Klassische Karten funktionieren immer, denn Sie brauchen keinen Strom. Wer aber die Datenfülle des OpenStreetMap-Projekts richtig ausschöpft, der mag die digitale Karte nicht mehr missen, meint Redakteur Christoph Langner.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
als ich kurz nach der Jahrtausendwende mit dem Rennradfahren anfing, gab es keine Routenplaner im Netz. Ausfahrten oder Touren plante ich anhand von Straßen- und Wanderkarten, mit etwas Glück fanden sich Webseiten mit Tourenvorschlägen. Eine Garantie auf die empfohlenen Routen gab es jedoch nicht.
Eine spontan und ohne weitere Vorbereitung gefahrene Runde über in der Empfehlung angegebene 60 Kilometer entpuppte sich am Ende als kleiner Marathon von mehr als 100 Kilometern. Sonntags und ohne Geld gestrandet, blieb mir damals nichts anderes übrig, als den Hungerast zu ignorieren und auf dem Zahnfleisch nach Hause zu rollen.
Moderne Outdoor-Routenplaner ersparen Ihnen solche Abenteuer: Klick für Klick erstellen Sie damit Ihre Tour, eine passende App auf dem Smartphone oder ein moderner Fahrradcomputer führen dann ohne Umwege zum Ziel.
Kommerzielle Anbieter solcher Navigations-Dienste nutzen meist eigenes Kartenmaterial, binden allerdings oft OpenStreetMap mit ein. Meist bietet diese gegenüber den proprietären Karten einen für Radler ganz entscheidenden Vorteil: Neben dem Straßentyp (Feldweg, Radweg oder Landstraße) enthält die OSM auch Angaben über den Straßenbelag oder die Qualität eines Singletrails. Der Artikel “OSM-basierte Online-Dienste” ab Seite 42 dieser Ausgabe stellt Ihnen eine Reihe dieser nützlichen OSM-Dienste vor.
So erkennen Sie bereits während der Routenplanung, ob die idyllische Radroute durch den Wald doch etwa über groben Schotter führt – und somit für dünne Rennradreifen eher ungeeignet wäre – oder die Abfahrt über einen mit S 2 oder S 3 eingestuften Singletrail [1] vielleicht doch das eigene Können übersteigt.
Die Fülle an Informationen und Datenpunkten hat zudem ihren Grund: Jeden Tag kommen neue Straßen hinzu, oder werden Straßenbeläge neu gemacht. So gibt es selbst im eigentlich schon komplett kartografierten Europa jeden Tag unzählige Änderungen. Ohne freiwillige Helfer hinkte das digitale Abbild der realen Welt längst hinterher.
Daher ist die OpenStreetMap-Community nach wie vor auch auf Ihre Hilfe angewiesen. Möchten Sie sich beteiligen, helfen ein ausführliches Wiki, Mailinglisten, Chats und Foren beim Einstieg [2]. Kleine Änderungen in der Karte, wie etwa ein geänderter Verlauf eines Wegs aufgrund einer Baustelle oder eines neuen Belags, bewerkstelligen Sie ohne viel Know-how.
Wer gänzlich niederschwellig und ohne viel Aufwand an der OpenStreetMap mitarbeiten möchte, installiert die App StreetComplete [3] auf einem Android-Smartphone. Die Anwendung zeigt fehlende Informationen in der näheren Umgebung als “Mini-Jobs” an, die Sie mit einem kurzem Besuch vor Ort und ein paar Fingerzeigen erledigen.
Mein Dank gilt daher allen Mitgliedern der Community – ob aktiver Mapper oder Programmierer hinter den Kulissen: Ohne Eure Hilfe hätte ich mit Sicherheit nie so tolle Strecken und Orte gefunden.
Herzliche Grüße,
Christoph Langner
Redakteur
Infos
- Singletrail-Skala: http://www.singletrail-skala.de
- Deutsche OSM-Community: https://www.openstreetmap.de/community.html
- StreetComplete: https://play.google.com/store/apps/details?id=de.westnordost.streetcomplete&hl=de



