Dass ein spielefähiger PC auch ohne klobiges Gehäuse, Fenster in den Seitenteilen und bunte LED-Beleuchtung auskommt, beweist der XUX_Cube von Tuxedo. Mit Kaby-Lake-CPUs und schneller Nvidia-Grafik macht sich der Gamer-PC auch als Linux-Desktop gut.
Inzwischen bringen diverse Computerhersteller gezielt Geräte für das Gamer-Klientel und Anwender mit einem höheren Anspruch an die Grafikleistung ihres Computers auf den Markt. Der Tuxedo XUX_Cube [1] fällt in diese Kategorie: Der Hersteller bietet den kompakten Midi-Tower im Würfelformat mit schnellen Prozessoren und leistungsstarken Grafikkarten ab 449 Euro an. Computerspieler müssen das Basismodell jedoch noch kräftig mit Extras aufrüsten.
Der deutsche Computerhersteller Tuxedo stattet seine Geräte grundsätzlich mit Linux aus. Zur Wahl stehen diverse Ubuntu-Spielarten auf Basis von Ubuntu 16.04 LTS oder Ubuntu 16.10 sowie Elementary OS 0.4. Um die Leistung des Systems auszureizen, beschränkt sich das Angebot auf 64-Bit-Installationen. Eine optionale Windows-Partition schlägt mit 119 Euro aufwärts zu Buche. Auf Wunsch installiert Tuxedo das Microsoft-OS auch in einer virtuellen Maschine unter Linux, was den Aufwand einer Dual-Boot-Installation erspart.
Tuxedo richtet das System im OEM-Modus ein, sodass Sie beim ersten Start den Rechnernamen und das Login samt Passwort frei setzen können. Anschließend bootet das System in den Desktop. Er entspricht einem Standard-Ubuntu, das der Hersteller nur mit einem eigenen Hintergrundbild angepasst hat. Gegenüber einem frisch vom Ubuntu-ISO installiertem System ist der proprietäre Nvidia-Treiber von Haus aus am Werk. Außerdem nutzt das Tuxedo-System das PPA des Graphic-Driver-Teams [2] sowie eine eigene Paketquelle, über die der Hersteller unter anderem einen optimierten Kernel bereitstellt.
Schnelle Hardware
Der Testrechner arbeitet mit der Top-CPU Intel Core i7-7700K aus der aktuellen “Kaby-Lake”-Prozessorgeneration. Die vier Kerne takten mit bis zu 4,5 GHz, wobei der CPU 8 MByte Cache zur Seite stehen. Unter Volllast gibt der Prozessor 91 Watt TDP ab, ein massiver Kühlkörper ziert daher die Recheneinheit.
Für einen Gamer-PC eignet sich der in den Intel-Chipsatz integrierte Grafikchip weniger. Moderne Spiele fordern leistungsstarke GPUs, wie die im Testrechner verbaute Nvidia GeForce GTX 1060. Das Mittelklassemodell für 339 Euro Aufpreis lässt noch Luft nach oben, der Aufpreis von 500 Euro für eine Nvidia GeForce GTX 1080 dürfte Gelegenheitsspieler jedoch schnell abschrecken.
Mit einem CPU-Kühler, dem Lüfter im Netzteil sowie dem in der Nvidia-Grafikkarte integrierten Quirl entspricht die Durchlüftung des XUX_Cube jener von gängigen Geräten. Anders als bei zu klassischen Tower-Gehäusen sitzt beim Cube das Netzteil jedoch hochkant auf der Frontseite des Gehäuses (Abbildung 1). Im Leerlauf kann man vom System unter dem Schreibtisch selbst in einer ruhigen Umgebung wenig hören, auch unter Volllast steigt das Betriebsgeräusch kaum an. Optional lässt sich das System mit einem noch größeren Lüfter ausstatten, der die Schallemission weiter senkt.

Abbildung 1: Die im Tuxedo XUX_Cube verbauten Lüfter schaffen die Abwärme zuverlässig aus dem Rechner, ohne viel Lärm zu machen.
Der XUX_Cube bietet reichlich Schnittstellen und Möglichkeiten, das System zu erweitern. An der Grafikkarte lassen sich über DVI, HDMI und DisplayPort bis zu drei Monitore betreiben. Das H170M-Pro4-Mainboard von ASRock bietet Platz für vier PCIe-Erweiterungskarten (je 2 PCIe 3.0 x16 und PCIe 3.0 x1) sowie 6 SATA3- und einen Ultra-M.2-Anschluss. Für externe Peripherie gibt es auf der Gehäuserückseite 6 USB-3.0-Schnittstellen sowie zwei weitere auf der rechten Seite (Abbildung 2).

Abbildung 2: Trotz der kompakten Bauweise bietet der Tuxedo-Würfel reichlich Platz für internes und externes Zubehör.
Das von Tuxedo ausgewählte Gehäuse orientiert sich optisch an der 2012er-Generation des Mac Pro. Spötter nannten diesen Rechner “cheese grater”, also Käsehobel. Doch dort, wo beim Apple-Rechner massives Alublech zum Einsatz kam, findet sich beim XUX-Cube Kunststoff. So steht das Gehäuse ein wenig wacklig auf seinen Plastikkufen. Allerdings leitet der Rechner so die Vibrationen der Lüfter weniger stark in den Fußboden ein. Bei der Gestaltung des Gehäuses gaben sich die Ingenieure jedoch Mühe: Platz für Laufwerke und zusätzliche Lüfter gibt es reichlich.
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Basismodell |
Testgerät |
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CPU |
Intel Pentium G4500, Dual-Core, 3,5 GHz |
Intel Core i7-7700K, Quad Core, bis zu 4,5 GHz |
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GPU |
Integriert |
Nvidia GeForce GTX 1060, 6GByte |
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RAM |
4 GByte DDR4 mit 2,4 GHz |
32 GByte DDR4 mit 2,4 GHz |
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Festplatte |
500 GByte HDD, 7200 rpm |
Samsung Pro SSD 256 GByte |
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Opt. Laufwerk |
DVD-Brenner |
Blu-ray-Brenner/DVD-RW |
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Anschlüsse (Front) |
2 USB 3.0, Kopfhörer, Mikrofon |
2 USB 3.0, Kopfhörer, Mikrofon |
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Anschlüsse (Rückseite) |
6 USB 3.0, Gbit-Ethernet, Audio |
6 USB 3.0, Gbit-Ethernet, Audio |
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Maße (B x H x T) |
250 x 404 x 359 mm |
250 x 404 x 359 mm |
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Preis |
449 Euro |
1502 Euro |
Satte Grafik
Die Investition in einen schnellen Grafikchip lohnt sich nicht nur für Spiele-Fans: Mittels OpenCL lässt sich die Grafikpower auch für sinnvolle Aufgaben nutzen. So unterstützen beispielsweise einige RAW-Converter das Auslagern der oft langwierigen Berechnungen auf die Grafikkarte.
Angefeuert von der leistungsstarken Nvidia GeForce GTX 1060, erzielt der Unigine Heaven Benchmark [3] im Extreme-Preset eine Wiederholrate von 72 FPS (Abbildung 3). Die animierten Bilder fließen dadurch komplett ruckelfrei vor dem Auge vorbei, beeindruckende Effekte wie Reflexionen oder die Sonneneinstrahlung lassen die Animation fast realistisch aussehen. Der Grafikchip bleibt bei dieser Herausforderung auch nach mehr als einer halben Stunde bei einer Temperatur von um die 75 Grad Celsius. Die Drehzahl der Lüfter verändert sich dabei kaum, auch im Spielebetrieb bleibt der XUX_Cube angenehm leise.

Abbildung 3: Im Unigine Heaven Benchmark erzielt das Tuxedo-System mit einer Nvidia GeForce GTX 1060 selbst mit allen Details hohe Frameraten.
Die Spiele-Plattform Steam bietet mittlerweile Hunderte Titel auch für Linux an [4]. Die Installation der Software gelingt unter Ubuntu 16.10 ohne Komplikationen: Sie müssen lediglich das DEB herunterladen und über den Software-Manager einspielen. Dabei fallen mehrere Hundert MByte an Abhängigkeiten an, ohne schnelle Internet-Verbindung geht nichts. Klassiker wie “Sid Meier’s Civilization V” oder “Counter-Strike: Global Offensive” laufen wie schon der 3D-Benchmark mit hohen und maximalen Grafikeinstellungen flüssig ohne Ruckler (Abbildung 4).

Abbildung 4: Steam lässt sich auf dem 64-Bit-Ubuntu des XUX_Cube ohne Probleme installieren. Über die Plattform haben Sie Zugriff auf Hunderte von Linux-Spielen.
GPU plus CPU: Mehr Power
Für das Darstellen von Webbrowser, Bürosuite und Mailprogramm braucht es keine dedizierte Grafikkarte, im Alltag wird man kaum einen Unterschied zwischen der Intel- und Nvidia-Grafikkarte feststellen. Doch auch ohne Spiele bringt die schnelle Nvidia-GPU einen Mehrwert: So lassen sich mit OpenCL [5] aufwendige Berechnungen auf den Grafikchip auslagern, was in der Regel Zeit und Energie spart.
Der von Tuxedo vorinstallierte proprietäre Nvidia-Grafiktreiber unterstützt OpenCL von Haus aus [6]. Auch der kommerzielle RAW-Entwickler Corel Aftershot Pro [7] beherrscht nun schon in der Grundkonfiguration OpenCL. Sie müssen dazu lediglich die Option OpenCL verwenden unter Datei | Einstellungen… | Hardware-Beschleunigung aktivieren (Abbildung 5). Die Funktion beschleunigt den Export spürbar.

Abbildung 5: Von einer schnellen Grafikkarte profitieren nicht nur Spieler. Auf die GPU lassen sich wie hier bei Aftershot Pro Berechnungen auslagern.
Benötigt das Entwickeln von einem Stapel aus 81 jeweils rund 25 MByte großen RAW-Aufnahmen mit verschiedenen Filtern ohne die Hardware-Beschleunigung etwa 7:22 Minuten, arbeitet Aftershot Pro dieselbe Aufgabe mit Unterstützung durch die Grafikkarte in nur 5:46 Minuten ab. Pro Bild benötigt die Bildbearbeitung also statt 5,46 nur noch 4,27 Sekunden. Wer als Fotograf viele Aufnahmen entwickeln muss, spart mit der GPU-Kombination rund ein Viertel an Zeit.
Fazit
Von der Technik her leistet sich der Tuxedo XUX_Cube keine Blöße, auch im Zusammenspiel zwischen Hardware und dem vorinstallierten Linux gibt es nichts auszusetzen: Das System läuft schnell und stabil und bleibt selbst unter Volllast noch angenehm leise. Das Unternehmen lässt Sie zudem mit dem System nicht alleine. Über den beigelegten Recovery-USB-Stick [8] lässt sich das System schnell in den Auslieferungszustand zurücksetzen. Über ein Forum können Sie zudem Fragen direkt an den Hersteller und andere Nutzer von Tuxedo-Geräten richten [9].
Infos
-
“Proprietary GPU Drivers”: https://launchpad.net/~graphics-drivers/+archive/ubuntu/ppa
-
Heaven-Benchmark: https://unigine.com/products/benchmarks/heaven
-
Linux-Spiele auf Steam: http://store.steampowered.com/linux
-
OpenCL: https://www.khronos.org/opencl
-
Nvidia-OpenCL-SDK: https://developer.nvidia.com/opencl
-
Corel Aftershot Pro: http://www.aftershotpro.com/de/products/aftershot/pro
-
Tuxedo-WebFAI: http://www.webfai.de
-
Tuxedo-Forum: https://www.linux-onlineshop.de/forum/index.php





