Der für seine NAS-Geräte bekannte Hersteller Synology bietet mit dem RT1900ac nun erstmals auch einen DSL/Kabel-Router für Endanwender an. Im Vergleich zu einer Fritzbox muss sich das Erstlingswerk von Synology beweisen.
Das taiwanische Unternehmen Synology zählt zu den führenden Herstellern von NAS-Geräten, doch darüber hinaus hatte das Unternehmen bisher wenig andere Produkte im Programm. An dieser monolithischen Aufstellung möchte die Firma in Zukunft etwas ändern und steigt mit dem Synology RT1900ac [1] in den stark umkämpften Markt für Consumer-Router ein. Synology stattet seinen aktuell rund 145 Euro teuren Router mit typischen Funktionen aus, das Gerät erbt aber auch zahlreiche Zusatzfeatures und Komfortmerkmale von den hauseigenen Netzwerkspeichern.
Im Inneren des RT1900ac arbeitet eine Dual-Core-CPU mit 1 GHz und 256 MByte Arbeitsspeicher (Tabelle “Technische Daten”). Das Gerät funkt nach den Standards IEEE 802.11a/b/g/n/ac, überträgt nach Angaben des Herstellers also kabellos Daten im 5-GHz-Band mit bis zu 1300 Mbit/s. Die vier Netzwerkbuchsen bieten genauso wie die WAN-Schnittstelle Gigabit-Ethernet. Zum Anschluss von externen Festplatten oder USB-Geräten wie etwa Druckern müssen Sie sich mit nur einem USB-Port zufriedengeben, dieser arbeitet jedoch bereits mit USB 3.0. Zusätzlich nimmt das Gerät, für diese Routerklasse eher unüblich, auch SDXC- und SDHC-Speicherkarten auf, unterstützt also theoretisch SD-Karten mit bis zu 2 TByte Kapazität.
Technische Daten
| CPU | ARM Cortex A9, Dual-Core, 1 GHz |
| Speicher | 4 GByte Flash, 256 MByte DDR3 RAM |
| Energieverbrauch | 7,45 W im Leerlauf, 11 W unter Last |
| LAN | 4 x TJ-45, Gigabit |
| WLAN | IEEE 802.11a/b/g/n/ac |
| 3G/4G | nachrüstbar per Dongle |
| Schnittstellen | |
|---|---|
| USB | 1 x USB 3.0 (5 V, 1,5 A) |
| Kartenleser | 1 x SDHC, SDXC |
| Dateisysteme | Ext4, FAT, NTFS, HFS+ |
| Sonstiges | |
| VPN | PPTP, OpenVPN, L2TP/IPSec |
| Freigaben | CIFS, AFP, FTP/FTPS, WebDAV |
| SSH | Login möglich |
| Druckserver | vorhanden |
| Preis | |
| Straßenpreis | 145 Euro |
Das Gehäuse wirkt aufgrund der großen Antennen recht plump, im Vergleich zu einer Fritzbox 7490 ist der Synology-Router jedoch von den Ausmaßen her ein wenig kleiner. Auf der Rückseite findet sich ein An-/Aus-Taster, mit dem Sie das Gerät komplett ausschalten, ohne das Stromkabel abziehen zu müssen. Auf der linken Gehäuseseite gibt es einen Schiebeschalter zum ein- und abschalten der WLAN-Funktion. Ein Taster auf der Frontseite dient dazu, die eingebundenen Datenträger ordentlich aus dem System auszuhängen. Sobald das Licht nach dem Drücken des Tasters erlischt, dürfen Sie die Speichermedien vom USB-Port abziehen beziehungsweise aus dem Kartenslot nehmen, ohne dass Datenverluste drohen.
Aufstellen
Die Installation und Ersteinrichtung geschieht bei RT1900ac über einen Einrichtungsassistenten im Browser. Diesen erreichen Sie am einfachsten, indem Sie Ihren PC per Netzwerkkabel an den Router anschließen und die URL http://192.168.1.1 öffnen. Der Assistent fragt Zugangsdaten zum Gerät und zum aufzuspannenden WLAN-Netzwerk ab und hilft bei der Wahl des Betriebsmodus (Abbildung 1). Üblicherweise wählen Sie hier WLAN-Router, alternativ nutzen Sie das Gerät als Access Point oder WLAN-Client, in diesem Modus arbeitet der Router als drahtloser Switch. Als WLAN-Router wählt sich das Gerät entweder per DSL und PPPoE ein, oder bezieht seine Netzwerkdaten von einem Kabelmodem. In unserem Test hing der RT1900ac hinter einem in den Bridge-Modus geschalteten Kabelmodem von Vodafone, ehemals Kabel Deutschland.

Abbildung 1: Der Einrichtungsassistent führt Sie mit wenigen Schritten durch die grundlegende Konfiguration des Routers.
Nach der Ersteinrichtung erreichen Sie die Weboberfläche des Routers über http://192.168.1.1:8000 oder verschlüsselt unter https://192.168.1.1:8001 (Abbildung 2). Als ersten Schritt suchen Sie unter Netzwerk-Center | Administration | Aktualisieren & Wiederherst. nach einer anstehenden SRM-Aktualisierung und spielen die neueste Ausgabe der Router-Software ein. Während unserer zweiwöchigen Tests veröffentlichte Synology gleich mehrere neue Versionen. Behält der Hersteller dieses Entwicklungstempo bei, lohnt es sich daher, in den Update-Einstellungen die automatische Suche und Installation von Aktualisierungen zu aktivieren.

Abbildung 2: Die Weboberfläche des Synology-Routers erinnert stark an die der NAS-Geräte aus demselben Haus.
Die den NAS-Geräten von Synology entlehnte Oberfläche Synology Router Manager (SRM) erinnert in weiten Teilen an den DiskStation Manager (DSM). Im Gegensatz zu anderen Routern klicken Sie sich im SRM nicht durch einzelne Menüs, sondern öffnen in einer browserbasierten Desktop-Umgebung Anwendungen wie das Netzwerk-Center zum Einrichten der Router-Funktionen oder die File Station zum Verwalten von Dateien und Ordnern auf am USB-Port angeschlossenen Massenspeichern – Nutzer eines Synology-NAS finden sich da schnell zurecht (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Daten auf angeschlossenen Massenspeichern lassen sich direkt in der Weboberfläche bearbeiten.
Erweitern
Synology aktiviert im RT1900ac von Haus aus nur die üblichen Router-Funktionen: Erweiterte Funktionen wie ein Gast-WLAN, eine Kindersicherung mit Zeitplan und Webfilter, Datenflusssteuerung mit “Beamforming” zum Optimieren der drahtlosen Datenübertragung beziehungsweise das Priorisieren einzelner Rechner im Netz schalten Sie in den jeweiligen Sektionen des Netzwerk-Centers hinzu. Interessieren Sie die Innereien des Linux-Systems, das dem SRM zugrundeliegt, dann aktivieren Sie unter Administration | Dienst den SSH-Zugang. Anschließend loggen Sie sich per SSH (Benutzer admin, Passwort wie in der Weboberfläche) in das Herz des Systems ein. Plagen Sie regelmäßig Ausfälle des Netzanbieters, rüsten Sie das System mit einem UMTS/LTE-Stick auf (siehe Kasten “Netzausfall”).
Netzausfall
Möchten Sie Ausfälle des Internetanbieters besonders schnell und ohne Auszeiten überbrücken, dann rüsten Sie den RT1900ac über den USB-Port mit 3G/4G-Mobilfunk-Dongles auf. Fällt die primäre Verbindung aus, dann schaltet der Router automatisch auf das Fallback um. Synology zählt auf seiner Homepage eine Reihe kompatibler UMTS/LTE-Sticks mit Preisen um die 50 Euro auf [8].
Wie das Synology-NAS lässt sich das Router-System über ein Paket-Zentrum mit weiteren Funktionen ergänzen (Abbildung 4). Die Auswahl ist hier im Vergleich zu den NAS-Systemen noch eingeschränkt, doch schon jetzt lässt sich der Synology-Router um diverse Funktionen erweitern, die nur sehr wenige Konkurrenzprodukte bieten. Dazu zählen die Download-Station (der Dienst unterstützt unter anderem Web-Downloads per HTTP oder FTP sowie P2P-Protokolle wie Bittorrent oder eMule), der Medienserver zum Streamen von Mediendaten per DLNA auf Fernseher oder andere DLNA-fähige Geräte sowie Server-Dienste für VPN (PPTP, OpenVPN, L2TP), DNS und RADIUS.

Abbildung 4: Bei Bedarf rüsten Sie wie bei den Synology-NAS-Systemen Software per integriertem Paketmanager nach.
NAS einrichten
Mit seiner leistungsfähigen Dual-Core-CPU und dem USB-3.0-Anschluss eignet sich der Synology-Router in Kombination mit einer externen Festplatte als einfaches, stromsparendes NAS-System. Die Router-Software bindet automatisch mit Ext4, FAT, NTFS und dem Mac-Dateisystem HFS+ formatierte Datenträger ein. Diese geben Sie dann unter Speicher & Drucker | Dateidienste via Windows- (CIFS) oder Mac-Dateidienst (AFP), FTP/FTPS oder WebDAV für andere Rechner im Netzwerk frei. Im Test musste sich der Router zusammen mit einer externen 2,5-Zoll-Festplatte mit USB-3.0-Anschluss beweisen. Damit diese jedoch auch wirklich im USB-3.0-Modus arbeitet, müssen Sie diesen in den Einstellungen aktivieren (siehe Kasten “USB 3.0 aktivieren”).
USB 3.0 aktivieren
Schließen Sie im Auslieferungszustand des Routers eine USB-3.0-fähige Festplatte an, dann zeigt diese trotz der USB-3.0-Buchse des Routers nur USB 2.0 als Betriebsmodus an. Der Grund dafür: Synology bremst den USB-Port bewusst aus, um Interferenzen im 2,4-GHz-Band des WLANs zu vermeiden. Nutzen Sie nur moderne Geräte mit schnellem 5-GHz-WLAN oder stört Sie eine leicht schlechtere WLAN-Geschwindigkeit nicht, dann deaktivieren Sie unter Netzwerk-Center | WLAN | Verringerung von Störungen die Option Verringern Sie die Störungen bei WLAN 2.4GHz, indem Sie Ihr USB-3.0-Gerät auf USB 2.0 herabstufen.
Im Vergleich zu einer am selben Ort aufgestellten und identisch verkabelten Fritzbox 7490 [2], dem aktuellen Topmodell von AVM, erweist sich der Synology-Router als klarer Sieger. Über Gigabit-Ethernet schreibt und liest der RT1900ac bei aktiviertem USB 3.0 mit bis zu 300 Mbit/s. Die Leseleistung der Fritzbox erreicht über das Kabelnetzwerk maximal 100 Mbit/s, die Schreibleistung liegt mit 37 Mbit/s noch einmal deutlich unter diesem Wert. Auch per WLAN lässt der Router-Neuling die etablierte Konkurrenz von AVM deutlich hinter sich. Nur beim Schreiben über WLAN auf die Festplatte des Routers liegen beide Geräte in etwa gleichauf (siehe Tabelle “Netzwerkleistung”).
Netzwerkleistung
| Lesen | Schreiben | |||
|---|---|---|---|---|
| Sek.(1) | Mbit/s | Sek.(1) | Mbit/s | |
| Fritzbox 7490 | ||||
| Gigabit-Ethernet | 81,68 | 100,29 | 221,14 | 37,04 |
| WLAN, 5 GHz | 167,96 | 48,77 | 401,40 | 20,41 |
| WLAN, 2,4 GHz | 213 | 38,46 | 446,09 | 18,36 |
| Synology RT1900ac (USB 2.0) | ||||
| Gigabit-Ethernet | 34,24 | 239,25 | 39,41 | 207,87 |
| WLAN, 5 GHz | 88,1 | 92,99 | 356,30 | 22,99 |
| WLAN, 2,4 GHz | 99,38 | 82,43 | 361,10 | 22,69 |
| Synology RT1900ac (USB 3.0) | ||||
| Gigabit-Ethernet | 28,49 | 287,54 | 26,58 | 308,20 |
| WLAN, 5 GHz | 76,64 | 106,89 | 389,60 | 21,03 |
| WLAN, 2,4 GHz | 95,18 | 86,07 | 422,72 | 19,38 |
| Dauer des Transfers einer 1 GByte großen Datei, gemittelt über drei Versuche. | ||||
Beim WLAN-Zugang über das 5-GHz-Band zeigt sich, dass in der Praxis wenig von der theoretisch möglichen Bandbreite von bis zu 1,3 Gbit/s übrig bleibt. Vorteile bietet der neueste WLAN-Standard hauptsächlich in solchen Situationen, in denen sich im herkömmlichen 2,4-GHz-Band zu viele Teilnehmer tummeln und es somit zu Stau im Äther kommt – noch besitzen nur relativ wenige Nutzer einen ac-fähigen Router. Beim Internetzugang geben sich beide Geräte keine Blöße: Die von Vodafone bereitgestellte Bandbreite von 32 Mbit/s mit einem Upload von 2 Mbit/s nutzen beide Geräte bei einem Ping von etwa 20 ms komplett aus.
Mobiler Zugriff
Um vom Internet aus auf den Synology-Router zuzugreifen, müssen Sie im Netzwerk-Center die entsprechenden Ports unter Sicherheit | Firewall freischalten und idealerweise unter Internet | Quick Connect & DDNS einen DynDNS-Dienst einrichten. Die Router-Software kennt Voreinstellungen für diverse DynDNS-Anbieter; ein frei konfigurierbarer Eintrag fehlt jedoch, sodass dem Router unbekannte DynDNS-Dienste außen vor bleiben. Alternativ greifen Sie auf den von Synology angebotenen Dienst QuickConnect [3] zurück – diese Funktion richtet auch automatisch die entsprechenden Firewall-Regeln ein.
Um von unterwegs auf die Einstellungen des Routers zuzugreifen, bietet Synology Apps für mobile Betriebssysteme an. Mit DS router kontrollieren Sie den Status des Geräts und richten Kindersicherung, Firewall oder die Datenflusssteuerung ein (Abbildung 5). Die App gibt es kostenlos im Google Play Store für Anwender mit Android-Geräten [4] oder auch im App Store von Apple [5]. Für den einfachen mobilen Zugriff auf den NAS-Teil des Routers bietet sich DS file an (Abbildung 6). Auch diese App gibt es für Android [6] und iOS [7]. Alternativ richten Sie SSH, FTP oder WebDAV als Dienst ein und greifen auf entsprechende Apps zurück, die mit diesen Protokollen zurechtkommen.

Abbildung 5: Mit der App DS router rufen Sie vom Smartphone oder Tablet aus die wichtigsten Funktionen des Routers auf.

Abbildung 6: Auch die für die Synology-NAS-Geräte gedachten Apps wie DS file funktionieren mit dem Synology-Router.
Fazit
Der Synology Router RT1900ac überzeugt im Test mit guten WLAN-Eigenschaften wie auch als leistungsfähiges Mini-NAS. Im direkten Vergleich mit einer Fritzbox 7490 zeigt sich das jeweilige Steckenpferd der Hersteller: Während die höherwertigen AVM-Modelle mit Telefonie- und Fax-Funktionen aufwarten (AVM begann 1989 mit der Entwicklung und dem Vertrieb von ISDN-Karten), liegt die Stärke des Synology-Routers in der flexiblen und leistungsfähigen Router-Software, die deutlichen Anleihen bei der Software der hauseigenen NAS-Geräte nimmt und sich mit zusätzlichen Paketen aufrüsten lässt.
Infos
[1] Synology RT1900ac: https://www.synology.com/de-de/products/RT1900ac
[2] AVM Fritzbox 7490: http://avm.de/produkte/fritzbox/fritzbox-7490
[3] Synology QuickConnect: https://account.synology.com/de-de
[4] DS router für Android: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.synology.dsrouter
[5] DS router für iOS: https://itunes.apple.com/us/app/ds-router/id963699443?mt=8
[6] DS file für Android: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.synology.DSfile
[7] DS file für iOS: https://itunes.apple.com/de/app/ds-file/id416751772?mt=8
[8] Kompatible UMTS/LTE-Sticks: https://www.synology.com/de-de/compatibility?search_by=products&category=usb_3g_4g_dongles&p=1&product_bays=Router&product_name=RT1900ac¬_recommend_mode=false





