Editorial 04/2018

Aus LinuxUser 04/2018

Editorial 04/2018

Schöne neue Welt

Während das Auswärtige Amt Spione via Outlook mit geheimen Dokumenten versorgt, will die Staatsministerin für Digitales uns Flugtaxis und der Industrie unsere Daten verkaufen. Derweil ziehen Meltdown und Spectre weiter ihre Kreise.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wir haben uns kurzfristig entschlossen, das ursprünglich geplante Schwerpunktthema “Geodaten” in die nächste Ausgabe zu verschieben und dafür das dort eigentlich vorgesehene Thema “Security” vorzuziehen. Dafür gab es gleich zwei gute Gründe, die – Sie nicken jetzt schon wissend – auf die Namen Meltdown und Spectre hören.

Zu den bereits bekannten und von den Kernel- und Anwendungsentwicklern schnell blockierten Angriffsvektoren für die beiden Sicherheitslücken wurden inzwischen weitere mögliche Schlupflöcher für Attacken [1] bekannt, die sogar erweiterte Schutztechniken wie Intels Software Guard Extensions (SGX) umgehen [2]. Da der problematische Code fest in Silizium gegossen in fast allen CPUs residiert, werden weitere mögliche Angriffswege und darauf aufsetzende Malware uns auch die nächsten Jahre noch beschäftigen. In einem Artikel ab Seite 14 fasst ein erfahrener Distributionsentwickler den aktuellen Stand der Dinge in Sachen Linux für Sie zusammen und zeigt, wie Sie Ihre Rechnern schützen können.

Ein Angreifer braucht aber keineswegs in Hardware gegossene Sicherheitslücken über ausgefeilte Attacken auszunutzen, um an extrem sicherheitsrelevante Daten zu gelangen. Dazu genügen ihm schon Windows-Rechner als Ziele, die in einem von der T-Systems betriebenen “Hochsicherheitsnetz” der Bundesregierung arbeiten [3]. Zwei Details machen den sogenannten Bundeshack besonders delikat: Zum einen bemerkten die Verantwortlichen ein ganzes Jahr lang [4] nichts vom ständige Abfließen von Daten. Es musste erst ein befreundeter ausländischer Geheimdienst den Cyber-Spezialisten von BSI und Verfassungsschutz stecken, dass da ein gähnendes Loch im deutschen Regierungsnetz klafft. Zum anderen übernahmen die Angreifer bei der Attacke Windows-Clients des Auswärtigen Amts – bis 2015 hätten sie sich dort an Linux-Rechnern die Zähne ausgebissen [5] – und steuerten sie via MS Outlook [6].

Vertrauen in einen intelligenteren Umgang der Regierung mit IT-Angelegenheiten schafft auch die neue Staatsministerin für Digitales nicht eben. “Wenn das Volk kein Breitband-Internet hat, soll es halt das Flugtaxi nehmen.” Nein, das hat Dorothee Bär nicht wirklich so gesagt, vermittelt aber den Eindruck [7]. Außerdem behindern Datenschutz und Privacy nur die Wirtschaft [9], lässt sie uns wissen. Am mangelnden Netzausbau – Deutschland zählt bekanntlich zu den Schlusslichtern in Europa [10] – sind wir selbst schuld, weil wir keine Breitbandanschlüsse kaufen.

Die neue Ministerin angesichts solcher sinnfreien Lautäußerungen als Problem-Bär zu apostrophieren, halte ich allerdings für überinterpretiert: Mangels eines echten Ministeriums samt entsprechendem Budget und Personal ist sie gar nicht in der Lage, Schwierigkeiten zu machen. Sie soll wohl nur als Muttis Cyber-Mädel publikumswirksam demonstrieren, dass für die “neue” Regierung Digitales kein Neuland mehr ist. Mit dem “publikumswirksam” klappt’s ja schon mal.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

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peter kri
8 Jahre her

schade, daß das versprochene office 2016 für linux nicht in den dvd’s zu finden ist…

Jörg Luther
8 Jahre her
Reply to  peter kri

Auf der ersten Heft-DVD im Verzeichnis LU/softmaker/ liegen zwei DEB- und drei RPM-Pakete sowie die distributionsneutrale TGZ-Variante von Softmaker Office 2016. Sie müssen sich eigentlich nur das Passende heraussuchen. Die Software ist auch im Hauptmenü der DVD als “Softmaker Office 2016” verlinkt; ein Mausklick darauf genügt, um im Verzeichnis mit den Paketen zu landen. Die erste Heft-DVD ist diejenige, die fest eingebunden ganz vorne im Heft in einer sogenannten Vogeltasche steckt, sodass sie auf keinen Fall verloren gehen kann. Es handelt sich dabei um eine zweiseitige DVD, bei der Sie die korrekte Seite einlegen müssen. Ich hoffe, damit alle Unklarheiten… Mehr »

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