KDE Slimbook: Notebook aus dem KDE-Projekt

Aus LinuxUser 06/2017

KDE Slimbook: Notebook aus dem KDE-Projekt

© Computec Media GmbH

Starkes Leichtgewicht

Das KDE Slimbook erweitert die Riege der Linux-Notebooks um ein gut aussehendes, leistungsstarkes Ultrabook.

Wer als Linux-Anwender Hardware kauft, ohne sich um Kompatibilität zu kümmern, sieht sich auch heute noch mit Fehlkäufen konfrontiert. Das gilt zwar vor allem für Peripheriegeräte wie Multifunktionsdrucker, betrifft aber auch Notebooks. Diese Klippe umschifft das KDE Slimbook [1]: Es enthält bereits ein vorinstalliertes und konfiguriertes Linux-System.

Es löst aber nicht nur das Einkaufsproblem von Endanwendern, sondern gleich auch ein beständiges Dilemma von Software-Entwicklern: Ihnen steht zum Testen ihrer Software nur eine begrenzte Auswahl an Hardware zur Verfügung. Der Kollege, mit dem man an einem Projekt entwickelt, besitzt vermutlich nicht das gleiche Notebook oder auch nur vergleichbare Hardware. Dem wirken die KDE-Entwickler nun entgegen.

In Zusammenarbeit mit dem KDE-Projekt konzipierte der spanische Hersteller Slimbook ein Notebook, das sich ähnlich wie Dells XPS-Reihe in erster Linie an Entwickler und Linux-Fans wendet. Bei der Konzeption des 13,3 Zoll kleinen Ultrabooks, das frappierend an ein Macbook Air erinnert, achteten die Entwickler darauf, dass die Hardware klaglos mit dem Betriebssystem und den KDE-Komponenten Plasma, Applications und Frameworks zusammenarbeitet.

So erhalten nicht nur KDE-Entwickler eine vergleichbare Arbeitsgrundlage: Dank der vorgegebenen Hardware lassen sich Probleme, die Besitzer des KDE Slimbook mit der Software haben, leichter lösen. Bereits im letzten Jahr unternahm Jonathan Riddell, ehemals federführender KDE-Entwickler, einen ersten Schritt in Richtung einer gemeinsamen Basis.

Mit der Veröffentlichung des Projekts KDE Neon schufen die Entwickler ein Referenz-Betriebssystem, das gleich zwei der drei Fehlerquellen bei der Entwicklung leichter vergleichbar machte. Betriebssystem und Desktop-Umgebung schrieb es fest, blieb nur noch die Hardware als große Unbekannte. Hier soll das KDE-Slimbook Abhilfe schaffen und als dritte Komponente die Referenz-Plattform komplettieren (Abbildung 1).

Abbildung 1: Slimbook und Plasma 5 – eine gute Synthese. (Quelle: kde.slimbook.es)

Abbildung 1: Slimbook und Plasma 5 – eine gute Synthese. (Quelle: kde.slimbook.es)

Bezahlbares Arbeitstier

Das Projekt stellte uns für eine Woche eines der ersten KDE Slimbooks zum Test zur Verfügung. Wir erhielten die stärkere Ausführung auf Basis eines mit 2,5 GHz getakteten i7-6500U-Prozessors von Intel. Abweichend von der Grundausstattung mit 4 GByte Hauptspeicher enthielt die Teststellung 8 GByte DDR3-RAM (1600 MHz), der Speicher ließe sich auf bis zu 16 GByte erweitern.

Es gibt den Rechner noch mit einer Intel-i5-6200U-CPU bei 2,3 GHz Basistakt. Die Preise liegen in der Grundausstattung bei 729 Euro beziehungsweise 849 Euro. Unser Testexemplar kostete 909 Euro. Der Hersteller gewährt zwei Jahre Garantie auf den Rechner.

Beide Prozessortypen arbeiten als Zweikerner mit Hyperthreading und setzen auf eine Intel-HD-520 Grafiklösung. Die sparsamen ULV-Prozessoren bieten eine thermische Verlustleistung (TDP) von 12 beziehungsweise 15 Watt. Die verwendete Intel-Plattform heißt “Skylake”, deren Nachfolger “Kaby Lake” gerade anläuft (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Kommandozeilenprogramm Inxi gibt Auskunft über die inneren Werte des Ultrabooks.

Abbildung 2: Das Kommandozeilenprogramm Inxi gibt Auskunft über die inneren Werte des Ultrabooks.

Innenleben

Das Notebook steckt in einem Alu-Gehäuse mit den Maßen 33 x 22 x 1,8 Zentimeter und wiegt 1360 Gramm. Die hintergrundbeleuchtete Tastatur kommt mit einer deutschen Belegung, die Daten speichert eine 120 GByte fassende mSATA-SSD, die sich gegen Aufpreis in ein Modell mit 250 oder 500 GByte tauschen lässt.

Das matte 13,3-Zoll-IPS-LED-Display löst in Full-HD mit 1920 x 1080 Bildpunkten auf und bietet dabei eine Pixeldichte von 166 PPI, die Helligkeit beträgt gute 355 cd/m2. Kontakt mit der Außenwelt nimmt das Slimbook per WLAN mit Intel Dual Band AC3160 (IEEE 802.11ac) auf. Alternativ stehen Intel 7265N oder 7265AC zur Auswahl, die auch Bluetooth 4.0 zur Verfügung stellen. Der Lieferumfang unseres Testgeräts umfasste neben dem Notebook und dem Ladekabel einen USB-WLAN-Dongle Ralink MT7601U, der mit älteren Routern einen besseren Durchsatz bringen soll als der verbaute WLAN-Chip AC3160.

Als physikalische Verbindungsmöglichkeiten dienen zwei USB-3.0-Ports, ein Mini-HDMI-Anschluss sowie ein Einschub für SD- und MMC-Karten. Eine Webcam mit 1 Megapixel Auflösung und Mikrofon steht ebenfalls auf der Ausstattungsliste. Der Lithium-Ionen-Akku weist eine Nennleistung von 6?800 mAh auf – wie lang er hält, verschweigt der Hersteller. Manche Berichte im Netz attestieren dem Gerät eine (eher unrealistische) Laufleistung von bis zu 12 Stunden.

Beim Auspacken und erstem Anfassen erweist sich das KDE Slimbook als eleganter Handschmeichler. Den Aluminium-Deckel ziert ein gemeinsames Logo von Slimbook und KDE. Bei näherer Betrachtung kommt dem sachkundigen Betrachter das Gehäuse vage bekannt vor. Und tatsächlich: Derselbe Barebone bildete letztes Jahr schon die Grundlage für das Tuxedo Infinity Book sowie das Schenker S306.

Die schon etwas in die Jahre gekommene mSATA-SSD Kingston mS200 mit 120 GByte Kapazität reiht sich beim Lesen knapp unter 400 MByte/s ein, während sie beim Schreiben etwa 200 MByte/s erreicht – aktuelle SSDs leisten mehr. Trotzdem passt sie ins System und dürfte für die meisten Anwender völlig ausreichen, arbeitet sie doch um ein Mehrfaches schneller als herkömmliche mechanische Festplatten. Benötigen Sie allerdings eine größere SSD, so empfiehlt es sich nach unserer Meinung, die 120-GByte-Variante zu ordern und gegen ein schnelleres Modell in der gewünschten Größe auszutauschen.

Den Austausch von Komponenten wie Hauptspeicher, SSD oder WLAN-Modul gestaltet das Notebook sehr anwenderfreundlich: Es genügt, die 12 Schrauben des rückseitigen Deckels zu lösen, um sie zu erreichen.

Aktuelle Software

Nach dem ersten Start des KDE Slimbook erfolgt zunächst das dialoggesteuerte Fertigstellen der OEM-Installation. Dabei legt das Setup unter anderem ein Benutzerkonto an und richtet das WLAN ein. Trotz anderslautender Anzeige ließ sich das WLAN erst nach einem Neustart des Notebooks verwenden, wurde dann allerdings vom Network-Manager über weitere Neustarts sowie Schlaf/Aufwachvorgänge hinweg einwandfrei verwaltet.

Als Betriebssystem dient Ubuntu 16.04 LTS samt KDE Neon in der User-Edition. Die auf dem Testgerät installierte Version Plasma 5.9.3 war erst wenige Tage alt, dennoch stand bereits ein Update auf 5.9.4 bereit. Die Entscheidung zugunsten Ubuntu fiel aufgrund der weiten Verbreitung und der noch bis 2021 währenden Unterstützung für dieses Betriebssystem, was in der Summe die Arbeit der Entwickler beim Beheben von Fehlern erleichtert.

Die erste Aktualisierung versorgt das Basissystem in Form eines Hardware-Enablements (HWE) [2] unter anderem mit dem Kernel 4.8 und frischen Treibern. Das in der Grundausstattung eher spartanisch anmutende KDE Neon bringt so gut wie keine vorinstallierten Anwendungen mit. Das Projekt geht davon aus, dass versierte KDE-Anwender lieber selbst entscheiden, welche Anwendungen sie wie einrichten.

Man spricht Spanisch

Für Neueinsteiger bringt das Ultrabook eine Art Systemeinrichtungsapp namens Slimbook Essentials mit – zum Zeitpunkt des Tests allerdings ausschließlich in spanischer Lokalisierung. Mit Google als Übersetzer kommt man hier aber behelfsmäßig weiter (Abbildung 3). Die Entwickler versicherten aber auf Nachfrage, dass es künftig zumindest auch eine englischsprachige Version geben werde. Die App steht darüber hinaus im Launchpad als PPA [3] zur Verfügung.

Abbildung 3: Der Einrichtungsassistent <span class="ui-element">Slimbook Essentials</span> lag beim Testnotebook lediglich in spanischer Lokalisierung vor.

Abbildung 3: Der Einrichtungsassistent Slimbook Essentials lag beim Testnotebook lediglich in spanischer Lokalisierung vor.

Der Reiter mit der Bezeichnung Aplicaciones erschließt sich ohne Übersetzer noch am ehesten. Er erlaubt das Installieren weitverbreiteter Programme wie Google Chrome, Gimp, VLC oder Wine sowie das Freischalten von Diensten wie SSH oder NFS. Das Abarbeiten der einzelnen Aufgaben zeigt eine rechts neben dem Fenster angekoppelte Konsole an.

Der Reiter Ajustes (Anpassungen) enthält Schalter für Systemeinstellungen, wie eine optimierte Zeile für die SSD in der Datei /etc/fstab oder das Freischalten der Contrib- und Non-Free-Optionen in der Quellenliste. Zudem lassen sich darüber Bluetooth und WLAN stilllegen oder das gesamte System aktualisieren. Der Reiter Utilidades beherbergt verschiedene Systeminformationen und Tests, zudem erlaubt er das Entfernen alter Kernel.

Angenehme Tastatur

Um die richtige Tastaturbelegung zu erhalten, sollten Sie nach der Inbetriebnahme des Slimbooks in den Systemeinstellungen unter Eingabegeräte | Tastatur | Belegungen das Keyboard entsprechend einrichten.

Die Tastatur verfügt über 101 Tasten, wobei bei unserem Vorserienmodell die Taste mit den Zeichen “<“, “>” und “|” fehlte. In den Verkauf geht die in Abbildung 4 abgebildete Tastatur – zumindest optisch fehlt auch hier das Pipe-Zeichen. Das Schreibgefühl ist für eine Notebook-Tastatur angenehm präzise und keineswegs schwammig. Für das Arbeiten in dunkleren Umgebungen lässt sich über [fn]+[F5] die Hintergrundbeleuchtung in mehreren Leuchtstärken zuschalten.

Abbildung 4: Mit diesem Tastatur-Modell liefert der Hersteller das Ultrabook in Deutschland aus.

Abbildung 4: Mit diesem Tastatur-Modell liefert der Hersteller das Ultrabook in Deutschland aus.

Das Touchpad hingegen enttäuscht im Vergleich zu anderen Notebooks, etwa den Lenovo Thinkpads, funktioniert jedoch einwandfrei und unterstützt auch Multitouch-Gesten.

Leises Rauschen

Ein Indiz für die gute Verarbeitung liefern die stimmigen Spaltmaße des Aluminiumgehäuses, das auch zu einer guten Wärmeabfuhr beiträgt. Das wiederum macht sich durch eine angenehm leise Arbeitsumgebung bemerkbar. Beim Umcodieren eines Videos mit dem Videoeditor Handbrake, der die CPU auf allen vier Kernen zu über 90 Prozent auslastete, mussten wir mit dem Ohr dicht am Gehäuse lauschen, um ein leises Rauschen zu vernehmen. Auch mit dem Stresstester Cpuburn, der auf allen Kernen konstant eine Auslastung von 100 Prozent erzeugt, blieb der Lüfter in 30 Zentimeter Abstand unhörbar.

Um einen vergleichbaren Test der Hauptkomponenten zu erhalten, installierten wir die Phoronix-Test-Suite (PTS) [4] von der Herstellerseite, da die von Ubuntu gelieferte Version völlig veraltet ist. Wir verwendeten die Suite Universe, welche die umfangreichsten Tests bietet. Die Ergebnisse stehen im Internet zum Abruf bereit [5]. Leser der Media-Edition finden sie darüber hinaus auf der Heft-DVD im Verzeichnis LU/slimbook/.

Fazit

Um es vorwegzunehmen: Die Testwoche mit dem KDE Slimbook hat Spaß gemacht. Es gab viel Licht, aber auch ein wenig Schatten. Dank des Aluminiumgehäuses (Abbildung 5) ist es eine Freude, das mit knapp 1,4 Kilogramm sehr tragbare Slimbook anzufassen; es bleibt angenehm kühl und handschmeichelnd. Lediglich bei sehr fordernden Aufgaben erwärmt sich der Bereich links und rechts des Touchpads ein wenig.

Abbildung 5: Das elegante KDE Slimbook bringt gen&uuml;gend Leistung f&uuml;r alle t&auml;glichen Aufgaben mit. Zum Spielen eignet es sich aber nur bedingt.

Abbildung 5: Das elegante KDE Slimbook bringt genügend Leistung für alle täglichen Aufgaben mit. Zum Spielen eignet es sich aber nur bedingt.

Zügiges Arbeiten war mit der gegebenen Ausstattung kein Problem. Das Slimbook stellt in dieser Variante sicherlich auch Entwickler zufrieden, die des Öfteren Software kompilieren. Für ein Spielchen zwischendurch genügt die integrierte Grafiklösung, Hardcore-Gamern reicht das aber ziemlich sicher nicht aus. Der matte Bildschirm und der auch bei fordernden Aufgaben kaum wahrnehmbare Lüfter tragen ein Übriges zur Zufriedenheit bei. Der Akku hielt im Durchschnitt um die 7 Stunden durch.

Die Entscheidung, auf Intels “Skylake” anstatt die neueste Generation “Kaby Lake” zu setzen, spielt vor allem im Bezug auf die vergleichsweise moderate Preisgestaltung eine tragende Rolle. Allerdings hätte es beim Hauptspeicher auch DDR4-2133 anstatt DDR3-1600 sein dürfen, das Mainboard gäbe das her.

Unsere Kritik beschränkt sich ansonsten auf zwei Dinge. Da wäre einerseits die bisher nur in Spanisch vorliegende App Slimbook Essentials, andererseits die noch nicht optimal ausgelegte Tastatur. Dieses Manko soll aber bei den ausgelieferten Geräten behoben sein. 

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