sich auch schon im Besitz der Berechtigung, via Alexa, Echo und Siri jedes Wohn- und Schlafzimmer abzuhören [4].

Zu solchen Neuigkeiten erübrigt sich eigentlich jeder Kommentar. Stattdessen nutze ich die Gelegenheit lieber, um mich bei Ihnen für Ihr äußerst positives Feedback zu der in meinem letzten Editorial vorgestellten Änderung an der Heftausstattung zu bedanken. Mit einer statt mit zwei Heft-DVDs kann offensichtlich die überwiegende Mehrzahl unter Ihnen bestens leben und kommt mit dem neuen Download-Angebot gut zurecht.

Hinsichtlich meiner Anmerkung, dass nur diese Maßnahme es uns weiter erlaubt, den in meinen Augen sehr hohen Heftpreis stabil zu halten, machte mich ein Leser sogar auf eine Tatsache aufmerksam, die ich so auch nicht mehr auf dem Radar hatte: Tatsächlich ist die No-Media-Edition [5] von LinuxUser mit einem Copy-Preis von 5,95 Euro die günstigste Linux-Zeitschrift auf dem deutschen Markt. Mangels Nachfrage liegt sie allerdings seit geraumer Zeit nicht mehr am Kiosk, sondern lässt sich nur noch als Einzelbestellung oder im Abonnement erwerben.

Dass die meisten von Ihnen zumindest einen beiliegenden Datenträger goutieren, kann ich auch persönlich gut nachempfinden: Zumindest eine der beiden Heft-DVDs schleppe ich jeden Monat für eigene Zwecke nach Hause. Aus dieser Ausgabe hat es mir Refracta Linux (siehe Artikel ab Seite 12) besonders angetan. Kompakt, perfekt personalisierbar und selbst auf älteren Rechnern flott – das ist genau das, was ich mir schon lange für ein Überall-dabei-Linux auf einem USB-Stick wünsche. Probieren Sie es doch auch einmal aus!

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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