Canons neuer CanoScan LiDE 400 im Linux-Test

Aus LinuxUser 01/2019

Canons neuer CanoScan LiDE 400 im Linux-Test

© Canon Deutschland GmbH

Ausgebremst

Canon stellt mit dem CanoScan LiDE 300 und LiDE 400 zwei neue Flachbettscanner mit offiziellem Linux-Support vor. Der weist in der Praxis jedoch noch Lücken auf.

Plug & Play, also: anstecken und loslegen – so bewerben viele Hersteller ihre Hardware. Besonders unter Windows muss man in der Regel jedoch erst einmal die CD auspacken und die nötigen Treiber installieren. Anders unter Linux: Hier sorgt der Kernel von Haus aus für die Unterstützung zahlreicher Peripheriegeräte, zusätzliche Treiber des Herstellers sind eher die Ausnahme als die Regel.

Während man also viele ältere Scanner unter Linux einfach nur anstecken muss (während sie unter aktuellen Windows-Versionen mangels Treiber streiken), bleiben moderne Scan-Geräte oft ohne Funktion. Aus diesem Grunde erfreut es sehr, dass Canon bei seinen aktuellen Modellen CanoScan LiDE 300 und 400 Linux ganz offiziell unterstützt [1].

CanoScan LiDE 400

Canon bietet die neuen LiDE-Modelle für 79 Euro (LiDE 300) und 99 Euro (LiDE 400) an. Das Top-Modell scannt Dokumente und Bilder mit bis zu 4800 x 4800 dpi. Für eine farbige DIN-A4-Seite benötigt das Gerät bei 300 dpi dabei laut Canon lediglich 8 Sekunden. Um die dabei anfallende Datenmenge möglichst schnell an den PC zu leiten, besitzt der LiDE 400 eine USB-C-Schnittstelle nach USB 3.0, über die er auch die Betriebsspannung bezieht.

Die günstigere Variante LiDE 300 liest Vorlagen nur mit maximal 2400 x 2400 dpi ein und arbeitet zudem ein wenig langsamer. Canon gibt eine Scan-Dauer von 10 Sekunden für eine farbige DIN-A4-Vorlage bei 300 dpi an. Anders als das Top-Modell verfügt der LiDE 300 nur über eine USB-2.0-Schnittstelle; zudem fehlt ein Ständer, um das Gerät hochkant aufzustellen. Auf der Vorderseite besitzt der LiDE 300 nur 4 statt 5 Tasten (Scan als PDF, Autoscan, Kopieren, Senden).

Installation unter Linux

Für den Test steht ein CanoScan LiDE 400 zur Verfügung. Ein erster Blick in die vom USB-Stack gelieferten Informationen nährt die Hoffnung, dass Linux den Scanner ohne weitere Nacharbeiten unterstützt (Listing 1). Die Hoffnung zerschlägt sich allerdings beim Versuch, das Gerät über das für das Scannen unter Linux zuständige Werkzeug Sane [2] anzusprechen: Die Ausgabe bei scanimage -L bleibt leer – nicht verwunderlich, führt Sane den Scanner auch noch nicht bei den offiziell unterstützten Geräten [3].

Listing 1

$ lsusb | grep Canon
Bus 001 Device 011: ID 04a9:1912 Canon, Inc.
$ sudo sane-find-scanner | grep Canon
found USB scanner (vendor=0x04a9 [Canon], product=0x1912 [LiDE 400]) at libusb:001:011

Um den LiDE nun unter Linux zum Laufen zu bekommen, müssen Sie die von Canon zum Herunterladen angebotene Software ScanGear MP installieren [4]. Canon liefert das Programm in Form von RPM- und DEB-Paketen für 32- und 64-Bit-Systeme aus. Zudem gibt es ein Archiv mit dem Quelltext der Anwendung; die Installation erfolgt dann über das Terminal. Listing 2 demonstriert dies auf einer Debian-basierten Distribution wie Ubuntu.

Listing 2

$ tar xzf scangearmp2-Version-deb.tar.gz
$ cd scangearmp2-Version-deb/
$ sudo ./install.sh

Nach Abschluss des Installationsskripts finden Sie den neuen Eintrag ScanGear**MP im Anwendungsmenü des Systems. Beim Start sucht ScanGear MP im System nach einem kompatiblen Scanner; ein Klick auf Ok führt dann in die eigentliche Anwendung. Die Suche lässt sich nicht überspringen, auch wenn Sie das Programm schon mehrfach gestartet haben.

TIPP

Anwender mit Arch Linux oder einem Arch-Derivat wie Manjaro oder Antergos müssen die ScanGear-Software nicht von Hand laden: Die Distribution hält das Programm über das Arch User Repository AUR bereit, wo sich der entsprechende Eintrag scangearmp2 nennt.

Abgespeckte Scan-Werkzeuge

ScanGear MP präsentiert sich sehr aufgeräumt: Als Einstellungen finden sich lediglich Scan- und Farbmodus, Quelle sowie Papierformat. Mangels Einzelblatteinzug beschränkt sich die Auswahl des Scan-Modus auf Auflage. Bei der Quelle lässt sich zwischen Foto und Dokument unterscheiden – im Dokumenten-Modus verstärkt ScanGear MP den Kontrast, sodass Texte dunkler erscheinen. Im Farbmodus bietet die Anwendung die Wahl zwischen Farbe und Graustufen (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Linux-Version des Canon-Scan-Programms belässt es bei den grundlegenden Funktionen. Eine Vorschau fehlt ebenso wie die Möglichkeit, nur einen bestimmten Ausschnitt zu scannen.

Abbildung 1: Die Linux-Version des Canon-Scan-Programms belässt es bei den grundlegenden Funktionen. Eine Vorschau fehlt ebenso wie die Möglichkeit, nur einen bestimmten Ausschnitt zu scannen.

Ein Klick auf Scannen (JPEG) beziehungsweise Scannen (PDF) öffnet einen Dateidialog, in dem Sie den Speicherort und den Dateinamen eingeben; danach startet umgehend der Scan-Vorgang. Nach wenigen Sekunden liegt das Dokument auf der Festplatte. Im Mittel benötigte der LiDE 400 im Test, inklusive eines kurzen Augenblicks für das Kalibrieren, etwa 11 Sekunden für ein farbiges DIN-A4-Dokument (getestet an einem Core-i7-Gerät mit USB-3.0-Anschlüssen).

Eine Vorschau oder die Möglichkeit, nur einen Ausschnitt zu scannen, gibt es nicht: Diese Funktionen finden sich nur in der Windows-Version des Programms (Abbildung 2). ScanGear MP fehlt selbst eine Option, die Auflösung der Scans zu ändern. Sämtliche Scan-Vorgänge erledigt das Programm mit 300 dpi. Die volle Auflösung von 4800 dpi lässt sich somit unter Linux nicht nutzen.

Abbildung 2: Um den vollen Funktionsumfang und die maximale Auflösung von 4800 dpi nutzen zu können, benötigen Sie ein Windows-System. Die Linux-Version von ScanGear MP beschränkt den Scanner auf 300 dpi.

Abbildung 2: Um den vollen Funktionsumfang und die maximale Auflösung von 4800 dpi nutzen zu können, benötigen Sie ein Windows-System. Die Linux-Version von ScanGear MP beschränkt den Scanner auf 300 dpi.

Die Qualität der Scans entspricht den Erwartungen an ein aktuelles Gerät: Sowohl Texte aus einer Zeitung und Dokumente aus dem Laserdrucker als auch farbiges Material wie Bilder aus Zeitschriften, Plattencover oder ausbelichtete Fotos liest der Scanner sauber und ohne Störungen ein.

Fazit

Canon hält das Versprechen, dass der CanoScan LiDE 400 unter Linux funktioniert – wenn auch nur bedingt. Dem hauseigenen Scan-Werkzeug ScanGear MP fehlen essenzielle Funktionen, wie eine Vorschau oder die Wahl der Auflösung. Unter Linux arbeitet das Gerät somit nur mit einer Auflösung von 300 dpi, wodurch es sich als hochauflösender Fotoscanner disqualifiziert. Auch andere Funktionen, wie die Bedienknöpfe auf der Vorderseite, funktionieren nur unter Windows.

Aufgrund der noch fehlenden Unterstützung durch Sane lässt sich das Manko durch Linux-Tools wie XSane oder Simple Scan derzeit noch nicht ausgleichen. Zudem beschränkt sich der Linux-Support von Canon auf die x86-Plattform; auf ARM-Geräten wie dem Raspberry Pi lässt sich das Scan-Programm von Canon nicht installieren. Somit scheidet auch die Möglichkeit aus, den RasPi zusammen mit dem LiDE 400 zu einem leistungsfähigen Scan-Server [5] auszubauen. 

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4 Kommentare
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Nope
7 Jahre her

Hallo. X-sane listet die Scanner nun in der Development-Version als complete. Backend: pixma (0.21.1).

Wolfgang Jahn
6 Jahre her

Blamable Leistung von Canon.

Nelloz
6 Jahre her

Es gibt ein Ubuntu-Package von Rolf Bensch. Mit dem funktioniert der Scanner mit Sane und bei mir auch mit Simple Scan mit Wahlmöglichkeit der Auflösung und allen anderen Features. Danke Rolf!

https://launchpad.net/~rolfbensch/+archive/ubuntu/sane-git

Spuffler
6 Jahre her

This article was found to be accurate on 2020 04 23. Note that although declared as supported, scanimage -L and scanimage -T do not find LiDE400 when it is listed under LSUSB. Hence, we need Canon software.

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