Editorial 06/2018

Aus LinuxUser 06/2018

Editorial 06/2018

Frühlingsgefühle

Es tut sich was in der Welt der Distributionen. Dabei kommt frischer Wind aus einer Ecke, aus der man ihn nicht unbedingt erwartet hätte, freut sich Chefredakteur Jörg Luther.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

der Frühling ist traditionell Ubuntu-Zeit, denn pünktlich Ende April stellt Canonical alljährlich eine neue Version seiner Distribution auf die Server. Alle zwei Jahre gibt es zu diesem Zeitpunkt eine LTS-Version, also ein Release, für das der Distributor fünf Jahre Support verspricht, statt nur neun Monate wie für die normalen Versionen. In diese Riege zählt auch das aktuelle Ubuntu 18.04 LTS mit dem griffigen Codenamen “Bionic Beaver” [1].

Eine neue langzeitunterstützte Version einer der populärsten Distributionen – das müsste sich doch auch im Distributionsranking auf Distrowatch.com niederschlagen? Weit gefehlt, knapp eine Woche nach der Freigabe sinkt dort Ubuntu sogar in der Popularität [2]. Sieht man sich allerdings den bionischen Biber etwas näher an, nimmt das wenig Wunder: Das aktuelle Ubuntu hat kaum noch etwas von Ubuntu an sich.

Systemd statt Upstart, Wayland statt Mir, Gnome statt Unity – zwar haben die Entwickler den Biber oberflächlich auf Ubuntu gebürstet, doch unter dem Fell bietet er kaum noch ein Alleinstellungsmerkmal, das ihn von einer x-beliebigen Mainstream-Distribution unterscheidet. Hinzu kommen die Microsoft-artigen Attitüden von Canonical, das über die berüchtigten Such-“Scopes” im Dash schon seit 2012 Benutzerdaten an rund 50 Geschäftspartner weiterreichte. Als hätte es nie einen Facebook/Cambridge-Analytica-Skandal gegeben, funkt auch Ubuntu 18.04 wieder munter Telemetrie an Canonical und dessen Freunde – per Opt-out statt Opt-in, der Benutzer muss es also explizit untersagen [3].

Es erstaunt also nicht wirklich, dass Ubuntu und dessen Derivate auf der Popularitätsskala immer weiter abrutschen. Verblüffend ist allerdings, zu welcher Distributionsfamilie viele Benutzer stattdessen greifen: Zu Arch Linux, das (zurecht) als etwas sperrig gilt, weil es ein gerütteltes Maß an Vorkenntnissen und flinke Tippfinger erfordert. Nichtsdestotrotz tummelt es sich schon viele Jahre stabil unter den Top Ten der beliebtesten Distributionen. Ähnlich wie Ubuntu dem Original Debian hat allerdings mittlerweile ein auf mehr Benutzerfreundlichkeit ausgelegtes Derivat Arch den Rang abgelaufen.

Die Rede ist, Sie ahnen es schon von Manjaro, das sich in den letzten fünf Jahren von “ferner liefen” auf mittlerweile Platz 1 der beliebtesten Distributionen vorgearbeitet hat [4]. Die clevere Distribution holt das Beste aus dem Rolling-Release-Prinzip von Arch heraus und erleichtert durch clevere Tools auch den Zugang zur großen, weiten Welt der Arch User Repositories. Damit ist stets aktuelle Software garantiert, ohne dazu mehr oder minder regelmäßige Release-Klimmzüge unternehmen zu müssen.

Mittlerweile hat diese Idee einige Nachahmer gefunden, von denen der Schwerpunkt dieser Ausgabe handelt. Von maximaler Nähe zum Original bis größtmöglichem Benutzerkomfort findet sich dabei alles im Angebot. Eigenen Ausflügen in die Arch-Linux-Welt steht damit nichts mehr im Weg – falls Sie die nicht ohnehin schon längst unternommen haben…

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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Stefan
8 Jahre her

Wer sich die Distrowatch Top100 genauer anschaut, darf feststellen, dass ein paar seltsame Distributionen in den Top 10 stehen.
Wird die Liste von DistributionsMaintainer manipuliert (vorinstallierter Zähler)?

Manjaro kopiert aus nicht nachvollziehbaren Gründen das ganze Repository von Arch. Eine solche Ressourcenverschwendung kann ich nicht gutheißen…

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