Falls Ihr Linux-System sie nervt, dann versuchen Sie doch einfach einmal, einen Rechner mit Windows 10 einzurichten, empfiehlt Chefredakteur Jörg Luther.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
oft hilft einem unverhofft ein kurzer Blick über den Tellerrand dabei, eine durch Betriebsblindheit aus der Balance geratene Perspektive wieder zurechtzurücken. Als Anwender, der privat wie beruflich nur Linux einsetzt, finde ich immer wieder etwas an diesem Betriebssystem im Allgemeinen oder einer Distribution im Besonderen auszusetzen. Systemd nervt, die ein oder andere Anwendung läuft nicht wie gewünscht, Wayland macht Fernzugriffe unnötig kompliziert, die Software ist zu alt (oder zu neu), und überhaupt war früher alles besser. So scheint es zumindest, bis besagter Blick über den Tellerrand einen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt.
Ein solcher Aha-Effekt stellte sich bei mir vor einigen Wochen ein, als einer meiner Söhne sich einen neuen Laptop kaufte. Mit dem Gerät unter dem Arm, stolzgeschwellter Brust und einer Freundin als Begleitung trudelte er auf der heimischen Terrasse ein, wo ich gerade den Feierabend genoss. Er ließ sich gemütlich nieder, packte seine Neuerwerbung aus, und bootete den Rechner. Nun stand das Einrichten von Windows 10 an, wohlgemerkt: nur das Einrichten, das Microsoft-Betriebssystem war ja bereits vorinstalliert. Ich lehnte mich derweil entspannt im Gartenstuhl zurück – den familiären Windows-Support habe ich bereits vor Jahren offiziell eingestellt – und wartete mit Neugier darauf, was nun passieren würde.
Über das, was dann in der nächsten halben Stunde folgte, würde man eigentlich den gnädigen Mantel des Schweigens breiten wollen. Das ließ jedoch Windows 10 nicht zu, dessen “Assistent” Cortana während der gesamten Zeit ungezügelt und wasserfallartig vor sich hinplapperte. Mit honigsüßer Frauenstimme und der Beharrlichkeit einer Dampfwalze versuchte die Konfigurationsroutine während der Prozedur im Minutentakt beharrlich, meinem Filius persönliche Daten zu entlocken. Ich habe mitgezählt: Allein acht Mal wollte Cortana partout die Standortdaten erfragen, obwohl der Junior deren Herausgabe bereits beim ersten Mal abgelehnt hatte. Nach rund 30 Minuten war Windows 10 dann eingerichtet, mein Sohn schwer und seine (durchaus computeraffine) Begleitfee leicht entnervt, und ich um eine Erfahrung reicher.
Sollte ich an dieser Stelle jemals wieder an einer Distribution herummäkeln, kommen Sie doch bitte digital oder persönlich vorbei und zupfen Sie mich kräftig am Ohr: In 30 Minuten könnte ich mindestens zwei Rechner mit Linux einrichten, das Setup würde mich nur ein paar Mausklicks kosten, und es liefe so still ab, dass ich es sogar in einer Kirche während des Gottesdiensts erledigen könnte. Private Daten blieben dabei komplett außen vor. Klar: Auch Linux hat seine Macken, und man kann und darf sie auch ansprechen. Über eines sollte man sich dabei aber immer im Klaren sein: Das ist alles Jammern auf hohem Niveau.
Wenn Sie die Probe aufs Exempel machen möchten, dann installieren Sie doch einfach mal eine der sechs Distributionen, die Sie auf der Heft-DVD dieser Ausgabe finden. Drei davon zählen zu den “Großen”, die drei anderen könnte man als mehr oder weniger experimentell bezeichnen. Sie werden feststellen, dass ein Windows egal welcher Versionsnummer keiner davon das Wasser reichen kann, weder hinsichtlich der Installation noch im Betrieb. Versprochen.
Herzliche Grüße,
Jörg Luther
Chefredakteur




Ich sage nur Updates unter Windows…
Oh wie wahr.!!
Habe es am eigenem Leib erlebt .